Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Rinder um 11,0 Prozent verringert.
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Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Rinder um 11,0 Prozent verringert.

In Deutschland werden so wenige Schweine und Rinder gehalten wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Besonder stark sind die Rückgänge in Ostdeutschland.

In Deutschland sind die Rinder- und Schweinebestände in diesem Frühjahr erwartungsgemäß weiter gesunken; es befanden sich so wenige Tiere auf den Höfen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, wurden zum Stichtag am 3. Mai im Bundesgebiet noch 24,64 Millionen Schweine gehalten; das war der niedrigste Stand bei einer Frühjahrszählung seit 1997. Gegenüber der vorherigen Erhebung im November 2020 wurden 1,43 Millionen Tiere oder 5,5 Prozent weniger gezählt. Damals hatten allerdings coronabedingte Kapazitätsengpässe in den Schlachtbetrieben zu einem Schweinestau auf den Betrieben geführt.
 
Bei dem auch saisonal aussagekräftigeren Vergleich mit der Vorjahreszählung im Mai 2020 ergibt sich ein Bestandsminus von 840.400 Tieren oder 3,3 Prozent. Dabei gab es nur bei den Mastschweinen einen leichten Bestandszuwachs, und zwar von 1,2 Prozent auf 11,24 Millionen Stück. Dagegen nahm die Zahl der Ferkel kräftig, nämlich um 7,2 Prozent auf 7,28 Millionen, und die der Jungschweine um 5,6 Prozent auf 4,47 Millionen Stück ab. Dies sind Folgen der zuletzt deutlich verringerten Ferkelimporte und des Abbaus der heimischen Sauenbestände. Die Zahl der gehaltenen Zuchtsauen ging im Vorjahresvergleich stark zurück, und zwar um 146.700 oder 8,3 Prozent auf nur noch 1,63 Millionen Tiere.

Einbruch bei den Jungsauen

Überdurchschnittlich stark wurde dabei mit einem Minus von 11,2 Prozent auf 385.000 Stück die Haltung von Jungsauen eingeschränkt, was auf fehlende Produktionsperspektiven hindeutet. Binnen Jahresfrist gaben laut Destatis rund 700 Schweinehalter beziehungsweise 3,2 Prozent ihre Produktion auf; innerhalb von zehn Jahren ist deren Zahl um mehr als ein Drittel auf 19.800 gesunken. Besonders deutlich waren die Betriebsaufgaben bei den Sauenhaltern ausgeprägt, von denen seit Mai 2020 etwa 600 oder 8,6 Prozent die Erzeugung aufgaben. Die Zahl der noch verbliebenen Ferkelerzeuger mit zuletzt 6.400 Betrieben hat sich in der vergangenen Dekade mehr als halbiert.

Niedrigste Rinderzahl seit 1973

Erneut abgenommen hat laut Destatis auch die Rinderherde in Deutschland, und zwar im Vergleich zum Vorjahr um fast 250.000 Tiere oder 2,2 Prozent auf 11,18 Millionen Stück; das war die geringste Tierzahl seit Beginn der digital verfügbaren Aufzeichnungen im Jahr 1973. Vor zehn Jahren gab es hierzulande noch 12,56 Millionen Rinder; seitdem hat sich deren Zahl um 11,0 Prozent verringert.

Gemäß der aktuellen Erhebung nahmen die Bestände des Jungviehs unter einem Jahr gegenüber Mai 2020 vergleichsweise wenig um 0,4 Prozent auf knapp 3,40 Millionen ab. Dagegen war der Abbau der Herden mit jeweils 4,2 Prozent bei Färsen älter als ein Jahr auf 2,35 Millionen Stück und bei Bullen und Ochsen auf 907.880 Tiere überdurchschnittlich stark. Auch der Milchkuhbestand schrumpfte erneut, und zwar um 2,0 Prozent auf 3,89 Millionen Tiere. Damit wurde erstmals die 3,9-Millionen-Marke unterschritten. Der Erhebung zufolge gab es im Mai 2021 noch 130.582 Rinderhalter in Deutschland; gegenüber der Vorjahreszahl war das ein Minus von 2.620 oder 2,0 Prozent. Im Vergleich dazu ist die Zahl der Milchkuhhalter mit 4,3 Prozent auf 55.829 Betriebe stärker gesunken. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben rund 33.140 Milchkuhhalter beziehungsweise 37,2 Prozent aufgegeben; bei den Rinderbetrieben insgesamt haben 39.560 oder 23,3 Prozent die Tiere abgeschafft.

