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"Der deutsche Agrarhandel ist eine Gerüchteküche"


Glaubt trotz aller aktuellen Schwierigkeiten an eine positive Perspektive für den deutschen Agrarmarkt: CEO Kristian Hundebøll.
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Glaubt trotz aller aktuellen Schwierigkeiten an eine positive Perspektive für den deutschen Agrarmarkt: CEO Kristian Hundebøll.

DLG-CEO Kristian Hundebøll setzt auf organisches Wachstum in Deutschland, schließt größere Expansionsschritte aber nicht prinzipiell aus. Außerdem äußert sich der Chef des Mehrheitseigners der HaGe-Kiel zum Pflanzenschutz-Kartell.


agrarzeitung (az): BSL, das 100-prozentige Tochterunternehmen der DLG-Tochtergesellschaft HaGe Kiel, hat sich im Kartellverfahren um wettbewerbswidrige Preisabsprachen im Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln mit dem Bundeskartellamt auf ein Settlement in Höhe 29,25 Mio. € verständigt. Bislang ist dies das drittgrößte Bußgeld nach Baywa und Agravis. Was bedeutet das für das Deutschland-Geschäft des DLG-Konzerns?

Kristian Hundebøll: Das Bußgeld hat das Ergebnis der HaGe Kiel im Jahr 2019 gedrückt. Die HaGe hat zwar ihr Ergebnis nach Abschreibungen und Steuern, kurz Ebitda, um 16 Prozent verbessert, aber unter dem Strich wurde das Ergebnis durch das Bußgeld beeinträchtigt.

Nur einen Tag nachdem das Bundeskartellamt die Details zum Verfahren rund um das Pflanzenschutzkartell bekanntgegeben hat, hat Bernd Czarnyan, der Geschäftsführer von BSL, seinen Posten geräumt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dieser Personalie und dem Kartellverfahren?

Ich werde mich nicht zu internen Personalangelegenheiten der HaGe Kiel äußern.

Im Sommer 2019 hat der damalige HaGe-Vorstand Markus Grimm überraschend seinen Hut genommen. Seinerzeit gab es bereits Vermutungen im Markt, dass diese Personalentscheidung im Zusammenhang mit dem Pflanzenschutzkartellverfahren stand.…

Die deutsche Agrarhandelsbranche ist bekannt für ihre Gerüchteküche. Und auch hier gilt: Ich äußere mich nicht zu konzerninternen Personalentscheidungen.

Um zu tagesaktuellen Unternehmensentwicklungen zu kommen: Inwiefern plant der DLG-Konzern frische Investitionen in den deutschen Agrarhandelsmarkt für 2020?

Aktuell gibt es keine konkreten Pläne. Aber grundsätzlich halten wir Ausschau nach Wachstumsmöglichkeiten auf dem deutschen Markt. Falls wir investieren, muss es sich um ein Target handeln, das unserem Geschäft einen echten Mehrwert bietet.

In der deutschen Agrarhandelsbranche heißt es, dass die HaGe Kiel zuletzt recht rege mit Wettbewerbern das Gespräch gesucht hat, um mögliche ‚Kooperationen‘ ins Spiel zu bringen…

Wie ich schon sagte: Die deutsche Agrarhandelsbranche ist bekannt für ihre Gerüchteküche. Aber zuletzt haben wir uns mehr auf organisches Wachstum konzentriert. Nehmen Sie zum Beispiel den Ausbau unserer Lagerkapazitäten im Hafen von Rostock. Was Investitionen in andere Unternehmen angeht, liegen aktuell wirklich keine konkreten Pläne auf dem Tisch.

Wenn Sie heute noch einmal darüber entscheiden müssten: Würden Sie dann weiterhin in Lagerkapazitäten in Rostock investieren? Der Konkurrenzdruck an den Seehäfen in Deutschland ist groß, während sich das Exportgeschäft nicht so vielversprechend wie vor einigen Jahren noch erwartet entwickelt…

Wir würden nach wie vor in bessere Technologien und somit effizientere Abwicklungskapazitäten investieren, ja. Der Getreidehandel in Deutschland ist ein margenschwaches Geschäft, deswegen müssen die Kapazitäten, die Logistik im Hintergrund, so effizient wie möglich laufen. Zusammen mit der HaGe Kiel sind wir an den Ostseehäfen gut aufgestellt. Dafür steht beispielhaft unser Joint-Venture mit Habema am Getreideterminal in Heidenau: Gemeinsam betreiben wir eine Verbindung für Güterzüge zwischen dem Hamburger Hafen und Heidenau.

