Schlachthof Emstek

Abwasserstreit belastet Vion

Der Schlachtkonzern Vion und die Stadt Cloppenburg streiten um die Reinigung des Abwassers aus dem Schlachthof in Emstek. Eine Lösung des Problems ist noch nicht in Sicht.

In der Debatte um die Abwasserentsorgung mit der Stadt Cloppenburg ist der Fleischkonzern um Entspannung bemüht. Vion räumt ein, dass es 2016 und 2017 Probleme mit zu hohen Schmutzfrachten gegeben habe, diese seien nun aber behoben. Zudem seien durch zusätzliche Maßnahmen „enorme Verbesserungen des Klärergebnisses“ erreicht worden, sagte der Geschäftsführer von Vion Emstek, Bernd Janssen, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Emstek. Eine permanente Kontrolle, des aus der betriebseigenen Kläranlage abfließendes Wassers, kombiniert mit einer automatischen Absperrvorrichtung garantiere, dass künftig kein Wasser in die Kanalisation gelangt, das die geforderten Grenzwerte übersteigt.

Im Mai 2017 hatte Cloppenburg den Abnahmevertrag für das vorgereinigte Abwasser aus dem Schlachthof in Emstek fristlos gekündigt. Sollte die Stadt dem Konzern tatsächlich den Hahn zudrehen, müsste die Produktion eingestellt werden, denn alternative Entsorgungskonzepte gibt es nicht. Doch von einem solchen Worst-Case-Szenario will David de Camp nichts wissen. Der Niederländer hofft, dass die drei beteiligten Parteien Cloppenburg, Emstek und Vion eine Lösung finden. Vion sei bereit, 3 Mio. € in zusätzliche Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität zu investieren, betont de Kamp, der vor einem halben Jahr von Tönnies zu Vion nach Emstek wechselte. Die von der Stadt ausgesprochene fristlose Kündigung des Vertrages ist nach Ansicht von Vion nicht wirksam. Aus Sicht des Unternehmens läuft der aktuelle Vertrag 2022 aus. Weil hohe Investitionen Planungssicherheit erfordern, wünsch sich de Camp eine neue Vereinbarung mit einer Laufzeit von 15 bis 20 Jahren.

3,2 Millionen Schweineschlachtungen pro Jahr

Der Vion-Schlachthof in Emstek dürfen pro Woche bis zu 70.000 Schweine geschlachtet werden. Im vergangenen Jahr wurde die genehmigte Kapazität mit 3,2 Millionen Tiere zu knapp 90 Prozent ausgeschöpft. Den Umsatz des Unternehmens mit rund 1.200 Mitarbeitern beziffert Vion auf 650 Mio. €. Der Schlachthof wurde 1992 eröffnet. Weil die Kläranlage in Emstek das Schmutzwasser aus der Produktion nicht aufnehmen konnte, schloss die Gemeinde mit der benachbarten Kreisstadt Cloppenburg einen Kooperationsvertrag. Seitdem darf Vion das in einer betriebseigenen Kläranlage vorgereinigte Abwasser in die Cloppenburger Kanalisation leiten. Praktische Auswirkungen hat die 2017 ausgesprochene Vertragskündigung noch nicht, denn bisher nimmt Die Stadt das Abwasser weiter ab.


Die Stadt Cloppenburg will den aktuellen Stand der Verhandlungen nicht kommentieren. Auf die aktuelle öffentliche Debatte reagierte die Verwaltung mit einer knappen schriftlichen Mitteilung. Grundsätzlich sei man weiter bereit eine neue Vereinbarung zur Abnahme des Abwassers mit der Gemeinde Emstek zu schließen und eine „für alle zufriedenstellende Lösung zu finden“. In den aktuellen Verhandlungen sehe man aber keinen Fortschritt. Zum Schutz der eigenen Kläranlage sei man darauf angewiesen, eigene Maßnahmen zu ergreifen. „Wir vermissen ein Verständnis für die Situation und die Bereitschaft zur Behebung von Mängeln“, heißt es in Cloppenburg.

Diese Pauschalkritik kommt bei Vion nicht gut an. Das Unternehmen verweist auf zahlreiche technische und organisatorischen Veränderungen in Emstek. Transparenz stehe bei Vion an erster Stelle und der Schutz der Umwelt sei nicht weniger wichtig, betont Geschäftsführer de Camp.

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