Neben der Qualität des Ernteguts steht die Pflanzengesundheit im Mittelpunkt der Züchtung.
Foto: Syngenta
Neben der Qualität des Ernteguts steht die Pflanzengesundheit im Mittelpunkt der Züchtung.
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In Europa gehören Sonnenblumen zu den wichtigsten Ölfrüchten. Der Züchtungsfortschritt kommt auch deutschen Landwirten zugute.

Sonnenblumen wachsen in Europa auf mehr als 20 Mio. ha. Die größten Anbauflächen stellen Russland und die Ukraine. In der EU stehen Rumänien und Bulgarien vorn. Auf gut 35 Prozent der europäischen Anbaufläche wachsen Sorten der Syngenta Seeds, einem der führenden Sonnenblumenzüchter weltweit. In Deutschland ist der Anbau von Sonnenblumen in den vergangenen Jahren auf 38.000 ha stark angestiegen. Hauptanbaugebiete befinden sich in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern. Syngenta sieht große Potenziale in der Sonnenblume und züchtet in europäischen Zuchtstationen an attraktiven Züchtungszielen auch für den Standort Deutschland.

Hoher Ölertrag und hohe Gehalte an Ölsäure sind die derzeit wichtigsten Züchtungsziele. Neue Ölqualitäten, Krankheitstoleranzen und Stresstoleranzen gegenüber Trockenheit und Hitze gehören zu den weiteren wichtigen Züchtungszielen bei Syngenta. Bewährte Sorten, wie zum Beispiel NK Delfi, aber auch neue Hybriden wie die Sorte Suomi, sind in den offiziellen Versuchen am Standort Deutschland regelmäßig im Segment der leistungsstärksten Sorten zu finden.

Ausbreitung nach Norden

Die Sonnenblumenzüchtung hat bei Syngenta eine lange Historie. Seit mehr als 40 Jahren sind Syngenta und die Vorgängerfirmen in dieser Kultur aktiv. Das Zentrum der Züchtung befindet sich in der Nähe von Toulouse in Frankreich. Weitere Zuchtstationen stehen in Ungarn, Russland, der Ukraine und in Argentinien. „Wir züchten auf eine größere geografische Adaption unserer Genetik. Mit den entsprechend angepassten Sorten kann der Sonnenblumenanbau dann weiter nach Norden und nach Osten ausgedehnt werden“, sagt Federico Bock, Leiter der Sonnenblumenzüchtung bei Syngenta Seeds.

Im Bereich der Fettsäurezusammensetzung des Sonnenblumenöls wird neben der Züchtung von Sorten mit einem hohen Ölsäuregehalt im Öl an neuen Sorten mit einem hohen Stearinsäuregehalt gearbeitet. Damit lassen sich die Fetthärtung verbessern und neue Anwendungsbereiche erschließen.

Verbesserte Krankheitstoleranzen sind ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Syngenta-Züchtung. „Für Osteuropa ist der Schwarzrost eine wichtige Krankheit. Und für unsere Märkte in Westeuropa arbeiten wir an der Verbesserung der Toleranz gegenüber Sklerotinia, Botrytis und Verticillium“, erläutert Bock die regionalen Besonderheiten. Hinzu kommt, so der Züchter weiter, dass bei Sklerotinia unterschiedliche Resistenzen für den Sonnenblumenkopf einerseits und für den Stängel andererseits erforderlich sind. „Das ist züchterisch nicht einfach anzugehen“, betont Bock. Grundsätzlich sieht er wachsendes Anbaupotenzial für Sonnenblumen in der EU. Dafür sprechen nach seiner Ansicht die Klimaveränderungen, die wärmeliebende Kulturen begünstigen.

Intensität eher gering

Gerade für den Anbau in Deutschland nennt Bock weitere Vorteile. Hier gewinnt die Sonnenblume als extensive Kultur angesichts der zunehmend höheren Auflagen und Verschärfungen bei Düngung und Pflanzenschutz an Attraktivität. Der relativ geringe Bedarf an Stickstoff macht die Sonnenblume auch für den Anbau in roten Gebieten interessant. Zudem ist sie wenig pflanzenschutzintensiv. Der Einsatz von Fungiziden ist eher die Ausnahme, nur die Unkrautkontrolle im frühen Stadium ist wichtig. In der Fruchtfolge bringt die Sonnenblume einen hohen Vorfruchtwert für Winterweizen. Und das kräftige Wurzelsystem hinterlässt nach der Ernte einen gut gelockerten Boden. Schließlich bereichert die Kultur die Artenvielfalt auf dem Acker.

Dr. Johannes Henke, Marketingmanager, Syngenta Seeds GmbH, Bad Salzuflen

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