Veredelungstag

Schweinehalter stehen mit dem Rücken zur Wand


Ab 2019 soll die betäubungslose Ferkelkastration gelten. Bayern und andere Bundesländer wehren sich.
Foto: schweine.net
Ab 2019 soll die betäubungslose Ferkelkastration gelten. Bayern und andere Bundesländer wehren sich.

Joachim Rukwied zeigte sich auf dem Veredelungstag in Mittelfranken besorgt über die Entwicklung im Schweinesektor. Druck kommt derzeit von allen Seiten.

„Die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen rauben den schweinehaltenden Betrieben die Möglichkeiten, im europäischen Wettbewerb mithalten zu können, sagte der Präsident des Deutschen Bauerverbandes (DBV), Joachim Rukwied, vor rund 400 Teilnehmern auf dem DBV-Veredelungstag im mittelfränkischen Röthenbach an der Pegnitz. Die Hürden sind vielfältig: gesetzliche nationale Sonderwege bei Haltungsanforderungen, hohe Investitionen und Blockaden beim Bau- und Genehmigungsrecht, ein scharfer innereuropäischer Wettbewerb und die Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest (ASP).

Ein Virtel der Ferkel bereits importiert

Johannes Röring, CDU-Bundestagsabgeordneter und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) befürchtet einen dramatischen Strukturwandel bei der Sauenhaltung. „ASP, Ferkelkastration und neue Haltungsvorgaben haben die Sprengkraft, die Ferkelerzeugung in Deutschland ins Aus zu führen. „Bereits heute kämen rund ein Viertel aller Ferkel die hierzulande gemästet werden aus dem EU-Ausland. In den vergangenen zehn Jahren habe Deutschland die Hälfte der Sauenhalter verloren, so Röring.
Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Walter Heidl, fordert, bei der Ferkelkastration doch noch eine praktikable Lösung für die deutschen Schweinezüchter zu erreichen:

Heute Entscheidung über Fristverlängerung

Er hofft darauf, dass der Bundesrat heute für eine Fristverlängerung stimmt,  um den Weg für die Methode der Lokalanästhesie zu ermöglichen. „Die Politik darf die Sauenhalter in dem aktuellen Dilemma, dass es bis jetzt noch kein in der Fläche praxistaugliches Verfahren gibt, nicht allein lassen.“

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Hermann Onko Aeikens (CDU) erklärte bei der Diskussion um Fekelkastration mit Lokalanästhesie, man sollte den Begriff „Schmerzausschaltung“ durch „Schmerzlinderung“ ersetzen. „Eine absolute Schmerzausschaltung gibt es in der Praxis auch in der Humanmedizin nicht.“ Wenn die ASP tatsächlich auch nach Deutschland kommt, dann werde die Seuche vor allem die Ferkelerzeuger treffen. Nottötungen nicht absetzbarer Ferkel könne er dann nicht ausschließen. Für eine entsprechende Genehmigung seien aber die regionalen Veterinärbehörden zuständig.

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