Schweinehaltung

Bauern bleiben auf Gülle sitzen

Im Nordwesten Deutschlands sind Flächen für die Gülleausbringung knapp. Viele Schweinhalter finden für ihre überschüssigen Wirtschaftsdünger keine Abnehmer.
Zunhammer
Im Nordwesten Deutschlands sind Flächen für die Gülleausbringung knapp. Viele Schweinhalter finden für ihre überschüssigen Wirtschaftsdünger keine Abnehmer.

Im Nordwesten bahnt sich ein dramatischer Engpass bei der Verwertung der Wirtschaftsdünger an. Schweinehalter befürchten, dass sie die Produktion einstellen müssen.

Die neue Düngeverordnung sorgt in den nordwestdeutschen Veredelungsregionen für massive Probleme bei der Verwertung von Wirtschaftsdüngern. Besonders hart betroffen sind Schweinehalter, deren Ackerflächen nicht ausreichen, um die Gülle entsprechend den gesetzlichen Regelungen auszubringen. Hauptgrund sind die im vergangenen Jahr beschlossenen Verschärfungen im Düngerecht, die in diesem Jahr erstmals in der Praxis wirksam werden.

Ackerbauern nehmen weniger Gülle ab

Deutlich nachgelassen hat nach Aussagen von Vermittlern in den Güllebörsen das Interesse der Landwirte in den Ackerbauregionen an der Gülledüngung. Dort mussten zunächst die Wirtschaftsdünger aus Biogasanlagen entsprechend den neuen Regeln der Düngeverordnung ausgebracht werden, was Fläche gekostet hat. Zudem fürchten die Ackerbauern wegen der schwankenden Nährstoffgehalte und der schlechteren Verfügbarkeit der Nährstoffe aus der Gülle, dass ihre eigene betriebliche Düngebilanz aus dem Gleichgewicht gerät. Bedenken bestehen auch, weil Betriebe, die Gülle aufnehmen, mit strengeren Kontrollen durch die Düngebehörden rechnen. 


Hauptsaison für die Gülleausbringung ist das Frühjahr. Zum Sommerbeginn müssten die Güllesilos leer sein, denn in größeren Mengen kann der organische Dünger erst wieder im Februar 2019 auf die Felder gefahren werden. Viele Schweinehalter haben bisher aber zu wenige Abnehmer gefunden und müssen Gülle in das neue Wirtschaftsjahr überlagern. Entlastung ist nicht in Sicht, denn die Düngesaison neigt sich dem Ende zu und auch im Herbst sind die Möglichkeiten mit der Verschärfung des Düngerechts deutlich eingeschränkt.

Preise für die Gülleentsorgung explodieren

Die fehlende Nachfrage hat dazu geführt, dass die Preise für die Entsorgung der Gülle explodiert sind. Bei Kosten von bis zu 30 €/m3 verteuert sich die Produktion um 15 € je Mastschwein. Auch wenn die Schweinepreise im Mai wieder etwas angezogen sind, lassen sich diese Mehrkosten in vielen Betrieben nicht erwirtschaften. Für viele Schweinhalter wird deshalb die Einschränkung der Produktion die einzige Möglichkeit sein, das Problem für ihren Betrieb zu lösen. Beobachter rechnen damit, dass die Mäster die Zeit bis zum Jahresende mit den saisonal höheren Preisen nutzen, aber anschließend auf die Aufstallung neuer Tiere verzichten. Von einer solchen Entwicklung wären zunächst die Ferkelerzeuger hart getroffen. Im Winter könnte dann das Angebot an Schlachtschweinen deutlich sinken.

Furcht vor Illegaler Ausbringung

In der Branche fürchtet man sich aber auch vor einem zweiten Szenario: In ihrer Not könnten die Schweinmäster in Westfalen und im Oldenburger Münsterland auf ihren eigenen Flächen mehr Gülle ausbringen, als zulässig, vermutet der Geschäftsführer einer in Nordwestdeutschland ansässigen Nährstoffvermittlung. Er warnt vor den verheerenden Folgen für das Grundwasser und für das Image der Tierhaltung. Sollten die Verstöße aufgedeckt werden, führe das zu einem weiteren Ansehensverlust der Landwirtschaft. 

Von der Politik ist kurzfristig keine Hilfe zu erwarten. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast sagte in der vergangenen Woche bei einer Veranstaltung in Vechta, dass die Einschränkung der Produktion „ein Teil der Lösung“ sein könnte. Am Ende könne es „in dem einen oder anderen Betrieb weniger Tiere geben“, meinte die CDU-Politikerin. Mittelfristig hofft sie auf Verfahren zur Gülleaufbereitung, bei denen mineraldüngerähnliche Produkte entstehen, die besser zu transportieren sind und in den Ackerbauregionen eine größere Akzeptanz finden.

Aufbereitung der Gülle soll Probleme lösen

Erste Pläne für eine Großanlage, in der eine Millionen Kubikmeter Gülle pro Jahr verarbeitet werden können, gibt es für einen Standort im Norden des Kreises Cloppenburg. In Westfalen ist man etwas weiter. Dort soll zum 1. August eine Anlage in Betrieb gehen, die bis zu 200.000 t Gülle pro Jahr voll aufbereitet. Angesichts der riesigen aktuellen Überhänge sei das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, kommentiert der Vermittler einer Güllebörse die Investition.
„Die Nährstoffüberschüsse sind die Achillesferse der Region.“
Uwe Bartels, Geschäftsführer des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland, 

Die ungelösten Probleme mit den Nährstoffüberschüssen, sind die „Achillesferse der Region“ warnt der Geschäftsführer des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland, Uwe Bartels. Von einer Einschränkung der Schweineproduktion wären nicht nur die Landwirte, sondern auch der vor- und nachgelagerte Bereich betroffen. Kurzfristig könnte der Bau zusätzlicher Güllesilos in den Ackerbauregionen helfen. Langfristig sind nach Meinung des ehemaligen niedersächsischen Landwirtschaftsministers Vollaufbereitungsverfahren für die Gülle „zwingend erforderlich“. Doch die Genehmigungsverfahren für die geplanten Großanlagen sind langwierig, sodass sie erst in einigen Jahren Entlastung bringen können. Zudem haben Umweltverbände bereits ihren Widerstand angekündigt. Sie sind der Meinung, dass die Nährstoffüberschüsse durch einen Abbau der Tierhaltung reduziert werden müssen.

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