Start-Up-Tour "Doin'Food" - Folge 2: "Kiel"

Neues von der blauen Bioökonomie

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Quelle: German AgriFood Society
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In unserem Podcast "Doin'Food" geht es um die vielen Köpfe hinter der New-Food-Economy. Wir treffen vier Protagonist:innen des Innovations-Ökosystems in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel.

Ich spreche mit 

  • Dr. Stefan Meyer, Koordinator des Innovationsraum Bioökonomie auf Marinen Standorten (#BaMS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, über die Blaue Bioökonomie

  • Dr. Inez Linke, Gründerin und Geschäftsführende Gesellschafterin der oceanBASIS GmbH, darüber wie “Schutz für Haut und Meer” möglich ist
    (ab Minute 23:51)

  • Rafael Meichssner, Projektleiter bei CRM GmbH und Teilnehmer bei AQUATOR (einem BaMS - Projekt), darüber warum Acceleratoren Sinn machen
    (ab Minute 33:40)

  • Frederik Karnath, Geschäftsführer der KUHdo GmbH, darüber wie Finanzmärkte die Landwirtschaft nachhaltig absichern
    (ab Minute 45:45)


Hier könnt Ihr Euch die zweite Folge der Start-Up-Tour "Doin'Food" anhören:

Die aktuelle Folge führte uns nach Kiel, wo wir mit dem vielversprechenden Slogan "Ahoi in Kiel.Sailing.City" begrüßt wurden. Unser erster Gesprächspartner vor Ort war Stefan Meyer, Koordinator des Innovationsraums "Bioökonomie auf Marinen Standorten", kurz BaMS, unter Leitung der Christian-Albrechts-Universität Kiel - für uns ein weiterer Lichtblick im Innovationsraum Deutschland. 

2019 startete das  Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Förderkonzept "Innovationsräume Bioökonomie". Die Idee dahinter ist, bioökonomische Innovationen als Treiber einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaft zu unterstützen. Dabei sollen Forschungsergebnisse umfassender als bisher genutzt und Prozesse angestoßen werden, die Bausteine eines gesamtgesellschaftlichen Wandlungsprozesses im Sinne der Bioökonomie formen. Die wissenschaftlichen Voraussetzungen hierzu sind in Deutschland vorhanden und es gibt bereits viele vielversprechende Ideen. In diesem Rahmen fördert das BMBF vier  Innovationsräume:

  • BaMS - Bioökonomie auf Marinen Standorten  

  • BioBall – Bioökonomie im Ballungsraum

  • BioTexFuture – Textile Bioökonomie gestalten  

  • NewFoodSystems – Neue Lebensmittelsysteme

Blaue Bioökonomie ist die Erzeugung und Nutzung mariner / aquatischer biologischer Ressourcen, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen Wirtschaftssektoren bereitzustellen. In Norddeutschland erwacht das Potential der blauen Bioökonomie: Die biologische Produktivität von Nord- und Ostsee wird noch immer unterschätzt. Das BaMS zeigt Wege und Möglichkeiten, aquatische Ressourcen neu zu denken. So kann aquatische Biomasse an verschiedenen Stellen in bereits funktionierende grüne bioökonomische Kreisläufe integriert werden, z.B. als Futtermittelzusatz oder Bodenverbesser für die Landwirtschaft, als Ersatz für petrochemisch hergestellte Chemikalien oder als wertvoller Rohstoff für Naturkosmetik.

Die Möglichkeiten sind wie die Weltmeere: unendlich groß und noch nicht annähernd erforscht. Mehr dazu und zu den elf derzeit laufenden Projekten der Blauen Bioökonomie, gibt es in unserem Podcast und auf der Website blaue-biooekonomie.de

Eine unendliche große Wertschöpfungskette und Naturkosmetik aus dem Meer   

Kiel ist weltweit einer der führenden Standorte für Forschung und Wissenschaft im Bereich Meeresbiologie und ist durch das BaMS-Cluster auf die blaue Wertschöpfungskette spezialisiert. Wie eine solche genau aussieht, was für Produkte sie beinhaltet und wie die Erkenntnisse der Kieler Meeresbiolog:innen in Alltagsprodukte fließen, dazu haben wir Inez von der oceanBASIS GmbH befragt. 

Die oceanBASIS GmbH wurde vor 20 Jahren von der Meeresbiologin Dr. Inez Linke gegründet. Ihr Motto von Beginn an: „Wir wollen, dass die Welt ein bisschen besser, ein bisschen schöner wird.“ OceanBASIS GmbH hat sich darauf spezialisiert, Wirkstoffe aus dem Meer für Gesundheit und Schönheit verfügbar zu machen und dabei das Meer zu schützen. Seit 2001 erforschen und entwickeln die Meeresbiolog:innen von oceanBASIS Meereswirkstoffe und Produkte für Kosmetik und pharmazeutische Industrie. Unter Einhaltung strikter Nachhaltigkeits- und Qualitätskriterien vermarkten die Forscher:innen die eigene Naturkosmetik Oceanwell und Meeresgarten Bio-Algen – für Schönheit von außen und von innen.