In zwei Bundesländern mehr Schweine

Trotz des bundesweit eindeutigen Trends einer rückläufigen Schweinehaltung gab es laut Destatis zwei Bundesländer, in denen die Herden etwas aufgestockt wurden. Im nicht besonders schweinereichen Saarland reichten 300 Masttiere mehr, um den Schweinebestand gegenüber Mai 2020 um 5,6 Prozent auf 1.900 Schweine zu steigern. Zudem nahm in Niedersachsen, ebenfalls wegen mehr eingestallter Mastschweine, der Gesamtbestand um 1,3 Prozent auf 8,19 Millionen Tiere zu. Dieses Bundesland führte damit das bundesweite Ranking der Schweinehaltung weiter deutlich an. Dahinter rangierte Nordrhein-Westfalen mit 6,59 Millionen Schweinen; das waren allerdings 1,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.
 
Massiv wurden die Schweinebestände dagegen in den ostdeutschen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Brandenburg und Thüringen mit Abnahmeraten zwischen 10,3 Prozent und 15,3 Prozent verringert. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Brandenburg und Sachsen, niedrige Schweinepreise und die Aufgabe von regionalen Schlachtstätten dürften hier die Gründe gewesen sein. Zudem wurde die Zuchtschweinehaltung in Baden-Württemberg mit einem Minus von 12,2 Prozent auf 123.900 Sauen binnen Jahresfrist deutlich eingeschränkt. Im benachbarten Bayern war der Schweinebestand insgesamt um 3,9 Prozent auf knapp 2,90 Millionen und die Zahl der Sauen um 4,2 Prozent auf 199 700 Tiere rückläufig.

Überall abnehmende Rinderhaltung

Im Bereich der Rinder gab es kein einziges Bundesland mit Zuwächsen bei der Tierzahl. Relativ moderat verlief der Bestandsabbau in Sachsen und Niedersachsen mit Abnahmeraten von 1,3 Prozent beziehungsweise 1,5 Prozent. Geringer als im Bundesmittel schränkten auch die Bauern in Bayern mit 1,7 Prozent ihre Rinderhaltung ein. Der Freistaat blieb mit 2,91 Millionen Tieren das rinderreichste Bundesland; darunter waren 1,10 Millionen Milchkühe. Dahinter rangierte Niedersachsen mit 2,36 Millionen Rindern. Die Kuhzahlen nahmen ebenfalls in allen Bundesländern ab. Am deutlichsten war das relativ gesehen in Thüringen mit einem Minus von 5,1 Prozent auf 90.339 Tiere der Fall. Zwischen 3,6 Prozent und 4,0 Prozent verringerten sich die Milchkuhherden in Sachsen-Anhalt, dem Saarland, Rheinland-Pfalz sowie in Brandenburg und damit ebenfalls überdurchschnittlich stark. Am geringsten fiel die Abstockung in Sachsen mit 0,9 Prozent sowie in den milchstarken Bundesländern Niedersachsen und Bayern mit jeweils 1,5 Prozent aus. Der geringere Milchkuhbestand trug dazu bei, dass die Milchanlieferung in Deutschland im ersten Jahresdrittel 2021 laut EU-Kommission um 2,2 Prozent unter der Vorjahreslinie lag, wobei allerdings keine Korrektur wegen des Schalttages 2020 eingerechnet ist. AgE
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