Tierschutz

Der nächste Schlachthof steht am Pranger

Die Kameras sind illegal. Doch, das, was sie zeigen, entsetzt Politik und Öffentlichkeit. In Niedersachsen werden einem weiteren Schlachthof massive Verstöße gegen den Tierschutz vorgeworfen.

Auf mehreren 100 Stunden Filmmaterial, das in einem Schlachthof in Oldenburg mit versteckten Kameras entstanden ist, sollen schwere Misshandlungen von Rindern zu sehen sein. Die Aktivisten sprechen von nicht fachgerechten Betäubungen, brutalen Behandlungen mit Treibpaddeln und Elektroschockern sowie passiven Veterinären. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast ist nach dem gestrigen Bekanntwerden erneut entsetzt. „Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen erreichen uns Bilder von misshandelten Rindern und offenkundigen Verstößen gegen das Tierschutzrecht. Wie hier mit Tieren umgegangen wird, ist in keinster Weise akzeptabel. Ich bin entsetzt, und es macht mich wütend", sagt sie.

Bereits Mitte Oktober hatte das niedersächsische Agrarministerium einen Schlachthof im Landkreis Osnabrück angezeigt. Damals hatte das Ministerium Filmmaterial der Aktivisten vom „Soko Tierschutz" erhalten. Das Unternehmen ist inzwischen aufgelöst.

Kamerapflicht wird geprüft

In diesem weiteren Fall haben nun sowohl das Ministerium wie auch das Deutsche Tierschutzbüro Strafanzeige gegen den Rinderschlachthof der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG in Oldenburg erstattet. Die belastenden Aufnahmen stammen vom September und Oktober 2018. Die Schlachtleistung des Osnabrücker Schlachthofs ist deutlich höher als bei dem vor etwa drei Wochen angezeigten Betrieb in Bad Iburg. 

Die Landwirtschaftsministerin lässt jetzt ein verbindliches Kamerasystem für Schlachthöfe juristisch prüfen. Otte-Kinast fordert eine bundeseinheitliche Regelung. Darüber hinaus hat das Ministerium angeordnet, dass ein Amts-Veterinär für mindestens eine Woche den Betrieb überwacht. Außerdem werden unangemeldete  Kontrollen angekündigt.

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