Die Haupternte in der Ukraine dürfte bestenfalls 70 Prozent des „normalen“ Niveaus früherer Jahre erreichen.
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Die Haupternte in der Ukraine dürfte bestenfalls 70 Prozent des „normalen“ Niveaus früherer Jahre erreichen.
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Immer deutlicher wird, in welchem Maße sich der Krieg auf den Agrarsektor auswirkt. Enorme Probleme bereitet auch die Logistik.

Wie das Kiewer Landwirtschaftsministerium am Wochenende versicherte, ist die Bereitschaft der Bauern in den nicht besetzten Gebieten groß, die Bestellung trotz der schwierigen Bedingungen so vollständig wie möglich durchzuführen. Laut dem stellvertretenden Landwirtschaftsminister Taras Vysotsky bremsen derzeit allerdings Nachfröste, fehlende Betriebsmittel und regional auch vermintes Gelände die Feldarbeiten. Die stellvertretende Generaldirektorin der ProAgro-Gruppe, Maria Kolesnyk, rechnet damit, dass bis zu 30 Prozent des ukrainischen Ackerlandes in diesem Jahr kriegsbedingt aus der Produktion fallen werden oder im Fall bereits gesäter Winterkulturen nicht geerntet werden können. Die Haupternte dürfte vor diesem Hintergrund bestenfalls 70 Prozent des „normalen“ Niveaus früherer Jahre erreichen.

Kolesnyk rät dazu, die vorhandenen Ressourcen an Treibstoff, Saatgut und Dünger in den nicht umkämpften Regionen zu konzentrieren, um hier eine zeitnahe Aussaatkampagne durchführen zu können. Neben den regional knappen Betriebsmitteln ist nach Einschätzung der Vizedirektorin von ProAgro der Mangel an Fachkräften eines der drängendsten Probleme der ukrainischen Landwirtschaft. Das Agrarressort wies in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, dass die Wehrpflicht im Falle der Unabkömmlichkeit auf den Agrarbetrieben auf Antrag pausiert werden könne.

Egal, wie die Ernte im Sommer ausfällt, steht die Ukraine nach Auffassung der Marktanalysten von ProAgro aber selbst im Falle eines baldigen Kriegsendes vor enormen Problemen. So sei es angesichts der blockierten beziehungsweise zerstörten Häfen völlig unklar, wie das Land nennenswerte Mengen an Getreide und Ölsaaten in andere Länder exportieren solle.

Laut Volodymyr Lapa vom ukrainischen AgriBusiness Club arbeiten Unternehmen und die Regierung derzeit zwar fieberhaft an alternativen Transportwegen. Eine Möglichkeit sei der Ausbau der Lieferungen auf der Schiene nach Westen. Die dortigen Kapazitäten seien jedoch absehbar nicht ausreichend, um die bis zu 5 Mio. t Getreide oder Ölsaaten Getreide zu kompensieren, die man sonst pro Monat auf dem Seeweg exportiert habe. Lapa geht davon aus, dass per Bahn maximal 1 Mio. t an Ware außer Landes gebracht werden können. AgE
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