Start-Up-Tour "Doin'Food" - Folge 3: "Frankfurt/Main"

Wie die Mitsprache von Verbrauchern die Nachhaltigkeit antreibt

Frankfurt Doin-Food German-AgriFood-Society
Quelle: German AgriFood Society
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In unserem Podcast „Doin'Food“ geht es um die Köpfe hinter der New-Food-Economy. Die jetzige Folge führt uns nach Frankfurt, das mit dem Slogan: „Vielfalt bewegt Frankfurt“ wirbt​​ – ein indirekter Aufhänger für unser erstes #Meetup im Podcast-Studio des Deutschen Fachverlages.

Unseren Tag in der Stadt am Main starten wir mit einem Meetup mit mehreren Protagonist:innen des dortigen Innovations-Ökosystems. Später besuchen wir einige der spannendsten regionalen, innovativen Unternehmen vor Ort. Folgende Personen könnt ihr in unserer Folge zum Innovations-Ökosystems Frankfurt hören:

Im #Meetup, sprechen wir mit: 

  • Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Rentenbank

  • Prof. Dr. Karin Schnitker, Professur für Unternehmensführung, Hochschule Osnabrück 

  • Nicolas Barthelmé, Co-Founder „Du bist hier der Chef! – Die Verbrauchermarke“

  • Moderatoren: Olaf Deininger, Chefredakteur der agrarzeitung, und Dominik Ewald, Sprecher des Vorstandes German AgriFood Society e.V.  

und im zweiten Teil (ab Minute 29:24)-, dem „#Innovator:innen Dialog“, sprechen wir mit:

  • Nicolas Barthelmé, Co-Founder „Du bist hier der Chef! – Die Verbrauchermarke“ darüber, wie die Mitsprache von Verbrauchern die Nachhaltigkeit antreiben kann 

  • Christoph Kind, Geschäftsführer Fischmaster IP-Service GmbH, dazu welche Rolle eine gestärkte Primärproduktion für die heimische Versorgung hat
    (ab Minute 08:50)

Hier könnt ihr euch die erste Folge der Start-Up-Tour „Doin'Food“ anhören:

#Podcast Teil1

#Podcast Teil2 

Die momentanen Herausforderungen unserer Gesellschaft zwingen die Landwirtschaft sowie ihre vor- und nachgelagerten Bereiche zu einem transformativen Wandel. In diesem Zusammenhang treffen wir uns in Frankfurt zum Meetup in den Räumen des Deutschen Fachverlages. 

Mit dabei ist natürlich die Rentenbank, die seit einigen Jahren den Weg für eine zukunftsfähige, nachhaltige Landwirtschaft ebnet und sich für die Förderung von Start-ups im AgTech- und FoodTech-Bereich einsetzt. Seit 2018 durchliefen bereits 36 junge Unternehmen ihr Start-up-Programm, das dieses Jahr nun zum fünften Mal stattfindet. Auf dem Programm stehen Workshops und Einzelgespräche mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die Workshops umfassen Themen wie Wachstumsstrategien, Teambildung, Datenschutzbestimmungen, Verhandlungstechniken, Pitching und Storytelling. Als wäre das noch nicht genug, werden seit Frühjahr 2022 landwirtschaftsnahe Start-ups in ihrer frühen Finanzierungsphase durch ein Nachrangdarlehen mit einem Zuschuss in Form eines Innovationsgutscheins gefördert. Umso mehr freuen wir uns, dass Nikola Steinbock (Sprecherin des Vorstandes) mit uns darüber diskutiert, welche innovativen Wege in Zukunft beschritten werden.

Nikola Steinbock ist seit 2022 Sprecherin des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Bereits seit dem 1. August 2020 verantwortete sie als Bereichsvorständin Fördergeschäfte und Treasury. Nach einem Abschluss zur Außenhandelskauffrau an der Akademie für Welthandel in Frankfurt startete sie ihre Karriere 1993 als Trainee bei der Commerzbank im Firmenkundengeschäft. Dort hatte sie bis zu ihrem Wechsel zur Rentenbank verschiedene Leitungsfunktionen inne - unter anderem als Leiterin der Abteilung Zielgruppenmanagement Mittelstand, als Vorsitzende der Geschäftsleitung der Mittelstandsbank Leipzig und als Leiterin des Kompetenzcenters Öffentlicher Sektor Deutschland.

Jungunternehmer:innen im Wirken unterstützen, denn sie sind die Changemaker von heute

Jemand, der Unternehmertum im Agrar- und Foodbereich seit Jahren in der Lehre und der Anwendung begleitet, ist Prof. Dr. Karin Schnitker. 2009 wurde sie von der Hochschule Osnabrück zur Professorin für Unternehmensführung, Entrepreneurship und Innovationsmanagement in der Agrar- und Ernährungswirtschaft berufen. Nach verschiedenen Leitungspositionen, wie Sprecherin des Senats der größten Hochschule Niedersachsens und Studiengangsleiterin, ist sie unter anderem zurzeit Gründungsbeauftragte der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur sowie Projektleiterin des Startuplab@HS Osnabrück. Zuvor war sie knapp fünfzehn Jahre in verschiedenen Positionen im Bereich der strategischen Unternehmensentwicklung, Betriebswirtschaft und dem Public Relation Management verantwortlich. Ein Schwerpunkt dabei waren Unternehmen und Organisationen des Agri- und Foodbusiness sowie Banken im In- und Ausland.
 
