Tierproduktion

USA lagern Rekordmengen an Fleisch ein

Ein gestiegenes Angebot sowie Handelsstreitigkeiten, die die Nachfrage untergraben, drücken die Fleischpreise. In den US-Kühlhäusern stapelt sich das Fleisch.

Analysten erwarten, dass das US-Agrarministerium USDA demnächst Zahlen vorlegen wird, die ein Rekordniveau von mehr als 2,5 Mrd. US-Pfund an Rind-, Schweine-, Geflügel- und Putenfleisch zeigen, meldet der aiz-Infodienst. Das sind umgerechnet etwa 1,13 Mio. t Fleisch

Der Appetit der US-Verbraucher auf Fleisch wächst, aber nicht schnell genug, um mit der Rekordproduktion von Schweinen und Hühnern Schritt zu halten. Damit ist die US-Fleischindustrie zunehmend auf Exporte angewiesen. Aber Mexiko und China, die zu den größten ausländischen Abnehmern gehören, haben US-Schweinefleischprodukte als Folge der Handelsstreitigkeiten mit Zöllen belegt.
Schinken, Koteletts und Lebern aus den USA sind laut Branchenvertretern in diesen Märkten deutlich teurer geworden, was die Verkäufe abschwächt. "Wir sind voll", berichtete Joe Rumsey, Präsident der in Arkansas ansässigen Zero Mountain Inc. Die fünf Lagerhäuser des Unternehmens, die als Zwischenstation für Puten- und Hähnchenbrüste auf dem Weg von den Verarbeitern zu den Einzelhändlern dienen, fassen rund 113 Mio. kg Fleisch.

Wachsende Fleischbestände können die Preise für fleischhungrige US-Verbraucher sowie für Restaurants und Einzelhändler senken. Doch schwächere Verkäufe im Ausland und steigende inländische Lagerbestände bedrohen den Profit der Verarbeiter sowie die Einnahmen der Vieh- und Geflügelproduzenten. Seit Ende Mai sind die Schweine-Futures an der Chicago Mercantile Exchange um 14 Prozent gefallen. Die Kombination aus Handelsrisiko und zunehmendem Fleischangebot könnte "zu einer der größten Korrekturen in der Branche seit mehreren Jahren führen", sagt Christine McCracken, Proteinanalystin bei der Rabobank.

Unternehmen setzen erste Schritte zur Verkleinerung

Einige Schweinemäster und Verarbeiter fangen an, sich zu verkleinern. So hat Maschhoffs LLC aus Illinois Investitionen in Höhe von 30 Mio. US-Dollar, die unter anderem in die Erweiterung ihrer Mastanlagen fließen sollten, auf Eis gelegt. "Wir haben in unserer Branche zu viel Kapazität aufgebaut, wenn wir nicht mehr Produkte exportieren können", sagte Chairman Ken Maschhoff. Stattdessen erwägt er die Expansion nach Osteuropa oder Südamerika. Dort könnten die Schweine des Unternehmens vielleicht nicht so billig aufgezogen werden wie in den USA, aber in diesen Regionen sei die Handelspolitik nicht so stark "geopolitisch aufgeladen".

Fleischwelle hat sich bereits vor dem Handelsstreit gebildet

Die Fleischwelle hat keine direkte Ursache in den Handelsstreitigkeiten, sondern hat bereits davor ihren Anfang genommen. Eine Reihe von Rekordernten in den USA und anderswo hat den Preis für Getreide gesenkt, der den größten Kostenfaktor bei der Aufzucht von Vieh und Geflügel darstellt. Die anziehende US-Wirtschaft hat den Appetit der einheimischen Verbraucher auf Fleisch erhöht und steigende Einkommen in Asien und Lateinamerika trieben die Fleischnachfrage im Ausland an. Bauern, Viehzüchter und Fleischverarbeiter beeilten sich, diese Nachfrage zu befriedigen und bauten neue Ställe für Geflügel und Vieh, um die neuen Hähnchen- und Schweinefleischanlagen im Süden und Mittleren Westen der USA zu versorgen.

Das USDA prognostiziert, dass die Branche in diesem Jahr den Rekord von umgerechnet 46,6 Mio. t Fleisch produzieren wird. Dadurch füllen sich die Kühlhäuser. Exporte, sagten Branchenvertreter, sind entscheidend, um das wachsende Angebot auszugleichen.

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