Russlandgeschäft

Agravis nennt Verluste in früheren Jahresberichten

Agravis hat 2014 in Russland viel Geld verloren. Die Verluste waren Thema in den Geschäftsberichten 2014 und 2015. Damals war von einem einstelligen Millionenverlust die Rede.

Bei der Agravis Raiffeisen AG halten sich die Verantwortliche auf Anfragen von Journalisten bedeckt – mit dem Hinweis auf laufende gerichtliche Verfahren. Hinweise zu den Verlusten, die im Futtermittelwerk in Novoaleksandrowsk bei Krasnodar aufgelaufen sind, finden sich aber bereits im Geschäftsbericht des Jahres 2014. Dort heißt es im Kapitel „Risiken“ auf Seite 69: „Im Auslandsgeschäft – zum Beispiel in Russland – haben Währungsturbulenzen im Berichtsjahr zu Verlusten von rund 5 Mio. € geführt, die im Konzernabschluss Berücksichtigung fanden. Absicherungen sind aufgrund der längeren Laufzeiten zum Beispiel bei Darlehen nicht möglich.“

Das Nachrichtenportal Spiegel Online hatte in dieser Woche berichtet, dass ein ehemaliger Agravis-Mitarbeiter das Agrarhandelsunternehmen systematisch um 40 Mio. € betrogen habe. An einer solchen Höhe der Verluste haben allerdings auch Insider aus der Genossenschaftsszene bereits Zweifel angemeldet, heißt es in der heutigen Print-Ausgabe der agrarzeitung (az).

Aus dem Geschäftsbericht 2015 lässt sich zudem entnehmen, dass es damals intern rege Diskussionen um den Millionenverlust in Russland gegeben haben muss. Das Management berichtet auf Seite 26 zu den Konsequenzen: „Aufgrund operativ und personell gegebener Umstände wurde Ende 2015 eine erforderliche Neustrukturierung des Futtermittelgeschäfts in Russland – einschließlich des eigenen Werks in Novoaleksandrowsk – durch den Vorstand eingeleitet. Eine entsprechende Risikovorsorge wurde im Konzernabschluss berücksichtigt.“

Diskussionen um eine ausreichende Kontrolle

Dass damals schon Zweifel an einer funktionierenden Kontrolle im Konzern aufgekommen sein müssen, lässt sich aus den Erklärungen ableiten, die unmittelbar auf die angekündigte „Neustrukturierung" in Russland folgen. Wörtlich heißt es dort: „Die Berichte des Vorstands an den Aufsichtsrat haben alle relevanten Informationen zur Planung, zur Geschäftsentwicklung und über die Lage der Agravis-Gruppe beinhaltet. Das Chancen- und Risikomanagement wurde umfassend und nachvollziehbar erörtert, über besondere Risikosituationen wurde zusätzlich in schriftlicher Form berichtet. Der Aufsichtsrat hat den vorgeschlagenen Maßnahmen sowie den zustimmungspflichtigen Geschäftsvorfällen zugestimmt.“

Themen:
Agravis

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  1. Harras 07
    Erstellt 20. Juli 2018 16:36 | Permanent-Link

    "Die Sonne bringt es an den Tag"

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