Russland

Agravis macht Negativ-Schlagzeilen

Millionenbetrug in Russland kommt nach mehreren Jahren ans Licht. Auch Holzenkamp gerät in die Kritik.

Die Agravis Raiffeisen AG ist offenbar jahrelang von einem Ex-Manager betrogen worden. Das geht aus einem Bericht des Nachrichtenportals Spiegel Online hervor, der schwerpunktmäßig die Zeit von 2009 bis 2016 betrifft. Dem Bericht zufolge hat Konrad Falk, der früher für das Russland-Geschäft der Agravis zuständig war, den Agrarhändler systematisch um 40 Mio. € betrogen. Spiegel zitiert eine Agravis-Mitarbeiterin, laut der Falk um das Futtermittelwerk in Novoaleksandrowsk bei Krasnodar ein Netz von eigenen Firmen aufgebaut hat. Außerdem gehöre das Grundstück, auf dem das Werk stand, einer Firma Falks namens Agroinvest. Die habe bei der Agravis eine Pacht von 30.000 € kassiert, nach Spiegel-Recherchen das Dreifache des damaligen Marktpreises. 

Agravis äußerte sich mit Verweis auf noch laufende gerichtliche Verfahren nicht detailliert zu dem Bericht, dementierte ihn aber auch nicht. Auf Anfrage dieser Zeitung teilte der Konzern mit Sitz in Münster und Hannover mit, erst seit Mitte 2015 Hinweise über die Unregelmäßigkeiten im Russland-Geschäft erhalten zu haben. In dem Zusammenhang sei aufgefallen, dass ein „leitender Angestellter“ bei der überteuerten Pacht die Finger im Spiel hatte. Agravis hat nach eigenen Angaben „umgehend“ Konsequenzen gezogen, nahezu die komplette Führungsebene in Russland ausgetauscht. Grundstück und Futtermittelwerk, das rund 60.000 t Mischfutter für den regionalen Markt produziert, seien nun „vollständig im Eigentum der Agravis“. 

In die Kritik gerät auch Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) und seit 2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Agravis. Er habe nicht die „Bremse gezogen“, heißt es bei Spiegel Online. Der DRV äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. „Der Vorstand hat den Aufsichtsrat laufend informiert. Erforderliche Entscheidungen wurden im Aufsichtsrat besprochen und genehmigt“, heißt es bei Agravis

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