In Ihrem Bilanzbericht für 2019 heißt es, die Sommerdürre habe die Ergebnisse im Getreidegeschäft in Ostdeutschland negativ beeinflusst. Können Sie das mit Zahlen unterfüttern?

Wir haben Umschlagsmengen verloren. Wir hängen unserem üblichen Umschlagsvolumen von rund 3,6 Mio. Tonnen Getreide und Ölsaaten im Jahr rund 200.000 Tonnen hinterher. Das ist für sich genommen keine Riesenmenge, aber zusammen mit den Einbußen aus 2018, die sich im ersten Halbjahr 2019 bemerkbar gemacht haben, ist das keine gute Entwicklung.

Meteorologen gehen davon aus, dass der Klimawandel uns weitere Sommer wie 2018 und 2019 bescheren wird. Sollte das so eintreffen, was würde das künftig für die deutschen Getreidehandelsaktivitäten des DLG-Konzerns in Nord- und Ostdeutschland bedeuten?

Wir wären weiterhin gut aufgestellt, weil wir vor allem in Norddeutschland in Vergleich zum Wettbewerb unser Geschäft sehr effizient betreiben: Wir haben konsequent unprofitable Standorte geschlossen und in profitable Standorte investiert. Grundsätzlich sind wir von einer positiven Entwicklung auf dem deutschen Agrarmarkt überzeugt. 

Sie heben für Ihre Mischfuttersparte Vilofoss besonders strategische Investitionen auf dem spanischen Markt hervor. Was macht den spanischen Markt so interessant?

Im Jahr 2019 haben wir 75 Prozent an den Anteilen eines spanischen Futterherstellers, an einem Familienunternehmen in Pamplona in Nordspanien, übernommen. Spanien ist einer der wenigen europäischen Märkte für Schweinefleisch, der noch wächst. Im Übrigen passt dieses Investment in unsere Strategie, in die Zentren der intensiven Tierhaltung zu expandieren. Wir sind in der Bretagne ein Joint-Venture eingegangen im Bereich Premixe und Nutrition, und haben damit jetzt vier Werke in Frankreich.

Wie sieht es für Vilofoss in Deutschland aus?

Im Jahr 2019 haben wir kaum Möglichkeiten für Wachstum im Bereich Premix und Nutrition gesehen. Aber 2020 ist das Marktumfeld günstiger – vor allem mit Blick auf die sprunghaft gestiegenen Schweinefleisch-Exporte nach China in Folge des dortigen Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest, der ASP.

Aber gerade aufgrund der Ausbreitung der ASP in Europa, vor allem Richtung Deutschland, ist der chinesische Markt ein heißes Eisen, der jederzeit die Grenzen dicht machen könnte. Inwiefern bereitet Ihnen ein möglicher ASP-Fall in Deutschland Sorgen?

Natürlich sind wir beunruhigt, seitdem die ASP so nahe an die deutsche Grenze gerückt ist. Wir verfolgen die Entwicklungen sehr aufmerksam und hoffen, dass es nicht zu ASP-Fällen in Deutschland kommen wird. Das ist wirklich ein heißes Eisen.

Sie sagen, dass das deutsche Energie und Baustoffgeschäft der DLG-Tochter team AG strategisch von hoher Bedeutung ist: Inwiefern konkret?

Mit der team AG verfolgen wir verschiedene Wachstumsstrategien. Wir haben weitere Tankstellen 2019 gekauft und uns im Geschäftsfeld Baustoffe in Nordrhein-Westfalen verstärkt. 2019 war ein weiteres, sehr gutes Jahr für team.

Sind Sie weiterhin darauf aus, gemeinsam mit der team AG und Ihren anderen deutschen Tochterunternehmen HaGe Kiel und Vilofoss integrierende Wachstumsschritte auf dem deutschen Markt zu tätigen?

In Norddeutschland sind wir kontinuierlich dabei, Synergien zwischen der Logistik der team AG und der HaGe zu heben. Wo es vorteilhaft ist, integrieren wir Geschäfte: So verkaufen wir über team AG Energie an norddeutsche Landwirte.

Der DLG-Konzern will nach eigenem Bekunden seinen Beitrag zu den ambitionierten Klimazielen für die Agrarwirtschaft leisten: Wie genau?

Wir wollen den Landwirten dabei helfen, die CO2-Emissionen auf ihren Betrieben zu senken. Zum Beispiel haben wir eine Methode entwickelt, den CO2-Fußabrduck von Mischfutter anhand der Komponenten wie Soja oder Getreide zu messen und auszuweisen und setzen diese bereits in unserem dänischen Geschäft ein. Dieses System wollen wir 2020 in Deutschland und Schweden ausrollen. Außerdem beteiligen wir uns an einer Reihe von Forschungs- und Entwicklungsprojekte.

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