Zucker

Rübenbauern fürchten fallende Preise


Von einem "herausfordernden Umfeld" spricht Bernhard Conzen, Vorsitzender des Rheinischen Rübenbauer-Verbands. Dazu zählen wettbewerbsverzerrende Bedingungen innerhalb der EU und ungünstige Marktsignale.

Soeben geht die größte Süßwarenmesse der Welt, die ISM in Köln, zuende. Dort war von Trübsal keine Spur. Auch wenn zahlreiche Startups versuchen, sich mit zuckerreduzierten Produkten einen Platz im Markt zu verschaffen, geht die grundsätzliche Ausrichtung doch weiterhin in eine ganz andere Richtung: Der Verbrauch von Zucker bleibt in Deutschland seit nahezu rund 25 Jahren konstant hoch bei rund 35 kg pro Kopf und Jahr. Weltweit ist der Pro-Kopf-Verbrauch in den vergangenen 50 Jahren von 16 auf 25 Kilogramm gestiegen. 



Von dieser positiven Stimmung scheinen die deutschen Rübenbauern derzeit nicht zu profitieren. Auf der Mitgliederversammlung des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes in Bergheim in dieser Woche sprach der Vorsitzende Bernhard Conzen vor 450 Teilnehmern von "einer heterogene Gefühlslage". Knapp 88 t/ha holten die Rheinländer vom Acker. Der Zuckerhalt lag im Schnitt bei 17,8 Prozent. Einerseits freue man sich über eine Rekordernte mit durchschnittlich mehr als 15 t Zuckerertrag/ha, andererseits seien die Marktsignale im Hinblick auf den Rübenpreis besorgniserregend, so Conzen. 

Auch der Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ) blickt mit Sorge auf die Vermarktung. Im vergangenen Zuckerwirtschaftsjahr notierte der durchschnittliche Preis in der EU knapp unter 500 €/t. Laut DNZ rechnen Marktexperten für das laufende Wirtschaftsjahr vom 1. Oktober 2017 bis 30. September 2018 mit einem erheblichen Preiseinbruch. In der jüngsten Preisberichterstattung der EU-Kommission werden für November 2017 nur noch 410 €/t Weißzucker gemeldet. „Der Druck auf den Binnenmarkt hält weiter an, da auch vom Weltmarkt keine Impulse kommen“, sagt Dr. Heinrich-Hubertus Helmke, Geschäftsführer des DNZ. Die norddeutschen Rübenanbauer fuhren durchschnittlich 78 t/ha bei einem Zuckergehalt von 17,6 Prozent ein.

Erschwerend kommt für deutsche Zuckerrübenanbauer die unterschiedliche Unterstützung innerhalb der EU hinzu. Elf von 19 EU-Mitgliedstaaten, allen voran Spanien und Rumänien, verzerren den Wettbewerb durch gekoppelte Beihilfen. So zahlen Rumänien 600 €/ha, Spanien 419 €/ha, Polen als bedeutendes Produktionsland nach Frankreich und Deutschland zahlt rund 400 €/ha. In Deutschland gibt es neben den üblichen Förderungen keine zusätzlichen Zahlungen an Rübenbauern.

stats