Tarifverhandlungen

Laufzeit bleibt der Knackpunkt

Die NGG informiert Beschäftigte von Wiesenhof über die Tarifverhandlungen in ihrer Branche.
NGG
Die NGG informiert Beschäftigte von Wiesenhof über die Tarifverhandlungen in ihrer Branche.

In der Fleischwirtschaft belauern sich Arbeitgeber und Gewerkschaft. Es wird weiter gepokert, wie schnell der Branchenmindestlohn steigen soll.

Die Tarifverhandlungen in der Fleischbranche sind festgefahren. Nachdem die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die Gespräche abgebrochen hatte, warten die Arbeitnehmer weiter auf ein verbessertes Angebot der Arbeitgeberseite. Einig sind sich beide Seiten derzeit lediglich darüber, dass der zu vereinbarende Einstiegslohn für die gesamte Branche gelten muss. Beim Bundesministerium für Arbeit soll deshalb nach einem erfolgreichen Abschluss der Antrag gestellt werden, den Vertrag für allgemeinverbindlich zu erklären. Damit würden die Regelungen für alle Beschäftigten in der Fleischbranche gelten.

Die Vorschläge beider Seiten liegen seit Wochen auf dem Tisch. Die Arbeitgeberseite hatte den Beschäftigten einen Mindestlohn von 10,75 Euro angeboten, der bis zum 1. Dezember 2023 in Stufen auf 12,00 Euro pro Stunde angehoben werden soll. Damit würde der tarifliche Mindestlohn verglichen mit dem aktuell gültigen gesetzlichen Mindestlohn innerhalb von zweieinhalb Jahren um 25 Prozent steigen. Die gesamte Laufzeit des Vertrags soll knapp vier Jahre betragen. Die Forderungen der NGG liegen weit darüber: Die Gewerkschaft will sofort einen Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde, plus die Erhöhung des Mindestlohns auf 14,00 Euro pro Stunde nach einer kurzen Einarbeitungszeit sowie einen Mindestlohn von 17,00 Euro pro Stunde für Facharbeiter.


Beide Seiten wissen, dass sie sich bewegen müssen. Die NGG hofft darauf, dass die Aktionswochen im April Eindruck bei den Arbeitgebern hinterlassen haben. Sollte nicht bald ein neues Angebot der Gegenseite unterbreitet werden, soll es im Mai erneut Streiks geben. Die Vorbereitungen dafür liefen bereits, heißt es in der Hamburger NGG-Zentrale.

Auf Seiten der Arbeitgeber ist es offenbar schwierig, sich auf eine Verhandlungsposition zu einigen. Einige Unternehmen, wie zum Beispiel Vion, sind offen für die Vorschläge, verhandeln bereits direkt mit der NGG. Vor allem aus kleineren Betrieben und aus Firmen in strukturschwachen Regionen kommt jedoch heftiger Widerstand. Unternehmen, die schon heute höhere Löhne zahlen, haben dagegen ein Interesse daran, dass das Lohngefälle in der Branche schrumpft und beim Tariflohn nicht zu sehr geknausert wird.

Dennoch besteht die Hoffnung, dass der Arbeitskampf recht schnell endet. Wahrscheinlich sei, dass am Ende nur der Branchenmindestlohn vereinbart wird, heißt es aus Verhandlungskreisen. Die Beträge in den höheren Lohnstufen für die qualifizierteren Beschäftigten, könnten je nach den Gegebenheiten in den Unternehmen über Haustarifverträge festgelegt werden. Bei der Höhe des Branchenmindestlohns ist man sich mit 12 Euro und 12,50 Euro schon relativ nahe.

Knackpunkt ist die Laufzeit. Bei der NGG ist man über die von den Arbeitgebern vorgeschlagene mehrstufige Anpassung über mehr als zwei Jahre extrem verärgert. Da auch der gesetzliche Mindestlohn in den kommenden Jahren wahrscheinlich angehoben wird, würde sich die Branche auf Jahre hinaus an dieser Untergrenze bewegen, argumentiert die Arbeitnehmerseite. Deshalb müsse die Anhebung deutlich schneller erfolgen, als von den Arbeitgebern angeboten. Sollte die Hängepartie in dieser Woche fortgesetzt werden, drohen im Mai weitere Streiks.

Dieser Text erschien zuerst auf www.fleischwirtschaft.de.

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