Studie

Verbot der Anbindehaltung betrifft 13.500 Betriebe


Der Ausstieg aus der Anbindehaltung kostet einen Landwirt zwischen 0,26 und 13,42 ct/kg Milch.
Werwil
Der Ausstieg aus der Anbindehaltung kostet einen Landwirt zwischen 0,26 und 13,42 ct/kg Milch.

Der Bundesrat spricht sich für ein Verbot der Anbindehaltung aus. Nach einer Hochrechnung des Thünen-Instituts ist das für mehr als 13.000 Betriebe ein Thema.

Mit Daten aus der Landwirtschaftszählung und unter Berücksichtigung des Strukturwandels haben Wissenschaftler des Thünen-Instituts hochgerechnet, wie viele Betriebe im Jahr 2027 von dem Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung betroffen sind. Die Schätzungen belaufen sich auf 13.500 Betriebe mit rund 270.000 Milchkühen. Die meisten dieser Betriebe seien vergleichsweise klein, auf die Milchviehhaltung spezialisiert und verfügten oft über andere Einkommensquellen neben der Landwirtschaft, heißt es ergänzend.


Den Betrieben blieben nun verschiedene Reaktionsmöglichkeiten, so das Thünen-Institut. Dazu zählten das Angebot von Weidegang, der Bau eines Laufhofs, der Umbau zum Laufstall oder ein Neubau. Der Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung kostet den Wissenschaftlern zufolge zwischen 0,26 und 13,42 ct/kg Milch, je nach Betriebsstruktur. Bei einem durchschnittlichen Auszahlungspreis der Molkereien von 27,2 ct/kg Milch im Jahr 2016 und 36,6 ct/kg im Jahr 2017 könne sich das Verbot somit erheblich auf die Rentabilität der Betriebe auswirken.

Abfederung kostet mindestens 200 Mio. Euro

Tierbezogene Weideprämien und eine angepasste Investitionsförderung seien Möglichkeiten, die negativen wirtschaftlichen Effekte zu reduzieren. Bei einem Übergangszeitraum von zehn Jahren müssten dafür schätzungsweise 222 bis 287 Mio. Euro öffentliche Gelder bereitgestellt werden. „Diese Ausgaben ließen sich grundsätzlich mit Mitteln finanzieren, die im Rahmen der zweiten Säule der EU-Agrarpolitik bereits zur Verfügung stehen“, sagt Angela Bergschmidt, Erstautorin der Thünen-Studie.

Es sei zu erwarten, dass ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung selbst mit einer flankierenden Förderung den Strukturwandel beschleunigen werde. Um das Verbot möglichst sozialverträglich zu gestalten, sollte den Betrieben eine ausreichend lange Übergangsfrist gewährt und das Verbot mit attraktiven Fördermaßnahmen flankiert werden. Gegebenenfalls seien Härtefallregelungen für auslaufende Betriebe zu erwägen, empfiehlt das Thünen-Institut, das im Auftrag das Bundeslandwirtschaftsministeriums die Studie angefertigt hat.

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