Schweinehaltung

Mehr Wunsch als Wirklichkeit


Foto: SB

Seit Jahren suchen Schweinehalter nach Möglichkeiten, um auf das Kupieren der Schwänze zu verzichten. Die Erfahrungen zeigen, dass Ringelschwänze mit der konventionellen Schweinehaltung nur schwer vereinbar sind.

Der Ringelschwanz soll dranbleiben. Das wünschen sich die meisten Verbraucher und auch der Gesetzgeber. Denn obwohl in Deutschland bei fast allen Schweinen die Schwänze gestutzt werden, ist dieses Verfahren eigentlich verboten. Nur in Ausnahmefällen darf mindestens ein Drittel des Schwanzes amputiert werden. In der Praxis ist die Ausnahme die Regel: Statt eines Drittels wird häufig deutlich mehr vom Ringelschwanz entfernt. So soll verhindert werden, dass sich die Tiere an den Schwänzen knabbern.


In den vergangenen Jahren haben viele Landwirte in Dutzenden von Modellprojekten nach Wegen gesucht, wie Schweine mit unversehrten Ringelschwänzen gehalten werden können. Die Ergebnisse zeigen, dass sich in der konventionellen Schweinehaltung mit Spaltenböden und unstrukturierten Mastbuchten schwere Verletzungen bei einem hohen Prozentsatz der Tiere nicht vermeiden lassen.

Wenn es gut läuft, bleiben 70 Prozent der Schwänze unversehrt

Ferkelerzeuger Thorsten Riggert aus Klein Süstedt im niedersächsischen Landkreis Uelzen hat ausprobiert, ob der lange Ringelschwanz bei Ferkeln auf einem konventionellen Betrieb eine Chance hat. Seine Erfahrungen sind ernüchternd. Trotz eines großen Engagements mit zusätzlichem Beschäftigungsmaterial hat er im Schnitt nur 70 Prozent der Tiere mit einem heilen Schwanz durch die Ferkelaufzucht gebracht.

An guten Ideen fehlte es dabei nicht. So wurden gebrauchte Breiautomaten in die Buchten montiert und mit Dinkelspelz-Pellets, Kurzstroh oder Hobelspänen befüllt. Die Verletzungen an den Schwänzen mussten behandelt werden, wodurch der Antibiotikaverbrauch in dem 450-Sauen-Betrieb in die Höhe schnellte. In der Mast seien die Probleme zwar nicht ganz so groß gewesen, Ausbrüche von Schwanzbeißen habe es aber auch dort immer wieder gegeben.

Für Thorsten Riggert ist das Fazit klar: „In den meisten Betrieben ist das Halten von Schweinen mit ungekürzten Schwänzen nicht verantwortbar.“ Trotz allem nimmt er viele positive Erkenntnisse aus den Versuchen mit. In der Kontrollgruppe mit Tieren, denen ein Drittel des Schwanzes gekürzt wurde, fand er dank der zusätzlichen Maßnahmen keine Schwanzverletzungen mehr.

Es gibt aber auch andere Bespiele wie den Neuland-Bauer Hauke Duensing-Knop. In seinem Betrieb gut eine Autostunde weiter westlich in Rodewald bei Nienburg verzichtet auch er auf das Kupieren der Schwänze und zeigt, wie es mit höherem Aufwand funktioniert. Mit 80 Sauen ist sein Betrieb deutlich kleiner. Rund 900 Mastschweine gehen jährlich zur Schlachtung, fast 90 Prozent davon mit einem kompletten Schwanz, berichtet der Schweinehalter. Bei etwa 5 Prozent der Tiere seien Nekrosen die Ursachen für die gekürzten Schwänze, der Rest geht auf das Konto von aggressiven Artgenossen. Die Tiere auf dem Hof haben etwa doppelt so viel Platz als gesetzlich vorgeschrieben und müssen Zugang ins Freie haben. Die Ställe haben einen überdachten Auslauf mit Betonboden, der wie der Stall mit Stroh eingestreut ist. Wenn einmal Schwanzbeißen auftritt, werden die Tiere beobachtet und der Übeltäter aus der Gruppe entfernt. Er wird dann in eine Bucht mit älteren Tieren umgesetzt, die sich gegen das aggressive Verhalten besser verteidigen können.

„In den meisten Betrieben ist das Halten von Schweinen mit ungekürzten Schwänzen nicht verantwortbar.“
Thorsten Riggert, konventioneller Schweinehalter, 

Im Stall wird täglich so viel Stroh nachgestreut, wie die Tiere fressen. Weil die Tiere in der Regel im Freien abkoten, wird der Stall erst zum Ende der Mast ausgemistet. Aus dem Außenbereich wird der Mist zweimal wöchentlich maschinell herausgeschoben und anschließend frisches Stroh nachgestreut.

Für die Schweine bekommt Duensing-Knop einen im Voraus vereinbarten Preis, der in diesem Jahr bei 2,13 €/kg Schlachtgewicht liegt. Zusammen mit der Ringelschwanzprämie von 16,50 € je Tier lohne sich der Aufwand. Ohne die Prämie würde er wohl auch klarkommen, doch nur deshalb, weil sein Stall bereits bezahlt ist, stellt der Neuland-Bauer fest.

 

stats