Umstrukturierung

Baywa will Agrarhandel profitabler aufstellen


Marcus Pöllinger verantwortet bereits seit 1. Juli das deutsche Agrargeschäft.
Foto: Baywa AG
Marcus Pöllinger verantwortet bereits seit 1. Juli das deutsche Agrargeschäft.

Die Baywa will ihr deutsches Agrargeschäft neu strukturieren. Das Standortnetz soll überprüft werden. Intern wurden jetzt die Weichen dafür gestellt.

Wenn Marcus Pöllinger ab November offiziell den Posten des Agrarvorstands von Roland Schuler übernimmt, ist das mehr als ein turnusmäßiger Personalwechsel an der Spitze der Baywa AG. Denn der 39-Jährige bekommt nicht bloß den Staffelstab von Schuler überreicht, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht. Das deutsche Agrarhandelsgeschäft, das Pöllinger verantworten wird, soll neu strukturiert werden. Dabei wird auch der Digitalisierung eine besondere Bedeutung zukommen. Über diese Umstrukturierung wurden die Mitarbeiter der Baywa AG Anfang dieser Woche informiert. Notwendig seien diese Veränderungen durch den starken Wandel in der Landwirtschaft, der besonders durch die Digitalisierung getrieben wird, hieß es.

„Akquisitionen sind im Norden leichter als im Süden.“
Klaus Josef Lutz, CEO Baywa AG, 
Pöllinger, der bereits das Baustoff-Segment der Baywa restrukturiert hat, soll auch das deutsche Handels-, Erfassungs- und Betriebsmittelgeschäft profitabler aufstellen: „Am Ende soll ein Mischkonzept stehen aus einer überarbeiteten Standortstruktur, mobilen Einsatzteams zur Beratung der Landwirte und der Digitalisierung in den Bereichen e-procurement und e-supply chain, also digitale Vermarktungs- und Vertriebsstrukturen“, sagte Baywa-Vorstandschef Klaus Josef Lutz im Gespräch mit der agrarzeitung (az). Erste Vorarbeiten laufen bereits: Derzeit analysiert die Baywa ihre Vertriebsstrukturen und das Leistungsspektrum der Standorte in Oberbayern und Unterfranken.

Als ein Teil der Restrukturierung in den nächsten Jahren werden sich die Münchner auch von dem einen oder anderen weniger profitablen Standort trennen: „Wir werden uns die vielen kleinen Standorte im Bereich Pflanzenschutz und Dünger, wie wir sie heute haben, nicht mehr leisten können. Noch wichtiger ist aber, dass die Kunden zunehmend deutlich höhere Anforderungen an unsere Standorte stellen“, meint Lutz. Lukrativere Standorte, etwa in klassischen Getreideanbaugebieten, sollen deshalb zu „Kompetenzzentren“ ausgebaut werden. Die Digitalisierung der Prozesse werde dabei helfen, „die heute noch sehr dezentral organisierte Logistik über Zentralläger zu steuern“, so der CEO. Die „mobilen Einsatzteams“ sollen Lücken im Standortnetz kompensieren, etwa, indem die Baywa frisch geerntetes Getreide am Hof abholt, statt einen Erfassungsstandort mit Schüttgosse und Silos vorzuhalten. Elektronische Lösungen für die Getreidevermarktung sollen so aufgebaut sein, dass der Erzeuger sie „per App auf dem Smartphone oder Laptop bedienen kann“.

Der Neue
Marcus Pöllinger ist seit 2008 bei der Baywa AG tätig. Nach einigen Führungspositionen im Konzern übernahm der Betriebswirt 2015 die Leitung des Geschäftsbereichs Baustoffe. Das deutsche Agrargeschäft verantwortet Pöllinger als Generalbevollmächtigter bereits seit Beginn des Wirtschaftsjahres 2018/19 am 1. Juli.
Lutz rechnet damit, dass es „zwei bis drei Jahre dauern wird“, bis die neue Struktur steht. Der Vorstandschef will die Reorganisation nicht als einen Rückzug aus dem deutschen Agrarhandelsgeschäft verstanden wissen, das „selbstverständlich zur DNA der Baywa zählt“. Zwar sei ein Einstieg bei der Bayernhof AG, wie ihn die Agravis plant, für die Baywa momentan „kein Thema“, sagt Lutz. Dafür nimmt die „Grüne AG“ aber den Norden Deutschlands stärker für Wachstumsschritte in den Blick: „Akquisitionen sind im Norden leichter als im Süden aufgrund der kartellrechtlichen Situation“, so der Vorstandschef. Ein erster Schritt, um das Futtermittelgeschäft der Baywa zu stärken, sei der Erwerb von 51 Prozent der Anteile an der Landhandel Knaup Gruppe in Nordrhein-Westfalen im Herbst 2017 gewesen. Auch im Osten will die Baywa in Zukunft verstärkt Getreide erfassen. Denn der Ostseehafen Mukran, der seit der Bohnhorst-Übernahme 2012 zur Baywa zählt und ein wesentlicher Grund für diese Akquisition war, soll so ausgebaut werden, dass dort zukünftig Panamax-Schiffe komplett abgefertigt werden können.

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