Robert von Keudell

„Autonomen Technologien gehört die Zukunft“


Die Studie ‚X Tractor‘ ist ein ein zu 100 Prozent autonomes Konzept ohne Fahrerkabine.
Kubota
Die Studie ‚X Tractor‘ ist ein ein zu 100 Prozent autonomes Konzept ohne Fahrerkabine.

Der Landtechnikanbieter Kubota aus Japan ist hierzulande noch ein relativ unbekanntes Unternehmen. Robert von Keudell, Director Tractor Sales & Marketing und Prokurist Agriculture, stellt das Portfolio vor und erläutert, wie Smart Farming in Asien funktioniert.

agrarzeitung: Welche Firmenphilosophie steckt hinter Kubota?

Robert von Keudell: Kubota lebt die Kaizen-Philosophie. Das heißt, eine kontinuierliche Verbesserung gehört bei uns traditionell zum Alltag. Und auch gerade deshalb sind wir ein sehr innovativer Hersteller. Zum Beispiel sind wir der erste Landtechnikhersteller, der bereits autonome Traktoren – unseren AgriRobo – an Endkunden verkauft. Traktoren und Bagger mit komplett elektrischem Antrieb sind bereits in Kundenerprobung. Außerdem haben wir eine Allianz mit Microsoft, um unsere digitale Transformation voranzutreiben. Anfang des Jahres haben wir einen Konzepttraktor mit künstlicher Intelligenz vorgestellt.

Kubota-Manager Robert von Keudell erwartet ein schnelleres Umdenken aufgrund des Fachkräftemangels.
Kubota
Kubota-Manager Robert von Keudell erwartet ein schnelleres Umdenken aufgrund des Fachkräftemangels.
Welche Landtechniksegmente werden vor allem bedient?

Mit unserer Landtechnik-Sparte sind wir in Europa vor allem im Bereich Kompakttraktoren und Traktoren bis 180 PS sowie Anbaugeräten am Markt präsent. Das Traktoren-Segment bis 60 PS richtet sich an Kommunal-, institutionelle und Privatanwender. Aber auch Sonderkulturbetriebe nutzen diese. Die Klasse zwischen 61 und 180 PS ist vorgesehen für tierhaltende und Gemischtbetriebe sowie für kleine bis mittlere Ackerbaubetriebe. Wir bereiten uns darauf vor, in Zukunft auch das Segment oberhalb von 180 PS bedienen zu können.

Ist Smart Farming für japanische Landwirte ein Thema im Stall und auf den Feldern?

Durchaus! Wie bereits erwähnt, arbeiten in Japan schon autonome Systeme auf Feldern und Kubota hat schon viele dieser autonomen Traktoren, autonomen Reispflanzer und autonome Reisernter im Einsatz. Das durchschnittliche Alter der Landwirte in Japan ist höher als das des durchschnittlichen Europäers. Daher ist die Herausforderung der verfügbaren Arbeitskräfte dort ein viel größeres und aktuelleres Problem als hier in Europa. Deswegen hat die japanische Politik schon reagiert und autonome Landmaschinen zugelassen.

Kubota ist in dem Segment der führende Hersteller. Das Unternehmen bietet neben der bereits erwähnten autonomen Technologie auch Farm-Management- Lösungen, Lenksysteme und Sensortechnologien unter dem Namen KSAS an.

Gibt es Unterschiede, etwa zur Landwirtschaft 4.0 in Deutschland?

Es gibt einen hohen Grad an Gemeinsamkeiten. Auch in Asien wird durch effizientere Technologie versucht, auf weniger verfügbarer Fläche mehr Ertrag zu erzeugen. Eine zunehmende Urbanisierung und steigende Herausforderungen, qualifizierte Arbeitskräfte für die Landtechnik und Landwirtschaft zu motivieren, treiben die technologischen Entwicklungen an. Unterschiede sind vor allem in der Fruchtfolge und der durchschnittlichen Schlaggröße begründet.

