new FOOD economy 2023

Einflussgrößen eines veränderten Lebensmittelmarkts

Die Mitglieder des neu gegründeten Beirats (v.l.n.r.): Andrea Adelhardt, Christian Schnücke, Fabio Ziemßen, Hanni Rützler, Prof. Dr. Carolyn Hutter, Olaf Deininger und Nadine Filko (nicht im Bild: Borris Förster, Dr. Simone K. Frey und Dr. Carsten Gerhardt)
© Maja Baumeister
Die Mitglieder des neu gegründeten Beirats (v.l.n.r.): Andrea Adelhardt, Christian Schnücke, Fabio Ziemßen, Hanni Rützler, Prof. Dr. Carolyn Hutter, Olaf Deininger und Nadine Filko (nicht im Bild: Borris Förster, Dr. Simone K. Frey und Dr. Carsten Gerhardt)
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Ob es um die Auswirkungen des Angriffskriegs in der Ukraine, das Lieferkettengesetz oder Resilienz geht: Hanni Rützler, Fabio Ziemßen, Dr. Simone K. Frey, Prof. Carolyn Hutter und Kolleg:innen identifizieren beim ersten diesjährigen Beiratstreffen der "new FOOD economy" die relevantesten Entwicklungen für den Lebensmittelmarkt.

„2022 stand klar im Zeichen des Angriffskriegs auf die Ukraine. Nach Corona kam Ende Februar der Angriff und kurze Zeit später die Schockstarre der Branchen“, weiß Fabio Ziemßen, Partner der ZINTINUS GmbH und Vorstand BALPro e. V. Dass der Ukrainekrieg nachhaltige Veränderungen am Lebensmittelmarkt bewirkt hat und weitere Folgen für das Transformationsgeschehen bereithält, darüber waren sich die Mitglieder des Beirats einig.

„Wir erleben hier eine neue Dimension der Lieferkettenproblematik. Die Ukraine ernährt die Welt.“
Olaf Deininger, Entwicklungs-Chefredakteur Agrarmedien bei der dfv Mediengruppe

Für Olaf Deininger, Entwicklungs-Chefredakteur Agrarmedien bei der dfv Mediengruppe, steht fest, dass es ohne die Funktion des Welternährers Ukraine langfristig nicht geht. Die Konsequenz wäre eine globale Verschiebung, wie wir sie derzeit in Afrika beobachten würden. Für 2023 würden sich aus dem Krieg auch Implikationen für die Vergabe von Risikokapital oder den Konsum ergeben, die wir jetzt schon spüren. Grund seien nachgelagerte Effekte auf den Lebensmittelmarkt, wie wir sie beispielsweise aufgrund der Energiepreisentwicklung erfahren. „Was wir erleben, ist eine Fortführung der Unsicherheit aus der Coronazeit. Unternehmen haben sich schwergetan, in die Infrastruktur der Nachhaltigkeit zu investieren“, erklärt Prof. Carolyn Hutter, Professorin und Studiengangsleiterin für BWL-Food Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Das Thema Nachhaltigkeit sei damit in den Hintergrund gerückt und würde nur noch mit angezogener Handbremse verfolgt.
 
Doch nicht nur der Angriffskrieg und die Folgen standen im Fokus der Diskussion des Beirats. Zahlreiche weitere Einflussgrößen in drei Dimensionen der Wertschöpfungskette konnten für das Jahr 2023 und die new FOOD economy identifiziert werden.


In der politischen Dimension

„Die Industrie hat das große Bedürfnis, der Politik zuvorzukommen.“
Dr. Simone K. Frey, Gründerin und Geschäftsführerin der Plattform NUTRITION HUB

Transparenz

Das Lieferkettengesetz wird 2023 für einen veränderten Blick auf die Nachhaltigkeitstransformation der Lebensmittelindustrie sorgen. Denn hier werden Bereiche von Unternehmen ins Auge gefasst, die vorher in Fragen der Transparenz nicht unbedingt angegangen wurden. Dabei ist noch gar nicht klar, welche Konsequenzen auf Unternehmen zukommen, die das Gesetz brechen. „Unternehmen müssen investieren. Große Konzerne beschäftigen sich intensiv damit, wie sie damit umgehen“, verrät Hutter.


In der gesellschaftlichen Dimension

„Man muss sich trauen, komplexe Themen in kleinen Schritten anzugehen.“
Hanni Rützler, die führende Foodtrend-Forscherin Europas und Gründerin des futurefoodstudio

Resilienz

„Das neue Normal ist hochgradig komplex. Dieser Komplexität kann man nur mit komplexen Antworten begegnen“, erklärt die führende Foodtrend-Forscherin Europas und Gründerin des futurefoodstudio Hanni Rützler. Dabei dürfen Trends, die den Wandel des Lebensmittelmarktes antreiben nicht zu produktspezifisch sein, sondern holistischer betrachtet werden. Wo sonst schnelle Lösungen gefordert werden, muss ein Schritt zurückgetreten werden, um die gesamte Werschöpfungskette zu betrachten und auch Aspekte einbeziehen, die beispielsweise soziale Faktoren betreffen. „Wir können durch den Fokus auf Effizienz nicht weiterkommen, Resilience braucht mehr Spielraum“, führt die Expertin aus.


In der ökonomischen Dimension

„Es wird keine bahnbrechenden Technologien aber Weiterentwicklung geben.“
Fabio Ziemßen, Partner der ZINTINUS GmbH und Vorstand BALPro e. V.

Systemische Festigung

In diesem Jahr wird es laut den Experten vor allem darum gehen, die Systemlandschaft zu festigen und nicht mit wieder neuen Ansätzen umzukrempeln. Dabei wird die Infrastruktur rund um die Innovationen auf- und ausgebaut. Supporting Technologies – Technologien, die helfen, die eigentlichen Innovationen auf den Weg zu bringen – würden zudem mehr in den Fokus rücken. Auch hier geht es somit darum, kurz inne zu halten und Prozesse zu entschleunigen, um eine gesunde technologische und infrastrukturelle Basis zu schaffen.


dfv Mediengruppe

Mehr Faktoren in der neuen Ausgabe NEWMEAT

Warum das Jahr 2023 für Christian Schnücke, Gesamtverlagsleiter Agrar-, Back- und Fleischmedien bei der dfv Mediengruppe unter dem Titel „Raus aus der Bubble“ zusammengefasst werden kann und welche weiteren Faktoren innerhalb der drei Dimensionen im nächsten Jahr für die Entwicklung des Lebensmittelmarktes ausschlaggebend sein werden, lesen Sie im März in der nächsten Ausgabe NEWMEAT. Mehr erfahren

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