Report Technik

Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein


Sieht in der Digitalisierung nicht nur Vorteile: Michael Horsch.
Bild: Privat
Sieht in der Digitalisierung nicht nur Vorteile: Michael Horsch.

Technischer Fortschritt sollte das Leben und die Arbeit leichter machen, doch die Digitalisierung schafft das nicht immer. Schuld ist der hohe Anteil an Büroarbeit, findet der Geschftsführer der Horsch Landmaschinen Michael Horsch.

Der Geldertrag moderner landwirtschaftlicher Großbetriebe sinkt mit dem Grad der Digitalisierung. Diese Beobachtung macht Michael Horsch, Geschäftsführer Horsch Landmaschinen aus Schwandorf, und spricht dabei von einem „kausalen Zusammenhang“. „Diejenigen, die nur ein Minimum an wohldurchdachter Digitalisierung haben, können im Umkehrschluss mit den höchsten Reinerträgen aufwarten“, betont der Firmenchef gegenüber agrarzeitung.de. Horsch habe die Erkenntnis bei Ackerbaubetrieben sowohl in Deutschland als auch weltweit gewonnen, etwa in Kanada und den USA – und das bereits seit Jahrzehnten.

Der Agrarmaschinenspezialist betreibt eigene Agrarbetriebe und hat das Phänomen, das bereits seit einigen Jahren zu beobachten sei, wiederholt in diversen Arbeitskreisen mit Arbeitskollegen diskutiert. Die Ergebnisse seien eher ernüchternd gewesen. „Horsch war beim Einzug der Digitalisierung von Anfang an dabei“, blickt der Unternehmer zurück. Los ging alles mit digitalen Ertrags- und Säkarten. Später folgten teilflächenspezifische Bodenproben oder das Ausbringen von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. „Weiter ging es dann mit hoch komplizierten, digitalen Schlagkarteien, verbunden mit Analysetools, die vorhersagten, wann etwa Krankheiten auf dem Feld entstehen und was der Landwirt konkret dagegen unternehmen soll“, so Horsch. In letzter Zeit haben im Zuge der Digitalisierung die teilflächenspezifische Betrachtung der Gegebenheiten vor Ort mittels Drohnen sowie auch die Auswertung von Satellitenbildern in modernen Ackerbaubetrieben Einzug gehalten.

Alles in allem ist der damit einhergehende hohe Anteil an Büroarbeit für Horsch genau der „Knackpunkt“, der sich letztlich schmälernd auf den Ertrag im Agrarunternehmen auswirkt. Er schreibt die Digitalisierung in der Landwirtschaft aufgrund seiner Beobachtungen nicht grundsätzlich ab; regt jedoch an, sie in den Betrieben zu überprüfen und neu auszurichten. „Denn Digitalisierung hat mittlerweile eine neue Qualität erreicht – sie sollte sinnvoll eingesetzt werden, der Aufwand sollte sich unter dem Strich auch lohnen“, rät Horsch – also nicht Tools und Lösungen wegen eines Digitalisierungstrends anschaffen, sondern alle Maßnahmen im Ackerbau auch wohl durchdenken. „Das gilt für den Klein- wie den Großbetrieb. Das große Ziel sollte es doch sein, durch die Maßnahmen den Ertrag zu sichern und/oder den Arbeitsaufwand zu verringern“, fasst Horsch zusammen.

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