Fleisch

Tönnies wettert gegen „Preiskriege“


Jahrespressegespräch in der Konzernzentrale (von links): Maximilian Tönnies, Andres Ruff und Clemens Tönnies verkünden unisono: „Wir stehen gut da.“
Foto: Tönnies
Jahrespressegespräch in der Konzernzentrale (von links): Maximilian Tönnies, Andres Ruff und Clemens Tönnies verkünden unisono: „Wir stehen gut da.“

Beim Tönnies Jahrespressegespräch verwies das Unternehmen auf das Wachstum und die Investitionen. Die Internationalisierung schreitet weiter voran.

Wenn Clemens Tönnies zum Jahrespressegespräch in die Zentrale seines Unternehmens einlädt, ist eines klar: So verlockend es ist, der Fußball bleibt draußen. Und so berichteten der Konzernchef, dessen Sohn Maximilian und Holding-Geschäftsführer Andres Ruff über den Gewinn von Marktanteilen hierzulande in einem nicht einfachen Wettbewerbsumfeld sowie über eine abermals gesteigerte Anzahl von Schlachthaken.
Unter dem Strich erlöste die Unternehmensgruppe Tönnies 2018 einen Gesamtumsatz von 6,65 Mrd. Euro – zum Vorjahr ein Minus von knapp vier Prozent. Die Ostwestfalen führen das in erster Linie auf die Preisentwicklung für Schlachtschweine zurück, von denen im Konzernverbund 2018 insgesamt 20,8 Mio. Tiere verarbeitet wurden. Davon 16,6 Mio. hierzulande und damit genau so viele wie 2017.

Die leichte Zunahme der Schlachtkapazitäten generierte Tönnies im Ausland – etwa in Dänemark. Dort schaffte die Konzerntochter Tican den Turnaround. Das Unternehmen sei nun „auf sehr gesunde Füße gestellt“, so Clemens Tönnies. Für 2019 erwartet der Konzernlenker ein leichtes Wachstum. Er bekannte, dass sich die Gruppe „in einem sehr fordernden Wettbewerb“ befindet. Man sei damit vorangekommen, eine bessere Wertschöpfung zu erzielen, denn trotz Umsatzminus habe man bei gesteigerter Absatzmenge und spezialisierter Veredelung ein akzeptables Ergebnis erwirtschaftet. Dazu gibt das Management allerdings keinen Einblick, ebenso wenig wie zu Umsatzzahlen der einzelnen Konzernsparten.

Badbergen wird Rinderstandort

Das Investitionsvolumen bezifferte Tönnies auf konstant rund 100 Mio. Euro jährlich. Davon fließt eine erhebliche Summe in die Umnutzung des „Artland“-Standorts Badbergen. Die Betriebsstätte wird für die Schlachtung und Verarbeitung von Rindfleisch umgebaut. Im Gegenzug wird die Convenience-Produktion nach Rheda-Wiedenbrück verlegt. Unterdessen treibt das Management die Internationalisierung weiter voran, denn die Geschäfte entwickelten sich in Polen und Frankreich zufriedenstellend, in Großbritannien und Spanien dynamisch. Die Schlachtkapazitäten auf der iberischen Halbinsel sollen ausgebaut werden.

Auf den Brexit sei man vorbereitet und stehe kurz vor der Übernahme eines englischen Schlachthofs, berichtete Holding-Geschäftsführer Andres Ruff. Damit sei die vertikale Integration nahezu komplett, nachdem der Konzern im vergangenen Jahr den Fleischverarbeiter Riverway Foods in Harlow, etwa 30 Kilometer nordöstlich entfernt von der Londoner City, übernommen hatte. Tönnies erwartet geringe Zölle auf Schweinefleisch im Zuge des Brexits, weil der Rohstoff auf den britischen Inseln knapp ist. Daher sei am Standort Sögel, von dem aus viele Lieferungen nach England auf die Reise gehen, nicht mit Beeinträchtigungen zu rechnen.

Für die Division Wurst berichtete Maximilian Tönnies über aktuelle Entwicklungen der Zur-Mühlen-Gruppe. So launcht Gutfried seine Geflügelfleischwurst ab sofort in einer vorgeschnittenen Variante. Tillman’s erweitert sein Angebot mit fertig vorgegarten Spareribs für Mikrowelle und Ofen als Fingerfood. Und bei Lutz setzt man auf den Lechtaler. In die USA werden erste Container mit „Böklunder“ geliefert.

Einmal mehr richtete Clemens Tönnies einen Appell an den Lebensmittelhandel, nicht mehr mit Fleisch und Wurst zu Dumpingpreisen in die Läden zu locken. Schließlich stellten sich die landwirtschaftlichen Betriebe der gesellschaftspolitischen Forderung nach weiteren Tierwohl-Maßnahmen. „Hört auf, Preiskriege mit Fleisch zu machen.“ Alle Anstrengungen für mehr Tierwohl und Umweltschutz führten auf der Erzeugerseite zu höheren Kosten, so der Unternehmenschef. „Der Landwirt braucht einen festen Zuschlag für jede Form der Tierhaltung.“

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats