Start-Up-Tour "Doin'Food" - Folge 1: "Rostock"

Mehlwürmer im großen Stil produzieren

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Quelle: Dominik Ewald
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In dem neuen Podcast "Doin'Food" geht es um die vielen Köpfe hinter der New-Food-Economy. Wir starten mit einem Blick hinter die Kulissen in Rostock uns treffen uns mit vier Protagonisten des dortigen Innovations-Ökosystems.

Ich spreche mit 

  • Raijana Schieman, der Geschäftsführerin von INOVA Protein GmbH, wie Insekten unsere Ernährung bereichern werden
  • Wiebke Külper und Hauke Scheffler des Forschungsverbundes MV e.V.
    (ab Minute 13:00)
  • Dr. Steffen Knodt, Head of Sustainable Ocean Business am Fraunhofer IGD
    (
    ab Minute 24:10)
  • Dr. Philipp Wree, dem neuen Gruppenleiter am Fraunhofer IGD, der gerade eine neue Abteilung für Smart Farming aufbaut  
    (ab Minute 38:10)

Hier könnt Ihr Euch die erste Folge der Start-Up-Tour "Doin'Food" anhören:


Im vergangenen Jahr wurde die Hansestadt Rostock vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als eines von sieben bundesweiten regionalen Innovationsnetzwerken „Clusters4Future“ ausgewählt. Unter dem Titel Ocean Technology Campus (OTC) Rostock wird die enge Verzahnung von Wissenschaft und unternehmerischer Innovation ermöglicht. Am OTC wird der Brückenschlag zwischen zwei bedeutenden Zukunftsaufgaben vorangetrieben: die Entwicklung technologischer Lösungen für die maritime Wirtschaft von morgen und die nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen.

Der Ocean Technology Campus in Rostock ist damit ein internationales Innovations-Ökosystem für Unterwassertechnologie, in dem Ideen für die nachhaltige Nutzung der Meere bis zur Praxisreife wachsen können. Die enge Vernetzung von wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Expertise fördert einen effizienten Entwicklungsprozess. Mit umfangreichen Leistungen, von der Infrastruktur über die Grundlagenforschung bis zur Gründerberatung, erfüllt der OTC komplexe Anforderungen aus einer Hand. 

Nachhaltige Unterwassertechnologien

Einer, der diese Brücken baut, ist Dr. Steffen Knodt vom OTC. Er etabliert eine tragfähige Transferstruktur als Pfeiler der interdisziplinären Forschung. Das Leistungszentrum "Sustainable Ocean Business" ist fokussiert auf innovative Lösungen für nachhaltige Unterwassertechnologien. Entsprechende Kompetenzen zur nachhaltigen Unterwassertechnik sind am Standort Rostock bereits vorhanden, sowohl im Bereich der Forschung als auch im Bereich der kleinen und mittelständischen Industrie. Das Leistungszentrum verknüpft die vorhandenen Kompetenzen an den Standorten Rostock und Lübeck und baut diese als Technologie-Broker gezielt aus, um einen umfassenden Technologietransfer in die Praxis zu ermöglichen.

Makerspace für die Meerestechnik 

Ein weiterer Baustein innerhalb des OTC - Zukunftsclusters ist das Projekt „Ocean Open Lab”, geleitet von Wiebke KülperDas Ocean Open Lab ist ein offener, der Meerestechnik gewidmeter Makerspace. Technische Fragestellungen treffen hier auf eine aktive Community aus verschiedenen Bereichen, um Lösungsansätze in Bezug auf Meeres- und Unterwassertechnologien zu finden und damit Innovationen zu generieren. Durch Veranstaltungsreihen und  Öffentlichkeitsarbeit werden die Themen und Erkenntnisse des OTC-Clusters an die Interessensgruppen weitergegeben. Damit sollen Open-Innovations-Prozesse als neue Form der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung gefördert werden. 

Unternehmensgründungen in der Meeres- und Unterwassertechnik

Das Programm „International Ocean Accelerator“ (IO Accelerator), unterstützt und beschleunigt innovative Unternehmensgründungen in der Meeres- und Unterwassertechnik. Teams aus aller Welt entwickeln hier ihre Gründungsideen mit Bezug zu Meeres- und Unterwasserthemen weiter. Den jungen Unternehmern wird einiges geboten wie gezielte Förderungen, Zugang zur meerestechnischen Infrastruktur des Clusters und Kontakte zu nationalen und internationalen Experten und Konsortien aus Wissenschaft und Wirtschaft. Geleitet wird dieses Programm von Hauke Scheffler. Um hier jedoch auch langfristig Unternehmer hervorzubringen, muss es Innovationen und Ideen aus dem heimischen Ökosystem geben. 

