Trockenheit

Wetterdienst diagnostiziert extreme Dürre

Die Landwirte in Deutschland starten in eine schlechte Ernte. Unter dem Wintergetreide ist die Bodenfeuchte rapide abgesunken. Auch die Düngung konnte nicht greifen.

Im Mai und Juni kam in Deutschland der Wind vor allem aus nordöstlicher Richtung. Gemäß dem Ursprungsgebiet in Nordosteuropa habe es sich dabei um sehr trockene Luftmassen gehandelt, so der DWD. Hinzu kam eine nur geringe Bewölkung, die Sonne konnte lange scheinen und für außergewöhnlich hohe Temperaturen sorgen. Im Süden und Westen wurde die Hitze von Gewittern, starken Niederschlägen und Hochwasser begleitet, im Norden kam es in der Folge zu der ausgeprägten Trockenheit.

Hohes Defizit bei der Bodenfeuchte

Die täglichen Verdunstungsraten lagen häufig in der Nähe der maximal möglichen Werte. Das hat bei Wintergetreide besonders auf leichten Böden die Bodenfeuchte unter den für Beregnung maßgeblichen Schwellwert von 50 Prozent nutzbarer Feldkapazität sinken lassen. In den Beregnungsgebieten Niedersachsens wurden auf Winterweizen typischerweise 4 bis 5 Bewässerungsmaßnahmen à 30 mm durchgeführt. In den neuen Bundesländern, in denen die zugehörige Infrastruktur kaum vorhanden ist, mussten Noternten des Getreides durchgeführt und das Erntegut als Ganzpflanzensilage verwendet werden.
Zur Einordnung des Niederschlagsdefizits zieht der DWD den Standardized Precipitation Index (SPI) heran. Besonders in Mittel- bis Nordostdeutschland erreicht dieser Index Werte bis unter -2. Er zeigt damit extreme Dürre an. 
In den mittleren und nordöstlichen Teilen Deutschlands erreicht die Trockenheit einen Tiefstwert.
Bild: DWD
In den mittleren und nordöstlichen Teilen Deutschlands erreicht die Trockenheit einen Tiefstwert.


Im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Kulturen ist Getreide am stärksten von der Trockenheit betroffen. Da während des Schossens (2018: Ende April/Anfang Mai) die Anlage der für die Mehleigenschaften relevanten Ährenbestandteile erfolgt, sei zu diesem Zeitpunkt bereits eine eine geringere Produktqualität absehbar gewesen.

Düngung konnte nicht greifen

Zudem hat die Trockenheit die Aufnahme von Nährstoffen verringert, die Düngung konnte nur eingeschränkt wirksam werden. Hinzu kommt die beschleunigte Abreife des Getreides. Vielfach habe dies zu einer weiteren Verkümmerung der Ähren und entsprechend reduziertem Massenertrag und Qualitätsverlusten geführt, so der DWD.

Auch den Sommerkulturen (Hackfrüchte, Mais) fehlt es an Wasser. Zuckerrüben auf schweren Böden weisen aber bisher noch keine Anzeichen von Trockenstress auf. Beim Grünland konnten frühzeitig der erste Silageschnitt und eine gute Heuqualität erreicht werden. Allerdings beeinträchtigt die Trockenheit nun den zweiten Aufwuchs, sodass Ertragsdefizite bei Silage und Heu zu erwarten sind, urteilen die Wetterexperten. Dies könne Zukäufe von Futter notwendig machen.

Gefahr durch Wald- Flächebrände

Je großer die Trockenheit, desto größer auch die grundsätzliche Gefährdung durch Wald- und Grasbrand, warnt der DWD. In den mittleren und nordöstlichen Landesteilen hätten ab Ende Juni heißgelaufene Erntemaschinen zu Flächenbränden geführt. In Niedersachsen wurde durch die kommunalen Wasserversorger etwa im Heidekreis im Mai zeitweise der Gebrauch von Trinkwasser für private Gartenbewässerung untersagt. Ursache sei kein Defizit an Grundwasser gewesen, sondern eine Überschreitung der Fördermenge der Wasserwerke.

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