Saatguthandelstag

Live-Datenbank für Saatgut gefordert


Beschwerlich und intransparent sei der Weg, um einen Überblick über die Versorgung mit Saatgut zu finden, meint der BVO. Doch gleichzeitig ist eine Sondierung Voraussetzung für die Versorgung mit heimischem Saatgut. Die Branche schlägt einen Weg vor, um Importe einzudämmen.

Die Branche für Ökosaatgut hat bereits das, wonach sich Vermehrungsorganisationen (VO-Firmen) im konventionellen Sektor sehnen: Eine offizielle Datenbank für alle verfügbaren und vermehrten Sorten von Saatgutunternehmen.

Erfahrungen vergangener Jahre, in denen die Versorgungslage mit konventionellem Saatgut schwierig war, haben gezeigt, wie schwerfällig und langwierig der Weg für die Branche ist, bis diese einen Überblick zum Angebot von Sorten und Mengen hat, so zumindest die Sicht der VO-Firmen, die schließlich für die Logistik nach der Ernte und vor der Aussaat zuständig sind. „Von dem Gefühl der Saatgutknappheit zur Erkenntnis über benötigte Sorten und Mengen vergehen rund zehn Wochen“, sagte Martin Courbier, Geschäftsführer des Bundesverband der VO-Firmen, während des Branchentreffs zum Saatguthandelstags in Magdeburg. Anschließend erst kann Deutschland einen Antrag bei der EU-Kommission stellen, um die Mindestkeimfähigkeit von bestimmten Kulturarten zu senken. Bis zu einer Genehmigung vergehen dann noch weitere vier Wochen.

 

Vermarktungschancen verpasst

Im vergangenen November kam folglich das Gefühl auf, womöglich knapp versorgt zu sein. Mitte März erteilte die Kommission dann erst die Genehmigung. Zwischenzeitlich entgeht der Branche durch diesen Zeitverlust die Chance, mehr Saatgut zu verkaufen, lässt Courbier durchblicken. Denn wer dringenden Bedarf an Sommerweizen und -roggen hat, kann auf Importware zugreifen. So muss es in diesem Frühjahr wohl gewesen sein. Denn trotz des vorhergesagten Engpasses an Sommergetreide, wurden verfügbare Mengen an Roggen und Weizen gar nicht nachgefragt.

Plattform für alle

Vor diesem Hintergrund setzt sich der Bundesverband der VO-Firmen (BVO) für eine offizielle Live-Datenbank ein, auf die alle Branchenteilnehmer zugreifen können. Sie soll entweder von den Saatgutanerkennungsstellen oder der Wirtschaft gespeist werden und folgende Informationen enthalten: Stand der anerkannten Mengen nach Fruchtart, Stand der aberkannten Mengen nach Fruchtart, potenzielle Menge bei Saatgutknappheit, durchschnittlicher Bedarf der Landwirtschaft.
Nichtsdestotrotz bleiben offene Fragen. Wer soll die Datenbank betreiben? Sind Teilnehmer entlang der Wertschöpfungskette bereit, ihre Sommergetreide-Partien frühzeitig zur Anerkennung zu bringen? Zudem bleibt die Nachfrage schlecht kalkulierbar.
Öko-Dokumentation
Die Datenbank für Ökosaatgut namens organicXseeds wird vom Fibl verwaltet. Alle Bundesländer haben die Fibl Projekte GmbH beauftragt, diese rechtlich verbindliche und abschließende Dokumentation von Saatgut mit der Datenbank organicXseeds umzusetzen.

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