Smart Farming und Smart Fishing mit Visual Computing

Abteilungen wie die von Dr. Philipp Wree, welche gerade im Aufbau sind, gewährleisten dies. Sein Themenfeld ist Smart Farming, gekoppelt an Visual Computing. Darüber hinaus gibt es bereits konkrete Anwendungsfelder, wie OTC-SmartFishing, welches die Grundlagen für ein robustes Unterwasser- Kamerasystem mit KI-gestützter Bilderkennung für den Einsatz in der kommerziellen Fischerei und der Fischereiforschung entwickelt. Damit wird es mittelfristig möglich, zielgenau Meeresorganismen zu fangen - sowohl in der Fischerei als auch in der Fischerei-/Meeresforschung. Darüber hinaus ermöglicht dieses System eine ressourcenschonende, minimal-invasive Untersuchung der Fischfauna als Grundlage für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Meere.

Monitoringsystem für marine Aquakulturanlagen 

Ein anderes sehr gutes Beispiel für eine Zusammenarbeit auch außerhalb des Ökosystem, in diesem Fall mit Startups aus Berlin, ist das Projekt OTC-Marikultur. Hier soll ein Monitoringsystem für marine Aquakulturanlagen entwickelt werden, das eine Fernwartung ermöglicht. Zentrales Hilfsmittel ist die Schaffung eines Digital Twin der Anlage, der eine Digitalisierung der Echtzeitüberwachung diverser Tierwohl-, Tierverhaltens- und Umweltparameter durch die Verarbeitung der Daten umfassender Sensorik (bspw. Kameras, Wasserparameter) durch Methoden aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz darstellt. Ergänzend werden Mikrobiomuntersuchungen herangezogen, um Aspekte der Fischgesundheit zu bewerten. Das Projekt adressiert biogene Wertschöpfung aus dem Meer und damit primär das Zukunftsfeld „Sustainable Ocean Use“. Daneben gibt es Schnittmengen insbesondere mit den Innovationsfeldern „Digital Mission“ sowie „Ocean Lense“ und „Subsea Mobility & Autonomy“.

Mehlwürmer im großen Stil züchten

Besonders nennenswert sind junge Unternehmen, die es geschafft haben, die PS aus dem Ökosystem auf die Straße zu bringen. INOVA Protein arbeitet an der Lösung eines Weltproblems. Die drei Jungunternehmer*innen aus Rostock haben sich ein großes Ziel gesetzt: Die Ernährung nachhaltiger, umweltfreundlicher und gesund zu gestalten. Grundlage dafür sind Mehlwürmer, die sie bald im großen Stil züchten. Aus den getrockneten Insekten werden anschließend Proteinmehl, Insektenöl, Chitin und Dünger mit Einsatzgebieten in der tierischen und menschlichen Ernährung entstehen.

Wir waren live vor Ort und haben uns den Rohbau der neuen Produktionshalle angeschaut, welche aller Voraussicht ab Mitte Mai fertiggestellt sein wird, und sprachen mit Raijana Schieman, der Geschäftsführerin von INOVA Protein GmbH.

Dann werden unter einem Dach sowohl die Nachzucht als auch die Aufzucht und Verarbeitung von Mehlwürmern stattfinden. Mittels Automatisierung wird der ganze Prozess damit noch sicherer und effizienter. Im Sommer 2022 sollen die ersten Verkäufe beginnen. In der ersten Ausbaustufe der Halle werden 1,5 Tonnen Insektenmehl pro Monat für Lebensmittel produziert. Die INOVA Protein GmbH ist ein schönes Beispiel dafür, wie auch die Landwirte neue Geschäftsfelder begehen können, wenn sie die richtigen Partner an ihrer Seite haben.

Wir hoffen auf jeden Fall, bald wieder nach Rostock kommen zu können und weitere innovative Markttreiber kennen lernen zu dürfen. Wir danken Rostock für den Einblick und freuen uns nun auf Kiel.

 

 

 

 

 

 
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