Sparprogramm

Bayer setzt den Rotstift an


Bayer

In den vergangenen vier Monaten hat Bayer 30 Prozent des Börsenwertes verloren. Ein konzernweites Sparprogramm soll den Chemiekonzern wieder aufrichten.

Bayer will sich neu ordnen und seine Strukturen straffen. Dafür plant der Konzern ein groß angelegtes Sparprogramm – einschließlich Stellenabbau und Verkäufen. Auch in der Agrarsparte, die das Unternehmen erst in diesem Jahr mit dem Agrochemie- und Saatgut-Anbieter Monsanto erweitert hat, sollen Jobs gestrichen werden. Das geht zumindest aus einem Bericht des Handelsblatts hervor.

Die Stimmung bei Bayer sei schlecht. Der Aktienkurs fiel seit August um ein Drittel auf rund 60 Mrd. €, ein Minus von 30 Mrd. €. Fast so viel, wie das Unternehmen für Monsanto auf den Tisch legte. In der Belegschaft mache sich Unsicherheit und Nervosität breit, heißt es daher im Handelsblatt. 

Unsicherheitsfaktor Glyphosat

Das sei auch auf die Monsanto-Übernahme und Glyphosat zurückzuführen. Die Glyphosat-Prozesse um Monsanto tragen zur Verunsicherung am Kapitalmarkt bei. Aktuell laufen 9.300 Klagen gegen die Bayer-Tochter Monsanto, die im Zusammenhang mit dem umstrittenen Pflanzenschutzmittel stehen.

Welche finanzielle Belastung daraus erwachsen könnte, ist unklar. Diese Unsicherheit schreckt Investoren ab. Bei den Prozessen geht es um die Frage, ob Glyphosat krebserregend sei und ob Monsanto absichtlich eine mögliche Gesundheitsgefahr verschwiegen habe. Den Vorwurf der Krebsgefahr konternte Bayer bisher mit Studien, die keinen Zusammenhang zwischen Krebsleiden und der Chemikalie sehen.

Bisher wurde Monsanto von einem Laiengericht in den USA zu einer empfindlichen Strafe verurteilt, weil die Geschworenen es als erwiesen ansahen, dass das Unternehmen mutmaßliche Gesundheitsgefahren verschwiegen habe. Ein anderes Gericht relativierte die Höhe der Strafe. Bayer setzt bisher darauf, von Gerichten höherer Instanz doch noch Recht zu bekommen.

Kosteneinsparungen offenbar auch bei Agrar geplant

Nach dem Aufkauf von Monsanto sind Synergien in Höhe von 1,2 Mrd. € innerhalb von drei Jahren geplant. Den Großteil sollen neuen Produkte generieren. Doch auch in der Agrarsparte sind offenbar Kosteneinsparungen geplant. Es werde zu einem Stellenabbau kommen, nur in welchem Umfang und wo genau, sei bisher nicht klar. Betriebsbedingte Kündigungen sollen in Deutschland ausbleiben, meldet das Handelsblatt weiter.

Bayer prüft laut dem Bericht auch den Verkauf von Unternehmensteilen. Die Tiermedizinsparte gilt als möglicher Kandidat. Besonders hart soll es die Sparte Consumer Health treffen, die frei verkäufliche Medikamente wie Aspirin herstellt. Auch hier werde es zu Stellenstreichungen kommen. In Deutschland gilt jedoch ein Vertrag zur Standortsicherung bis 2020. Bayer kann also nur über Fluktuation und freiwillige Kündigungen seine Belegschaft reduzieren. 

Das Fahrwasser wird also unruhig für das Dickschiff Bayer. Am Mittwoch nächster Woche tritt die Chefetage des Konzerns in London zusammen und entscheidet über eine Strategie, die wieder in erfolgreichere Gewässer führen soll.

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