In Asien steht die Reisproduktion im Vordergrund, während Europa ja auf Getreide fokussiert ist. Ein weiterer Unterschied ist, dass die durchschnittliche Schlaggröße kleiner als in Europa ist. Dadurch ist der durchschnittliche Ackerschlepper auch kleiner motorisiert. Aber diese kleineren Traktoren sind auch mit Technologien wie Lenksystemen, Terminals und Sensoren ausgestattet und moderne Landwirte nutzen Farm-Management-Systeme zur Planung und Steuerung ihrer Prozesse. Themen wie Bodendruck, Maschinengewicht und Wendigkeit spielen dort sogar eher eine noch größere Rolle als hier. Auch Kubota testet Einsatzmöglichkeiten von Drohnen, zum Beispiel im Pflanzenschutz.

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Weitere Artikel zum Thema finden Sie in unserem Report Smart Farming.

Wie steht Kubota zum Einsatz autonomer Agrarmaschinen?

Der Einsatz autonomer Technologien wird in Zukunft an der Tagesordnung sein. Die demographische Entwicklung und der daraus resultierende Fachkräftemangel werden zu einem schnellen Umdenken führen. Autonome Traktoren oder Schwarm-Technologien können Lösungen bieten. Aktuell sind die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür noch nicht in allen Märkten gegeben. Dennoch sehen wir ein enormes Potenzial.

Wie bereits erwähnt, bieten wir autonome Traktoren, Reisernter und -pflanzer an. Dabei rüsten wir Serienmaschinen so um, dass sie auf der Straße noch manuell gesteuert und auf den Feldern autonom betrieben werden können. Wenn die Maschinen auf dem Feld sind, kann ein Nutzer zwei autonome Einheiten auf einem Tablet oder PC überwachen. Zudem haben wir kürzlich unsere Studie ‚X Tractor‘ vorgestellt, ein zu 100 Prozent autonomes Konzept ohne Fahrerkabine.

Wird der Dieselmotor bei Ihnen vorerst weiter seinen Dienst versehen – oder gibt es Überlegungen hinsichtlich alternativer Antriebstechniken?

Grundsätzlich zeichnet sich Dieselkraftstoff durch eine hohe Energiedichte, eine sehr gute Verfügbarkeit und eine absolut sichere Anwendung aus. Dank erheblicher Investitionen und Weiterentwicklungen in Motorentechnologie sowie Abgasreinigung sind unsere heutigen Dieselmotoren sehr sauber. Dennoch wächst der Wunsch nach alternativen Antriebsarten. Wir nehmen das sehr ernst und entwickeln deshalb neue Technologien wie LPG-Motoren, elektrische Antriebe und Mini-Hybrid-Systeme. Welche Technologie sich auf Dauer durchsetzen wird, können aber auch wir nur gespannt abwarten.

Heute fokussieren wir uns bei den alternativen Antrieben aber eher auf unsere urbanen Produktgruppen wie Baumaschinen, Kompakttraktoren und Maschinen für die Rasen- und Grundstückspflege. Diese Maschinen werden nämlich innerhalb der Städte eingesetzt und der Trend zu alternativen Antrieben ist hier größer. Natürlich befassen wir uns auch mit dem Thema für unsere landtechnischen Produkte. Hier sind aber aktuell die Herausforderungen der Technologie, zum Beispiel hinsichtlich der Batteriekapazität, und des Investitionsaufwands sehr groß.

Aktiv in 110 Ländern

Kubota feiert dieses Jahr sein 130-jähriges Bestehen und zählt zu den ‚Top 3‘ der weltweiten Landtechnikhersteller. Die Kubota Corporation ist ein Weltunternehmen mit mehr als 40.000 Mitarbeitern und Niederlassungen in mehr als 110 Ländern in Nordamerika, Europa sowie Asien. Der Hauptsitz befindet sich im japanischen Osaka. Neben Aufsitzmähern, Land-, Kommunal- & Baumaschinen produziert Kubota Motoren, Rohrsysteme und Wasseraufbereitungsanlagen. Der globale Umsatz mit Landmaschinen summierte sich im Geschäftsjahr 2019 auf fast 18 Mrd. US-$.


 

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