Verstoß gegen Tierschutz

Zwei Schlachthöfe gesperrt


Eine Kuh im Schlachthof Blohm bei Stendal in Sachsen-Anhalt, bei den der Verein Soko-Tierschutz Misshandlungen dokumentiert hat.
SOKO Tierschutz
Eine Kuh im Schlachthof Blohm bei Stendal in Sachsen-Anhalt, bei den der Verein Soko-Tierschutz Misshandlungen dokumentiert hat.

 Der Verein „Soko Tierschutz" wirft der Fleischbranche kriminelle Machenschaften und grobe Tierschutz-Verstöße vor. Der Landkreis Osnabrück schließt nach Video-Sichtung einen Schlachthof. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die beschriebenen Zustände sind grausam: Tiere, die per Seilwinde in den Tod gezogen, per Gabelstapler umher geschleift, verprügelt oder mit Elektroschockern traktiert werden. Der Verein Soko Tierschutz hat diesen Umgang mit Schlachtkühen mit versteckter Kamera dokumentiert. Ein Betrieb liegt im niedersächsischen Bad Iburg. Der Betrieb ist nach Auffassung der Tierschützer nicht die Ausnahme, sondern stehe beispielhaft "für ein Netzwerk, das sich auf 'downer'-Tiere aus der Milchindustrie spezialisiert" habe. Beteiligt seien nationale Tiertransportfirmen, Tierärzte und Landwirte. 

Der Begriff "downer" steht für festliegende Kühe. Ursache kann ein Kalzium- oder Phosphormangel sein. Um Notschlachtungen zu vermeiden, habe sich ein System entwickelt, das die Tiere quer durch Deutschland transportiere und nur zu Insidern bekannten Schlachthöfen bringe. Von dort gelange das Fleisch an einen polnischen Fleischkonzern, eine bayerische Fleischfirma und an Metzgereien der Umgebung, so die detaillierten Angaben des Vereins. Zwei Schlachthöfe und zahlreiche Viehhändler seien "enttarnt". Es sollen mehrere Terrabyte an Beweismaterial vorliegen

Alle Schlachtungen gestoppt

Der Verein hat Anzeige erstattet und die zuständigen Behörden in Niedersachen haben schnell reagiert. Den Mitarbeitern des Landkreises Osnabrück wurden am Montag dieser Woche die Bilder aus dem Schlachthof vorgespielt. "Die Bilder hatten eine sehr hohe Glaubwürdigkeit. Deswegen haben wir den Betrieb umgehend geschlossen", sagt Burkhard Riepenhoff, Pressesprecher des Landkreises. Die Staataanwaltschaft Oldenburg hat den Schlachthof, der per Verfügung erst einmal bis zum 23. Oktober geschlossen bleibt, am gestrigen Dienstag durchsucht. Auch ein zweiter Betrieb in Schönhausen in Sachsen Anhalt wurde mittlerweile von den Behörden geschlossen. 

Tierärzte des Dienstes enthoben

Laut Soko Tierschutz sind die Behörden aber auch Teil des Problems. In den 16 Tagen, an denen mit versteckter Kamera gefilmt wurde, sei kein Kontrolleur vor Ort gewesen. Auch würden Kontrollen vorher angemeldet. Der Verein spricht von "einem Totalversagen der amtlichen Kontrolle" und fordert einen kompletten Umbau der Überwachung in Schlachthöfen. Laut niedersächsischem Landwirtschaftsministerium werden die betroffenen Tierärzte nicht mehr eingesetzt, auch nicht in anderen Schlachthöfen. In dem Schlachthof kamen nach Auskünften des Landkreises Osnabrück Tierarzte zum Einsatz, die auf Honorarbasis arbeiten. Das Ministerium bestätigt, dass bei allen Schlachtungen nebenberuflich für den Landkreis tätige Tierärzte vor Ort sind. 


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