Über zehn Jahre war sie mitverantwortlich für die Leitung und strategische Entwicklung eines landwirtschaftlichen Unternehmens. Sie ist gelernte Bankerin, studierte Internationalen Agrarhandel und promovierte in der Agrarökonomie mit Schwerpunkt nachhaltige Unternehmensführung. Ihr Fokus liegt in der agilen Unternehmensführung im Kontext der strategischen Unternehmensentwicklung, Intra- und Entrepreneurship, Innovationsprozesse und Geschäftsmodellentwicklung unter Berücksichtigung agiler Methoden. In diesem Zusammenhang leitet sie das Reallabor „Innovation, Entrepreneurship, agile Führung“ im Food-Future Lab der Hochschule Osnabrück und verschiedene Forschungsprojekte SU (Start-ups). Im Meetup spricht sie insbesondere über die verschiedenen Fallstricke, die es als junges Unternehmen zu umgehen gilt und was in der Förderung unserer Startups noch verbessert werden könnte.

Verbraucher:innen als Treibende einer nachhaltigen Wertschöpfungskette

Vervollständigt wird unser Meetup durch Nicolas Barthelmé.
Nicolas zeigt in unserer Meetup-Runde, wie die Ermächtigung der Verbraucher*innen ganze Wertschöpfungsketten in Richtung Nachhaltigkeit bewegen kann – ganz ohne Hightech.
 
Nicolas Barthelmé ist Betriebswirt und arbeitete viele Jahre im Vertrieb und Marketing von Markenherstellern der Lebensmittelbranche. Ende 2018 entdeckte er die Idee der französischen Verbraucherbewegung „C'est qui le patron?!“, war sofort Feuer und Flamme und entschied sich, den Funken der Teilhabe nach Deutschland zu bringen. Im Juni 2019 gründete er mit acht weiteren Verbraucher:innen die Initiative „Du bist hier der Chef! Die Verbrauchermarke“. Sie schafft Transparenz bei Qualität und Preisen von Lebensmitteln, garantiert Landwirten eine faire Vergütung und wurde 2020 mit dem hessischen Gründerpreis in der Kategorie „Gesellschaftliche Wirkung“ ausgezeichnet. 

Bei „Du bist hier der Chef!“ entscheiden Verbraucher:innen selbst, was ihnen bei Lebensmitteln wichtig ist, wie diese produziert werden und bestimmen den entsprechend fairen Preis mit. Das erste Produkt – die demokratisch-gewählte Verbraucher-Milch – ist seit Ende Juli 2020 in ausgewählten Supermärkten erhältlich und wurde bereits mehr als 1.250.000 mal verkauft. Zudem gewann das Produkt den Fairness-Preis 2021. Aktuell laufen die Abfragen für Kartoffeln und Joghurt auf www.dubisthierderchef.de. Macht mit, entscheidet mit! Nicolas zeigt in unserer Meetup-Runde, was das richtige Marketing in Richtung Nachhaltigkeit bewegen kann – ganz ohne Hightech.

Die Primärproduktion - das Rückgrat unserer Lebensmittelversorgung

Im zweiten Teil unseres Stopps in Frankfurt waren wir bei einem innovativen Primärproduzenten – der Indoor-Aquakultur von Fischmaster. Hier wird bereits heute mit Hilfe der Digitalisierung eine nachhaltige und medikamentenfreie Tierzucht betrieben. In naher Zukunft geht die Firma noch einen Schritt weiter: eine künstliche Intelligenz wird die Abläufe innerhalb der Zuchtanlage optimieren. Um sein Unternehmen in dieser Hinsicht optimal auszustatten, arbeitet Christoph Kind, Geschäftsführer der Fischmaster IP Service GmbH, auch mit dem Berliner Startup MonitorFish zusammen.
 
In unserer ersten Folge haben wir ein Start-up vorgestellt, das Larven und Insekten als Nahrungsmittel produziert. Auch Christoph Kind geht im Bereich der nachhaltigen Ernährung neue Wege und setzt Proteine von Insekten, geliefert vom Start-up Probenda, als Futtermittel für Zander ein. Kind ist davon überzeugt: „
Essen ist ja nicht nur Nahrungsmittelaufnahme, sondern letzten Endes auch Kulturgut und hat was mit Genuss zu tun. [...] wir versuchen eben über solche Wege den Menschen Fisch zur Verfügung zu stellen, ohne dabei unsere Meere und Flüsse zu stressen.“
 
Kind, der als innovativer Unternehmer viel privates Kapital in die Hand genommen hat und mit seinen Ideen auch anderen innovativen Unternehmen die Türe öffnet, wünscht sich in Zukunft weniger Regularien innerhalb der Wertschöpfungskette. Beispielsweise darf er an Probenda keine Lebensmittelabfälle geben, damit sie dort an Insekten verfüttert werden. Auch hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten würde er sich wünschen, dass Betriebe, die sich neuen Geschäftsmodellen widmen, mehr Unterstützung für neue Konzepte bekommen. 

Wir haben viel gelernt in Frankfurt und hoffen, bald wieder in die Region zu kommen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frankfurt und den tollen Menschen und Unternehmen, die wir dort kennenlernen durften und freuen uns nun auf Osnabrück.

 

 

 

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