Überblick und Aussicht

Agrarmärkte zum Jahreswechsel unter Druck


Volatile Märkte machen verstärkte Absicherung über Terminmärkte und Vorverträge nötig, da ist sich der DBV sicher. Insbesondere für die Preise von Weizen, Schweinen und Milch sieht es im kommenden Jahr nicht gut aus.

Von der Erholungsphase an den Agrarmärkten ist zur Jahreswende 2017/18 kaum noch etwas übrig geblieben.  Vor allem die Preise für Milch, Schweine und Weizen geraten weiter unter Druck. Landwirtschaftliche Unternehmer wie Molkereien sind aus Sicht des Deutsche Bauernverband (DBV) gefordert, neue Wege der Preisabsicherung zu gehen. Warenterminbörsen und Vorverträge seien etwa in Nordamerika oder Ozeanien bereits etablierte Risikoinstrumente. Der DBV gibt eine Übersicht der Entwicklungen und Prognosen wichtiger Märkte zur Jahreswende.

Bei Getreide hängt alles von Russland ab

Weizenexporte aus der EU verlaufen laut DBV bisher ungewohnt schleppend. Das setze den deutschen Getreidemarkt weiter unter Druck. Die starke Konkurrenz aus der Schwarzmeerregion, allen voran aus Russland, erschwere den Export aus der EU. So wurden seit Juli 2017 lediglich 9 Mio. t Weizen aus der EU-28 exportiert – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum in Höhe von 25 Prozent. Russland hat 2017 eine Rekordweizenernte in Höhe von 83 Mio. t. eingefahren. Das entspricht gegenüber 2016 einem Zuwachs von 14 Prozent, gegenüber 2015 liegt das Plus sogar bei 35 Prozent.

Die Entwicklung der Getreidepreise in 2018 dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Exportnachfrage entwickelt und inwieweit diese aus Deutschland bedient werden kann, schreibt der DBV. Für den Getreideexport aus Deutschland und anderen EU-Ländern wird entscheidend sein, wie lange Russland als aktuell weltweit wichtigster Exporteur den Markt versorgt, wie sich die Wechselkurse und damit die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Ware entwickeln und ob sowohl die Hektolitergewichte als auch die Proteingehalte die hohen Qualitätsanforderungen für Exportware erfüllen.

Schweinemarkt trübt sich wieder ein

Der Markt für Schlachtschweine ist nach wie vor vom typischen Preiszyklus geprägt. So hatten die deutschen wie europäischen Schweinemäster nach zwei schwierigen Jahren in 2016 und 2017 deutlich verbesserte Erzeugerpreise, die sich zum Jahresende 2017 jedoch wieder verschlechterten.

In Deutschland dürften die durchschnittlichen Preise für Schweine der Handelsklasse E im Jahr 2017 im Jahresdurchschnitt bei rund 1,63 €/kg Schlachtgewicht liegen,schätzt der DBV. Damit wäre das Niveau des Vorjahres um 14 Cent/kg oder gut 9 Prozent übertroffen. Der im September einsetzende Preisdruck führte Mitte Dezember zu einem Erzeugerpreis von 1,40 €/kg Schlachtgewicht. Im Vorjahr lag das entsprechende Preisniveau noch bei 1,53 €.

Nach Einschätzung des DBV benötigen die Schweinehalter nach wie vor eine verbesserte Erlössituation, um die im Katastrophenjahr 2015 aufgetretenen Einbußen auszugleichen und die aufgenommenen Darlehen zur Liquiditätshilfe zügig weiter zurückzahlen zu können. Die Zeit dränge, denn für 2018 rechnen Marktexperten mit schwächeren Preisen.

Warum geht es bei Schweinen bergab?
Zum einen geht im Inland der Schweinefleischverzehr stetig zurück. Zum anderen nimmt die Konkurrenz am Weltmarkt zu. Der Anstieg der Schweinefleischerzeugung in China und der zunehmende Wettbewerb mit preisgünstigen Anbietern aus den USA, Kanada und neuerdings auch aus Brasilien seien Anzeichen eines schwieriger werdenden Marktes, so der DBV. So sind bereits die Exporte aus Deutschland und der EU nach China, die in 2016 für den starken – bis Mitte 2017 anhaltenden – Aufwärtstrend gesorgt haben, deutlich zurückgegangen.

Keine guten Aussichten für die Milch

Für den Milchmarkt prognostizieren Marktexperten für 2018 einen Rückgang der Erzeugerpreise. Aktuell liegen die Milchpreise für die Milchbauern über dem langjährigen Mittel von 32,4 Cent/kg (bei 4,0 Prozent Fett). Zum Jahreswechsel 2017/18 dürften die Erzeugerpreise im Bundesdurchschnitt bei 39 Cent/kg liegen. Doch einige Molkereien haben ab Anfang 2018 bereits einen Rückgang der Erzeugerpreise um 4 bis 5 Cent/kg angekündigt. Das sei saisonal nicht untypisch, dennoch ein sehr deutlicher Rückgang, so der DBV. Bei durchaus wachsenden Exporten in Drittstaaten steigt parallel weltweit die Milcherzeugung. Auch in Deutschland reagieren die Milchbauern auf die gestiegenen Erzeugerpreise und erzeugen derzeit laut DBV rund 4 bis 5 Prozent Milch mehr als im Vorjahr. Bis August 2017 war in Deutschland die Milchmenge im Vergleich zum Vorjahr noch rückläufig.

Warum Absicherung zunehmend wichtiger wird
An der Warenterminbörse EEX in Leipzig konnten sich Milcherzeuger, Molkereien und Lebensmittelindustrie Mitte Dezember für das Gesamtjahr 2018 Milchpreise von umgerechnet 27 Cent/kg absichern, drei Monaten zuvor lag dieser Wert noch bei 34 Cent/kg, so der DBV.

stats