Tierhaltung

Gülle in Wasser und Dünger verwandeln


Neue Aufbereitungstechnik kann Nährstoffe zurückgewinnen. Eine Großanlage ist geplant. Die Rohstoffsicherung ist entscheidend.

Die niedersächsische Firma Kaskum hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Gülle über mehrere Stufen zu sauberem Wasser aufbereitet wird. Nachdem im Jahr 2015 eine Pilotanlage erfolgreich getestet wurde, könnte die Technik nun im großtechnischen Maßstab eingesetzt werden.
Gert Stuke hält zufrieden einen Schlauch in der Hand, aus dem klares Wasser sprudelt. Kaum zu glauben, dass die Flüssigkeit aus Gülle gewonnen wurde. Der Geschäftsführer der im Jahr 2014 gegründeten Friesoyther Firma Kaskum Beteiligungs GmbH ist im Agribusiness des Oldenburger Münsterlandes kein Unbekannter. Als Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer vertritt er die Interessen der Unternehmen in einer Region, die wie keine andere in Europa von der Landwirtschaft und der Lebensmittelerzeugung lebt.

Transport kostet viel Geld

Für die Landwirte zwischen Weser und Ems ist die ordnungsgemäße Verwertung der in der Tierhaltung und Biogasproduktion anfallenden Nährstoffe eine wachsende Herausforderung. Die Kosten für den Transport der Nährstoffe in Ackerbauregionen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Durch verkürzte Ausbringungszeiten ist die überregionale Gülleverwertung logistisch kaum noch zu bewältigen. Mit der neuen Düngeverordnung wird sich das Problem weiter verschärfen. Gülle und Gärreste enthalten zu mehr als 90 Prozent Wasser, wodurch der Transport über weite Strecken teuer und ineffizient ist. Seit Jahrzehnten werden deshalb Verfahren gesucht, um Nährstoffe und Wasser zu trennen und so ein transportwürdiges Produkt zu erzeugen.

Dass sich die Verfahren der Gülleaufbereitung bisher nicht durchsetzen konnten, lag vor allem an den hohen Kosten, aber auch an technischen Problemen. Einige niedersächsische Unternehmen (siehe Kasten) haben in diesem Jahr einen neuen Anlauf gestartet und 1,5 Mio. € in eine Pilotanlage investiert, die 20 Kubikmeter Gülle pro Tag verarbeiten kann. Der Unternehmensname Kaskum verbinde die Begriffe Kaskade und Umwelt, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Gert Stuke. Kaskade stehe für die siebenstufige Aufbereitung der Gülle, Umwelt für das saubere Wasser, das am Ende in die Oberflächengewässer eingeleitet werden könne.

Technik neu strukturiert

„Die Technik der einzelnen Stufen ist vorhanden, wir haben sie neu zusammengestellt und für den Ausgangsstoff Gülle optimiert“, erläuterte Stuke, der seine seit April 2014 laufende Anlage als „einzigartig in der Welt“ bezeichnete. Nach dem zweistufigen Separieren der Feststoffe, einer chemischen und bakteriellen Behandlung sowie mehrfachen feinsten Filtrationen bleibt am Ende klares Wasser und eine geringe Menge Flüssigkeit, in der die Nährstoffe konzentriert sind. Der Feststoff könne als Dünger, Brennstoff oder als Substrat für Biogasanlagen genutzt werden. Die abnehmenden Biogasanlagen müssten dann aber weit außerhalb der Veredelungsregionen liegen. „Unser Ziel ist es, die Nährstoffe aus der Region herauszubekommen“, betont Stuke. Aus dem Konzentrat könnten einzelne Bestandteile, wie zum Beispiel die Ammonium-Ionen, abgetrennt werden. „Wir sehen unsere Abnehmer nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der chemischen Industrie“, erläutert der Geschäftsführer. Denn nur durch eine zumindest teilweise außerlandwirtschaftliche Nutzung seien die Nährstoffprobleme der Veredelungsregionen zu lösen, ist Stuke überzeugt. Nach erfolgreichem mehrmonatigem Testbetrieb in Friesoythe könne die Technik nun im großtechnischen Maßstab eingesetzt werden. Bevor für eine Großanlage konkrete Schritte unternommen werden, wollen die Kaskum-Gesellschafter abwarten, welchen rechtlichen Rahmen die neue Düngeverordnung setzt.

Partner gesucht

Wichtig sei, eine ausreichende Anzahl von Tierhaltern zu finden, die ihre Gülle langfristig an Kaskum abgeben wollen. Die Gülle würde dann in regelmäßigen Abständen abgeholt. „Der Landwirt hat den Vorteil, dass er auf seinem Betrieb keine eigenen Lagerkapazitäten schaffen muss“, erklärt Gert Stuke. Damit sich die Aufbereitungsanlage rechne, müsse sie das ganze Jahr über gleichmäßig beliefert und betrieben werden. Sollte das Konzept funktionieren, müsste Gülle nicht mehr über Hunderte Kilometer weit transportiert werden. Eines ist Gert Stuke und seinen Mitstreitern klar: Die Abholung am Hof und die zentrale Aufbereitung der Gülle müssen für die Landwirte kostengünstiger sein als die Verbringung zu weit entfernten Flächen.

Gesellschafter der Kaskum GmbH:
Gert Stuke
Bröring (HBD) Dinklage
Fleming und Wendeln, Garrel
Weiterer, Algermissen
GS Agri, Schneiderkrug
Big Dutchman, Vechta

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