Thünen-Institut

Vorteile des Ökolandbaus ausgewertet


Wie viel Potenzial steckt im Ökolandbau? Das Thünen-Institut hat wissenschaftliche Literatur ausgewertet.

Die Forscher haben in ihrer Übersichtsstudie unter anderem die Auswirkungen des Ökolandbaus auf Bodenfruchtbarkeit, biologische Vielfalt und Klimaschutz mit denen im konventionellen Anbau verglichen.

Zahl der Regenwürmer steigt

Folgendes Ergebnis dürfte den ein oder anderen erstaunen. Die Häufigkeit von Regenwurm-Populationen war im Ökolandbau im Mittel um 78 höher verglichen mit Populationen im konventionell bewirtschafteten Boden, die Biomasse von Regenwurm-Populationen war im Ökolandbau um 94 Prozent höher. Ähnlich erstaunen dürfte das Ergebnis zur erosionsmindernden Wirkung des Ökolandbaus. Humusgehalt als auch Aggregatstabilität waren im Ökolandbau im Mittel 26 Prozent und 15 Prozent höher; bei der Infiltration wurde ein Unterschied von 137 Prozent festgestellt. Dadurch würden Oberflächenabfluss und Bodenabtrag vermindert, analysieren die Wissenschaftler.

Leistungen im Klimaschutz halten sich die Waage

Weniger eindeutig ist der Beitrag des ökologischen Landbaus zum Klimaschutz. Durch eine höhere Kohlenstoffspeicherungsrate und verminderte Lachgasemissionen emittieren Ökobetriebe gemäß der Auswertung im Mittel 1.082 kg weniger CO2‐Äquivalente pro Hektar und Jahr. Aufgrund des niedrigeren Ertragsniveaus im Ökolandbau sind die ertragsbezogenen Klimaschutzleistungen im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft jedoch vermutlich vergleichbar.

Artenvielfalt wächst im Ökolandbau

Belegbar sei allerdings, dass sich der Ökolandbau positiv auf die Biodiversität auswirkt. Den Ergebnissen zufolge seien die mittleren Artenzahlen der Ackerflora um 95 Prozent, der Feldvögel um 35 Prozent und der blütenbesuchenden Insekten um 23 Prozent erhöht.

Die Ergebnisse haben die Wissenschaftler Anfang dieser Woche auf einer Fachveranstaltung im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin vorgestellt. Für die Studie seien rund 530 Veröffentlichungen ausgewertet worden, teilt das Thünen-Institut mit. In den Veröffentlichungen seien rund 30 Vergleichsparameter zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Betrieben betrachtet worden. Dem Thünen-Institut zufolge hätten sich mehr als 2.800 Einzelvergleiche ergeben.

Projektpartner
An dem interdisziplinären Verbundprojekt waren das Thünen‐Institut, die Universität Kassel, die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, die Justus‐Liebig Universität Gießen, das Leibniz‐Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, die TU München und das Zentrum für angewandte Forschung und Technologie an der HTW Dresden beteiligt.

Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Bundesprogramms ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft.

 

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  1. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 23. Januar 2019 11:54 | Permanent-Link

    Wie lange hat man nach konventionellen Flächen gesucht, um vorstehende Gegenüberstellungen tätigen zu können?

    Zieht man hierfür Flächen aus dem konventionellen Bereich heran, die über einen sehr langen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten unter einer Minimalbodenbearbeitung stehen, wird sich ein solcher Vergleich sehr schnell relativieren lassen.

    Einige sehr wichtige Kriterien wurden ohnedies außen vor gelassen: Ein konventioneller Landwirt weiß sich innerhalb einer Vegetationsperiode mit einem Dieseleinsatz von 30-40 l/ha zu arrangieren, kommt mit drei Ak/ha zurecht. Wie verhält es sich mit einer entsprechenden Gewichtung solcher Kenndaten sodann im Vergleich zum ökologischen Landbau?
    Im ökologischen Landbau werden die bestehenden Flächen 3-5 Mal im Verlauf mechanisch bearbeitet. Wie kommt man mithin zu der Aussage, dass eben unter selbigen Voraussetzungen von einer Erosionsminderung ausgegangen werden kann. Diese sollte man nach einem Starkregenereignis - die infolge des Klimawandels gar nicht so selten sein werden, vermutet sogar mit der Tendenz zunehmend - in Augenschein nehmen und dabei horizonterhellend verinnerlichen, welche überaus beeindruckenden Massen dabei hangabwärts wandern.

    Auch wenn man es kaum glauben mag, es gibt sie tatsächlich, diese konventionellen Bauern, die ein großes, persönliches Augenmerk u.a. sowohl auf unsere Insektenvielfalt als auch auf die angesiedelten Bodenbrüter hegen, diesem Ansinnen auch nachhaltig ökologisch gerecht werden, ohne die eigenbetriebliche Ökonomie vollständig aus den Augen zu verlieren. Und letzterer Gesichtspunkt, mit Verlaub, ist heute für jeden noch überlebenswilligen Landwirt absolut existentiell! Da unterscheiden sich die konventionellen von den ökologischen Betriebe übrigens tatsächlich überhaupt nicht.

    Die mechanische Beikrautregulierung beim ökologischen Landbau hat mithin gerade im Hinblick auf letztgenannte Aspekte nicht nur Vorteile; solche sieht man allenfalls aus einem güldenen Käfig heraus. Zum Schluss: Bei uns Bauern werden alljährlich wiederkehrend die jeweiligen Fördersummen der Betriebe ins Netz gestellt, um einem „berechtigten“ Transparenzansinnen nachzukommen. Was hat obige Studie gekostet? Eine auch dahingehende Transparenz wäre schön.

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