RWZ-Generalversammlung

Vorstand schwört auf Allianzen ein


Die Zeiten, in denen die RWZ als Übernahmekandidat gehandelt wurde, sind vorbei, erklärt der RWZ-Vorstandsvorsitzende Christoph Kempkes
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Die Zeiten, in denen die RWZ als Übernahmekandidat gehandelt wurde, sind vorbei, erklärt der RWZ-Vorstandsvorsitzende Christoph Kempkes

Die Raiffeisen-Genossenschaften müssen ein stärkeres „Wir-Gefühl“ entwickeln, um in Zeiten immer engerer Margen zu bestehen. Das sagt RWZ-Vorstandschef Christoph Kempkes. Bei Kartoffeln ist offenbar eine Allianz am Horizont.

Die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein Main (RWZ) in Köln zieht für die ersten Monate des Geschäftsjahres 2018 eine gemischte Bilanz. „Das Betriebsmittelgeschäft ist schwach gestartet“, sagte Vorstandsvorsitzender Christoph Kempkes auf der Generalversammlung der RWZ am Dienstag in Bonn. Im ersten Quartal sei „wenig zu düngen gewesen“ aufgrund des kalten Wetters. Der Bereich Pflanzenschutz habe sich im Wesentlichen stabil entwickelt. Bei Saatgut ist der RWZ-Vorstandschef „verhalten optimistisch“, dass die eigenen Erwartungen übertroffen werden. Bei den Agrarerzeugnissen hänge jetzt „viel von der Ernteerfassung und den Preisniveaus ab“, so Kempkes. „Wir sind momentan auf Plan, brauchen aber noch ein bisschen Fortune“, fügte er vor den Genossenschaftsmitgliedern im Plenarsaal der alten Bundesrepublik hinzu.

Kempkes betonte erneut Wachstumspläne für den Bereich Kartoffeln: „Das ist für uns eine Bank, auf die wir uns verlassen können“, so der CEO. Man ziehe „kleinere Übernahmen und Allianzen“ als Wachstumsmöglichkeiten in Betracht. In dem Zusammenhang kündigte Kempkes eine partnerschaftliche Beteiligung an den Kartoffelaktivitäten der Agrargenossenschaft Buir-Bliesheimer an.

Zu kompliziert und fehleranfällig

Kempkes sieht die RWZ zwar mit Blick auf die Restrukturierungs-Strategie unter der Überschrift „PRIO“ auf Kurs. Die Zeiten, in denen die RWZ als „Wackelkandidat“ oder „Übernahmekandidat“ gehandelt worden war, seien nun vorbei, zeigte er sich überzeugt. Dennoch müsse die RWZ sich weiter bewegen, rief er den Genossen im Saal zu. Auf die Stabilisierung folge nun die Mobilisierung, ganz zu schweigen von der Dynamisierung. Die RWZ sei in ihrer Struktur zu komplex: „Wir in der RWZ sind einfach noch zu kompliziert und deshalb fehleranfällig“, so Kempkes.

Kempkes schwor die Genossen im Saal auf weitere Allianzen und Kooperationen an, die dosiert schon mit einer Übertragung des operativen Mischfuttergeschäfts und weiter Teile des Raiffeisenmärkte-Geschäfts an die Agravis passiert ist. „Unsere Branche verändert sich rasant“, unterstrich er. In einem härter werdenden Wettbewerb sei es schwer „alleine“ zu bestehen. Handelten die Raiffeisen-Genossenschaften gegeneinander, würde es „noch schwerer“, sagte er. „Besser geht es miteinander“, so der RWZ-Vorstandschef.

Zahl der Standorte in Frage gestellt

Einen kleinen Ausblick gab Kempkes auf die Zeit nach „PRIO“. „Struktur und Kapitalausstattung sind die wichtigsten Zukunftsthemen“, so Kempkes. Konkret betreffe das die Fragestellung, wie man die „Zahl an Standorten“ in Zeiten des Strukturwandels an ein „numerisch kleineres Umfeld“ anpassen könne, „sodass wir den Winzer und Landwirt vor Ort weiter bedienen können und das weiterhin noch ökonomisch tragbar ist“, unterstrich er.

Die Mitglieder entlasteten Vorstand und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2017 einstimmig wie auch den Geschäftsbericht. Ein anwesender Winzer aus Rheinland-Pfalz kritisierte die Schließung dreier Technik-Standorte der RWZ in seiner Region innerhalb der letzten Jahre. Das bedeute für die Landwirte, teilweise 40 Kilometer zum nächsten Standort fahren zu müssen. Kempkes wiederholte in Reaktion auf die Kritik, dass einzelne Standortschließungen im Spannungsfeld der engeren Margen und des Strukturwandels unumgänglich werden.

Am Rande der Versammlung war aus Kreisen der genossenschaftlichen Mitglieder Zustimmung zum Kurs der punktuellen Allianzen zu hören. Fusionen mit einer anderen Genossenschaft dagegen werden naturgemäß sehr skeptisch gesehen.  

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