Zuckerwirtschaft

Preisverfall beschert Nordzucker Verluste


Nordzucker befindet sich seit zehn Jahren in einem Restrukturierungsprozess.
Nordzucker
Nordzucker befindet sich seit zehn Jahren in einem Restrukturierungsprozess.

Nordzucker hat das Geschäftsjahr 2018/19 mit einem deutlichen Umsatzrückgang und einem operativen Verlust abgeschlossen. Auch das laufende Geschäftsjahr wird negativ. .

Im Geschäftsjahr 2018/19 (März/Februar) erzielte Nordzucker einen Konzernumsatz von 1,35 Mrd. € und damit 18 Prozent unter dem Vorjahr von 1,6 Mrd. €. Aufgrund des massiven Preisverfalls für Zucker muss Nordzucker ein negatives operatives Ergebnis (Ebit) von 58 Mio. € ausweisen. Der Jahresfehlbetrag beträgt 36 Mio. €. Insgesamt war die Marktlage im ersten vollen Jahr nach dem Ende der Quotenregelung von einer erheblichen Überproduktion innerhalb der EU und auf dem Weltmarkt sowie einem scharfen Wettbewerb und historisch niedriger Preise gekennzeichnet. Auslöser dieser Entwicklung sind vor allem Produktionsausweitungen durch staatliche Subventionen in Indien und Thailand sowie gekoppelte Zahlungen für den Rübenanbau in zahlreichen Ländern der EU.

Aufgrund der Ergebnissituation will der Vorstand in diesem Jahr keine Dividende in Höhe von 1,20 €/Aktie auschütten wie im Jahr zuvor. Für den CEO von Nordzucker, Dr. Lars Gorissen, bleibt das Zuckergeschäft im Fokus. Der Zuckermarkt biete langfristig gute Perspektiven trotz der aktuellen Niedrigpreisphase. Mittelfristig erwartet er eine Erholung der Preise und geht von einer weltweit steigenden Nachfrage aus.  Um profitabel und wettbewerbsfähig zu sein, hat Nordzucker bereits im vergangenen Jahr einen umfassenden Transformationsprozess gestartet. Die drei Bausteine sind die Neuorganisation des Vertriebs, die Optimierung der Produktionsprozesse sowie Einsparungen in der Verwaltung. Das aufgelegte Freiwilligenprogramm werde von Mitarbeiter, die Nordzucker verlassen wollen, gut angenommen, sagt Gorissen.

Nordzucker beteiligt sich an Rohrzuckerproduktion außerhalb Europas

Die hohe Eigenkapitalausstattung von Nordzucker von 66 Mio. € macht eine 70 Prozent-Beteiligung an dem zweitgrößten australischen Zuckerproduzenten Mackay Sugar Limited (MSL) und damit den Einstieg in die Rohrzuckerproduktion außerhalb Europas möglich. Der Abschluss der Transaktion stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre von MSL. Bis zum Sommer könnte die Übernahme von drei Werken von Mackay stehen. Für die vierte Fabrik sei ein Käufer gefunden.

Die Lieferkontrakte für 2020 sind in Deutschland gezeichnet. Die Mengenziele sind erreicht worden. Allerdings entscheiden sich die Landwirte anders als vor zwei Jahren mehr für die Verträge mit fixen Preisen und einer Laufzeit von einem Jahr. Selbst im ertragsschwachen Dürrejahr 2018 sei die Zuckerrübe gegenüber Weizen und Raps konkurrenzfähig geblieben. Das Biozuckergeschäft will Nordzucker als Zuschussgeschäft weiter ausbauen. Einige Anbauer, die bisher an die Südzucker-Fabrik in Warburg geliefert hätten, wollen zu Nordzucker wechseln, wenn das Werk, wo auch eine Bioschiene läuft, Ende der Kampagne 2019 schließt. Werksschließungen schließt Gorissen zum heutigen Stand aus. Nordzucker befinde sich seit zehn Jahren in einem Restrukturierungsprozess und sei mit seinen fünf Werken in Deutschland gut aufgestellt, auch die schwierigen Herausforderungen auf dem aktuellen Zuckermarkt zu meistern. In Schweden soll ein Werk geschlossen und auf einen anderen Standort übertragen werden. Auch im laufenden Geschäftsjahr 2019/20 rechnet Nordzucker aufgrund anhaltend niedriger Preise mit negativen Ergebnissen.

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