Die Gründer des Frankfurter Start-ups Lizza wollen der größte Abnehmer für ökologisch angebauten Leinsamen werden. Ihre Pizza ist bereits in mehr als 10.000 Supermarkt-Kühlregalen in Deutschland und Österreich zu finden. Die Jungunternehmer Marc Schlegel und Matthias Kramer suchen regionale Vertragspartner für Öko-Leinsaat. Landwirt Dr. Hans Georg Brunn will künftig mit ihnen zusammenarbeiten.


Matthias Kramer (l.) und Marc Schlegel posieren mit ihrem Lieblingsrohstoff.
Lizza GmbH
Matthias Kramer (l.) und Marc Schlegel posieren mit ihrem Lieblingsrohstoff.

az: Was haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?

Schlegel: Wir wollen unsere brandneue Pasta aus Leinmehl im Supermarkt groß herausbringen. Die Testphase in unserem Online-Versand hat gezeigt: Unsere Kunden lieben das Produkt. Außerdem rechnen wir in diesem Jahr mit 600 bis 700 Tonnen Leinsaat, die wir für unsere Produkte brauchen. Im Gründungsjahr 2015 haben wir etwa 250 Tonnen verarbeitet.

Kramer: Auf dem Plan steht auch, kürzere Lieferwege für unsere Rohstoffe zu etablieren. Bisher bekommen wir das Leinmehl von einer deutschen Ölmühle, die weltweit einkauft. Regionale Öko-Landwirte, die Leinsamen für uns anbauen, wären uns langfristig lieber. Uns stört sowieso, dass die Menge an Leinmehl, die bei der Mühle verfügbar ist, davon abhängt, wie viel Leinöl die Mühle verkauft.

Zeigen Landwirte Interesse?

Kramer: Wir sind bereits mit einer Handvoll Landwirten im Gespräch. Es sind sogar Landwirte auf uns zugekommen. Einer von ihnen baut Leinsamen bereits konventionell an und plant für uns, auf Bio umzustellen. Wir warten gespannt auf die erste Test-Lizza-Goldlein-Ernte in diesem Jahr. Viele Landwirte sind bereit, auf 5 Prozent ihrer Fläche zu experimentieren. Diese Kandidaten suchen wir.

Wie überzeugen Sie Landwirte, dass Sie keine Eintagsfliege sind?

Schlegel: Ein Blick auf unsere Facebook-Seite oder Instagram reicht. Unsere Kunden, das sind mittlerweile fast eine Million Menschen, lieben Lizza-Produkte. Mit unserem Angebot erfüllen wir die Herzenswünsche einer sportlichen Zielgruppe, die kalorienarm, vegan und bio essen will. Außerdem müsste der Deckungsbeitrag verglichen mit dem von Getreide überzeugen.

Was kann man sich denn von Ihnen abschauen?

Kramer: Wir sind stark darin, eine Idee in ein kommerzielles Produkt umzusetzen. Das nötige Tool, um die Nachfrage ganz unkompliziert zu testen, ist unser Online-Versand. Wenn uns das Produkt förmlich aus den Händen gerissen wird, geht’s in den Lebensmitteleinzelhandel.

Muss man als Start-up die Gründerszene im Blick haben?

Kramer: Auf jeden Fall tauschen wir unsere Erfahrungen mit anderen Gründern aus. Es ist sowieso eine eingeschworene Szene, in der man voneinander lernt. Mit sieben Start-ups teilen wir uns einen Chat, mehrmals die Woche stellt jemand eine Frage an die Runde.

Schlegel: Wir wollen den Markt definitiv immer im Blick haben. Wir scannen nach möglichen Vorbildern. Wer hat eine schlaue Verpackung? Wer ist besonders präsent im Lebensmitteleinzelhandel?

Ein Beispiel?

Kramer: Das Start-up FollowFood. Jeder Verbraucher kann über den QR-Code nachschauen, woher der Rohstoff kommt. Zurzeit ist es ja so: Landwirte sind Rockstars, die niemand kennt.

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