Neue AQUATOREN braucht das Land 

Dr. Inez Linke hat oceanBASIS im Team aus Coastal Research & Management heraus vor 20 Jahren gegründet und bereits damals das Ökosystem Kiel bei ihren ersten Schritten unterstützt. Dennoch hätte sie sich einen Ort gewünscht, an dem Ideen und Business zusammengebracht und neue Geschäftsmodelle getestet werden. 

Ein solches Projekt ist heute der AQUATOR in Kiel. Der AQUATOR ist ein Business-Akzelerator zur Entwicklung der blauen Bioökonomie. Als Teilprojekt des BaMS ist das Ziel des AQUATORs, Gründer:innen durch maßgeschneiderte Unterstützung den Weg von der guten Idee zur Marktreife zu ebnen, und so die blaue Bioökonomie „auf die Straße zu bringen“. Ein Team aus erfahrenen Wissenschaftler:innen unterstützt die Startups bei der Unternehmensgründung und der Standortsuche, führt zur Vereinfachung von Genehmigungsverfahren toxikologische Untersuchungen von Produkten und Umweltbilanzen durch, und bietet Knowhow in aquatischer Ökologie und Aquakultur sowie Zugang zu einem großen, vertrauensbasierten Netzwerk. 

Die Vision für die Zukunft sind viele kleinere und größere Unternehmungen, die miteinander vernetzt sind, dank gegenseitiger Unterstützung vielfältige Synergien nutzen und so ökologisch und ökonomisch nachhaltig konkurrenzfähig bleiben. Einer, der sich mit dem Thema Startup intensiv beschäftigt hat und die Vorzüge des AQUATORs kennt, ist Rafael. Was für Erfahrungen er damit gemacht hat und wie wichtig es ist, im AQUATOR zu sein, hört ihr in unserem Podcast.

Finanzmarkt sichert nachhaltige Landwirtschaft

Ein Unternehmen, das dank verschiedener Startup-Förderprogramme, wie bspw. das Bootcamp des Tech-Quartiers und der Landwirtschaftlichen Rentenbank, das Gründerstipendium EXIST und die Deutsche Innovationspartnerschaft Agrar (dip) bereits die Segel in Richtung Markt gesetzt hat, ist die KUHdo GmbH

Kiel ist nicht nur bekannt für sein Nähe zum Meer, sondern auch für die leistungsfähige norddeutsche Milchwirtschaft. Landwirte und Landwirtinnen, die auf Milcherzeugung setzen, haben es jedoch von Zeit zu Zeit schwer. Die Preise schwanken mitunter stark - beim Einkauf der Betriebsmittel, vor allem aber bei den Verkaufspreisen der Milch. So schaut die gesamte Branche zur Bewertung der eigenen Leistungsfähigkeit häufig auf die Kieler Rohstoffwerte.

Dass Landwirt:innen nicht länger ungeschützt den Launen des freien Marktes ausgesetzt sind, soll nun eine Web-App gewährleisten – entwickelt von dem Startup-Unternehmen KUHdo, gegründet 2018 unter Begleitung des Fachbereichs Agrarwirtschaft der Fachhochschule Kiel als GmbH. Heute sitzen die Gründer Arne Bartelt und Frederik Karnath, mit ihrem Team im KITZ des Milch-Hotspots Kiel, in dem auch das branchenbekannte Recherchenetzwerk IFCN seinen Sitz hat.

Neben umfangreich aufbereiteten Informationen rund um den Milchmarkt hat sich das um den studierten Risikomanager und ehemaligen Banker Lino Liebmann erweiterte Gründerteam und ihre Mitarbeiter:innen nun zusätzlich zum Ziel gesetzt, Landwirt:innen den Marktzugang zu Milchpreissicherungsinstrumenten zu ebnen. Auch Angel-Investoren und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit ihrem Förderprogramm Deutsche Innovationspartnerschaft Agrar (dip) sind mit an Bord. Denn Landwirtinnen und Landwirte haben es mangels unternehmerischer Größe und Erfüllung regulatorischer Voraussetzungen gemeinhin schwer, eigenständig börsen basiertes Risikomanagement zu betreiben - auch nach bester Aus- und Weiterbildung. Eine unzureichende Preisabsicherung verursacht mangelnde Planbarkeit des eigenen Betriebs. Herausfordernde Zeiten nagen dann an der Kapitaldienst- und damit an der Investitionsfähigkeit der Betriebe. Mangelnde Investitionen verzögern die Transformation zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft.

Die KUHdo GmbH ist ein schönes Beispiel dafür, dass neben Produktions- auch BWL-nahe Startup-Unternehmen viel zu einer beständigen und nachhaltigen Landwirtschaft im Herzen Europas beitragen. Die Gründer und Leader von KUHdo freuen sich darauf, dies in der nächsten Finanzierungsrunde mit dem bestehenden und weiteren Investorenkreis voranzutreiben.

Wir haben viel gelernt, in Kiel und hoffen, bald wieder in die Stadt der blauen Bioökonomie zu kommen um weitere spannende Innovator:innen kennenlernen zu dürfen. Wir danken Kiel für den Einblick und freuen uns nun auf Frankfurt.

 
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