Zucker

Rübenlandwirte finden in Berlin kein Gehör


Zum Flashmob der Rübenlandwirte kam es spontan vor der Kuratoriumssitzung in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim. Sie demonstrieren gegen unfaire Wettbewerbsbedingungen in der EU.
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Zum Flashmob der Rübenlandwirte kam es spontan vor der Kuratoriumssitzung in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim. Sie demonstrieren gegen unfaire Wettbewerbsbedingungen in der EU.

Süddeutsche Rübenanbauer stecken in einer tiefen Krise. In Veitshöchheim demonstrieren sie spontan gegen unfaire Wettbewerbsbedingungen im europäischen Rübenanbau.

Hoch politisch und emotional aufgeheizt ist die Stimmung vor der Sitzung des Kuratoriums für Versuchswesen und Beratung am Donnerstagmorgen in Veitshöchheim bei Würzburg. „Wir stehen mit dem Rücken an der Wand“, sagte Dr. Hans-Jörg Gebhard, Aufsichtsratsvorsitzender der Südzucker AG. „Wir werden in Europa massiv benachteiligt. Elf EU-Länder stützen künstlich mit der Koppelung an die Zuckerrübenproduktion die Rübenerzeuger." In Deutschland sind die Erzeugerquoten für Zucker abgeschafft.

Auch international spricht Gebhard von einer Benachteiligung, die der Branche schadet. Viele Länder investieren in den Rohrzuckeranbau hohe Summen. Damit werden nicht wettbewerbsfähige Standorte erhalten. Harsche Kritik richtete Gebhard an Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU). Die Botschaft, dass die Branche in großen Existenznöten steckt, scheint in Berlin nicht anzukommen. „Wir haben aktuell keinen Zugang ins Ministerium. Die politisch Verantwortlichen finden für unseren Sektor keine Zeit", bedauert Gebhard.

Er bezeichnet es vor rund 600 Rübenlandwirten als eine Ungeheuerlichkeit, das die Politik so wenig gegen die Diffamierung von Zucker, der gesundheitsschädlich sei, unternehme. „Wenn man sich nicht mehr traut, mit Rübenanbauern und Mitarbeiter der Zuckerwerke zusammenzusitzen, macht das sehr traurig." Mehr Gehör und Wertschätzung wünscht sich Gebhard von Politik und Gesellschaft.

Zuckerdemo: Flashmob zur Not deutscher Rübenanbauer


Verständnis für die Sorgen der Rübenbauern hat dagegen die bayerische Staatsregierung. „Marktwirtschaft muss fair sein. Deutschland hat sich gegen entkoppelte Zahlungen entschieden“, sagte Hubert Bittlmayer, Amtschef im Agrarministerium in München. Aber in vielen anderen EU-Ländern werden diese Zahlungen geleistet. Die gekoppelte Zahlungen im Rübenanbau lehnt Bayern ab. „Sonst gibt es einen Wettlauf, wer die höchsten gekoppelte Zahlungen erhält.“ Deshalb setzt sich Bayern bei den Verhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), für den Einstieg in den Ausstieg von gekoppelten Zahlungen in der gesamten EU ein.

"Ihre Demonstrationen sind gerechtfertigt", lobte Bittlmayer. Er versicherte den aufgebrachten Landwirten, dass Anfragen der Zuckerwirtschaft im Ministerium gehört und ernst genommen würden. "Lassen sie uns nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern die Rübe in den Boden." Bayern will die Probleme der Zuckerwirtschaft aufgreifen und lösen. Es wird Veränderungen geben, sagte Gebhard. Doch will er sich dafür einsetzen, dass im europäischen Rübenanbau wieder mehr die Fair-Play-Regeln gelten. Es dürfen nicht Emotionen geschürt werden, Angst vor der Landwirtschaft zu haben.

Unfaire Bedingungen in der EU herrschen auch durch die Notfallzulassung von Neonicotinoiden in einigen Ländern. Doch nach Abschluss der Amtschefkonferenz von Bund und Länder vor einer Woche in Berlin, gäbe es in Deutschland kaum noch Mehrheiten für Notfallzulassungen. Deutschland müsse das Recht in Brüssel haben, nachzufragen, ob diese Zahlungen in der EU gerechtfertigt seien. „Wir brauchen faire Bedingungen. Vor allem nach dem Verbot der Neonicotinoide und Herbizide sind die Anbauer auf den Züchtungsfortschritt angewiesen, sagte Dr. Stefan Streng, Vorsitzender des Verbandes Fränkischer Zuckerrübenanbauer. Der Amtschef verspricht, alternativen Methoden zu testen und danach zu forschen. Hoffnung setzt er hier auf die geplante Ackerbaustrategie der Bundesregierung. Auf eine Verschärfung der Düngeverordnung stellen sich die Landwirte in Bayern ein. Die EU-Kommission ist derzeit mit der aktuellen Düngeverordnung in Deutschland nicht zufrieden. Da droht eine Verschärfung der Düngemaßnahmen besonders in den mit Nitrat belasteten Gebieten, kündigt er an. In Bayern trifft es Franken. Weniger wegen der Tierhaltung, sondern wegen des geringen Wasserflusses im Untergrund, seien die Nitratwerte hoch. "Hier müssen wir nachsteuern durch Forschung und Beratung." Seit kurzem hat Bayern die Länderermächtigung zur Düngeverordnung §13 in besonders von Nitrat belasteten Gebieten aufgelegt, als Rote Gebiete Verordnung bekannt. Landwirte in betroffenen Gebieten müssen künftig Analysen ihrer Wirtschaftsdünger durchführen und einen Abstand von 5 m zu Gewässern einhalten sowie eine jährliche Bodenuntersuchung auf verfügbaren Stickstoff.

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