Ländervergleich

Osteuropa bietet gute Bedingungen für Milcherzeuger

Eine Studie der Uni Gießen hat sich mit den Standortbedingungen der Lebensmittelproduktion auseinander gesetzt. Im Milch- und Geflügelsektor hat Osteuropa zunehmend gute Karten.

Mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland und der Verbrauchermeinung zu deutschen Lebensmitteln befasst sich eine Studie des Gießener Instituts für Betriebslehre der Agrar-und Ernährungswirtschaft. Dazu wurden unter anderem rund 70 Branchenexperten aus dem Milch-, Fleisch- und Lebensmittelsektor befragt. 

Deutsche Infrastruktur stimmt

Die Fachleute sind sich einig, dass die deutsche Infrastruktur für den gesamten Lebensmittelbereich und den Geflügelsektor gut oder sogar sehr gut ist. Im Milchsektor hält immerhin noch eine Mehrheit von 67 Prozent die Bedingungen für gut bis sehr gut.

Foto: az Screenshot

Andere Länder holen auf

Im Vergleich mit Nachbarländern im Osten oder im Westen schneidet Deutschland hingegen in einigen Sektoren nicht mehr so gut ab. Insbesondere in der Michproduktion scheinen die Osteuropäer die Nase vorne zu haben. So sehen 67 Prozent die Bedingungen für die Milcherzeugung in Deutschland schlechter an als weiter ostwärts. "Das liegt unter anderem an einem Wachstum der Nachfrage und an strukturellen Veränderungen, beispielsweise in Polen und in den baltischen Staaten", sagt Prof. Rainer Kühl, der die Studie im Auftrag der zur PHW-Gruppe gehörenden Heinz Lohmann Stiftung erstellt hat.

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Im Geflügelsektor attestieren 6 Prozent der Befragten Deutschland eine schlechtere Infrastruktur als in Ländern weiter westlich. 13 Prozent sehen den Osten besser aufgestellt. Insbesondere in Polen und Tschechien stellen die befragten Experten im Geflügelsektor ein Wachstum in der Nachfrage und sich verändernde Produktionsbedingungen fest. Die eher schlechten Bewertungen des Standorts Deutschland können auch mit den rechtlichen Rahmenbedingungen vor Ort zusammenhängen, heißt es in der Studie.

Verbraucher mal wieder zwiegespalten

Für acht von zehn Verbrauchern ist die deutsche Herkunft von Lebensmitteln ein Qualitätsmerkmal. Und diese Mehrheit sieht auch die Exporte deutscher Lebensmittel als positiv an. Sie stimmen der allgemeinen Aussage zu, dass „es für Deutschland spricht, dass deutsche Produkte auch im Ausland nachgefragt werden“. Für einzelne Sektoren fällt die Zustimmung aber geringer aus. Insbesondere der Export von Geflügelfleisch leidet unter Akzeptanzproblemen. Nur 45 Prozent der befragten Verbraucher findet es gut, dass Deutschland so viel Geflügelfleisch produziert, dass es exportiert wird. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich diese Ergebnisse mit der zunehmend kritischen Betrachtung der Nutztierhaltung und ihren Umweltauswirkungen erklären lassen. Im Vordergrund könnte die Ansicht stehen, die lokale Umwelt sollte durch Nutztierhaltung nicht für den Konsum in anderen Ländern belastet werden, so die Vermutung.

Zwar eine große - aber mit 45 Prozent immer noch eine Minderheit - befürwortet den Export von Geflügelfleisch.
Foto: Screenshot az
Zwar eine große - aber mit 45 Prozent immer noch eine Minderheit - befürwortet den Export von Geflügelfleisch.


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