Regionale Wertschöpfung

Baywa pelletiert Dinkelspelzen


Der Münchener Konzern hat in Unterfranken investiert. In Mellrichstadt wird künftig aus einem Abfallprodukt ein wertvoller Rohstoff für Tierfutter und Stallhygiene.

 

In sieben Monaten Bauzeit wurden am Standort Mellrichstadt laut Baywa 1,5 Mio. € in eine Dinkelpellets-Presse, Verlade- und Entladehalle inklusive Gosse sowie zwei Pelletsilos und Fördertechnik investiert. Seit elf Jahren setzt das Unternehmen in Unterfranken verstärkt auf den Spezialitätenhandel mit Dinkel aus der Region. Seitdem seien die Verarbeitungsmengen am Standort stetig gestiegen – und damit auch der einhergehende Anfall von Dinkelspelzen, die bisher kostenintensiv entsorgt werden mussten.

Mit jeweils mehr als 1.000 ha Anbaufläche zählen die Landkreise nördlich und südlich von Würzburg und der Landkreis Rhön-Grabfeld zu den bayerischen Hochburgen für Dinkel. In der Spartenregion Unterfranken lag die Anbaufläche 2017 bei über 9.000 ha. Mehr als die Hälfte der Rohware, die in Mellrichstadt erfasst wird, stammt aus der Region. Der Rest sind Zukäufe aus anderen deutschen Anbaugebieten und angrenzenden Ländern. Hauptabnehmer der Dinkelkerne sind Mühlen in ganz Deutschland. Größere Mengen werden von Mellrichstadt aus auch nach Norwegen, Österreich, Schweiz und Italien exportiert.

Als „Abfall“ übrig blieben bisher die Spelzen. „Mit unserer jüngsten Investition in die Pelletieranlage können wir nun den bisher ungenutzten Rohstoff in den Kreislauf zurückführen“, sagt Martin Junius, Betriebsleiter am Standort Mellrichstadt. Pro Stunde presst die Anlage bis zu 3,5 t Spelzenpellets, die Jahresleistung liegt bei 7.500 t. Verwendung finden die Pellets als Rohfaserträger in Rinderfutter oder Einstreualternative in Rinder-, Schweine-, Geflügel- und Pferdeställen. Abnehmer sind Tierhalter in der Region sowie Kraftfutterwerke im In- und europäischen Ausland.

 

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 4. Juli 2018 08:33 | Permanent-Link

    Mit nur einem Federstrich lassen sich solche Märkte leider auch sehr schnell ruinieren; von heute auf morgen quasi.

    Es gibt Aufkäufer, die feststellen, dass im Spelz Weizen wächst. Und diesen lehnt man ab! So lassen sich kurz und schmerzlos selbige Märkte urplötzlich bereinigen, obgleich wir Bauern vollumfänglich sowieso das gesamte Anbaurisiko tragen, und diese selbstredende Verpflichtung, zu der wir verdonnert sind, ist wahrlich nicht zu vernachlässigen.

    Der Dinkel-Boom dauert nunmehr etwa 8 Jahre an. Gerade in vorstehenden Regionen haben Regenereignisse innerhalb nur weniger Stunden den Bauern innerhalb des in Rede stehenden Zeitraumes in 2 Jahren einen Totalverlust verursacht, ihnen also brutalst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Dinkel ist auf dem Halm großflächig ausgewachsen mit der Folge, dass er nicht einmal mehr Futterqualitäten entsprach.

    Wenn der Verbraucher an der Ladentheke Dinkelbackwaren nachfragt, so kauft er ohnedies enthaltenes 60-70% Weizenmehl mit. Jeder Konsument kann ungeachtet der Tatsache, dass Dinkelbrot und -brötchen im Preisniveau ca. ein Drittel höher angesiedelt sind, hier die zuerst geräumten Regale trotzdem feststellen. Die Kundennachfrage ist also sehr hoch!

    Wie impertinent werden wir Bauern hier also wieder einmal vorgeführt!? Wer verdient wann - wo - was - wie viel!? - Ein leuchtendes Beispiel, dass AN der LW nach wie vor herausragend effizient Gewinne abgegriffen werden, ohne dass sich die Bauern daran partizipieren dürfen.

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