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az-Wochenstart: Was wichtig wird・ 03. August 2020





az-Wochenstart: Corona in Bayern / Tönnies / Stabile Unternehmensbilanzen

Was wichtig wird: Corona kostet Nerven und Geld

Coronatest

©: imago images / Sven Simon

Mamming im Griff von Corona

Nun sind auch in einem zweiten Betrieb im niederbayerischen Mamming Corona-Infektionen bei Saisonarbeitern festgestellt worden. Nach Angaben des Landratsamtes Dingolfing-Landau sind rund 43 Personen betroffen und alle mitsamt deren Kontaktpersonen in Quarantäne. Der verarbeitende Betrieb befindet sich in unmittelbarer Nähe des landwirtschaftlichen Betriebs, bei dem in der vergangenen Woche Masseninfektionen gemeldet wurden. Insgesamt sind auf diesem Gemüse-Betrieb 232 Personen infiziert und rund 500 Saisonarbeiter unter Quarantäne, da der Betrieb das vereinbarte Hygienekonzept nicht vollständig umgesetzt habe. Die Erntehelfer stammen aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine und wurden bei der Gurkenernte eingesetzt.



Daraufhin wurden Reihentestungen im Landkreis veranlasst. Nach den Ergebnissen sind 24 Betriebe mit insgesamt knapp 4.000 Mitarbeitern und auch die jeweiligen Landwirtsfamilien Corona-negativ. Bislang haben sich über 5.000 Personen im Landkreis freiwillig testen lassen, bislang ohne Corona-Befund. Ob es auch zu weiteren Reihentestungen von Saisonarbeitskräften in anderen landwirtschaftlichen Betrieben komm, ist noch offen.

Vertreter der SPD kritisieren das Vorgehen der bayerischen Landesregierung fordern ein bundesweites Sonderkontrollprogramm auch für Bauernhöfe mit Erntehelfern. Bauernpräsident Joachim Rukwied lehnt flächendeckende Corona-Tests in der Landwirtschaft ab. Größere Gemüseanbaubetriebe ließen ihre Mitarbeiter ohnehin schon durchgängig testen. Eine Testpflicht sei daher nicht nötig: Die Arbeitsverhältnisse im Gemüseanbau seien nicht vergleichbar mit denen in der Fleischindustrie, so Rukwied.

Tönnies kostet Corona viel

Masseninfektionen beim Fleischkonzern Tönnies haben viele Schlagzeilen verursacht. Rund 7 Mio. € hat der Lockdown und die technischen Verbesserungen  den Konzern bislang gekostet. Clemens Tönnies ist davon überzeugt, dass der Konzern gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Der  Fleischunternehmer sieht sich durch die wissenschaftlichen Studien in Sachen Corona-Infektion von jeder direkten Schuld befreit. Seine Verantwortung sieht er darin, die Themen höherer Mindestlohn mit Tarifbindung, bessere Unterkünfte und Tierwohl nun massiv nach vorne zu bringen. Das am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Gesetz zur Abschaffung der Werkvertrags- und der Leiharbeit hält Tönnies für schwierig. Es nehme den Betrieben die Flexibilität, führe zu Strukturnachteilen gegenüber anderen Ländern und letztendlich zu einer Verteuerung von Fleisch, erklärte er im Interview. Das gesamte Interview finden Sie unter agrarzeitung.de.

Agrarunternehmen kommen relativ gut durch die Krise

Baywa_Fahnen

©: Foto: Baywa


Unterdessen spüren Unternehmen, die im Agrargeschäft tätig sind, die Folgen der Corona-Pandemie zwar auch, aber nicht so massiv. Agravis-Chef Dr. Dirk Köckler erklärte im Interview, dass Agravis „bislang ohne nennenswerte Schrammen durch die Corona-Zeit“ gekommen ist. „Als systemrelevantes Unternehmen konnten und können wir während der gesamten Corona-Phase unseren Versorgungsauftrag uneingeschränkt wahrnehmen, ohne dass Kurzarbeit in unserem Kerngeschäft notwendig wurde“, sagte Köckler.

Auch die Münchner Grüne AG zeigt sich in den vergangenen Monaten robust. Baywa-Konzernchef Klaus Josef Lutz kündigte auf der virtuellen Hauptversammlung ein operatives Ergebnis auf Vorjahreshöhe an. Hierbei bezieht sich das Unternehmen auf das Ergebnis der operativen Segmente, das 2019 rund 256 Mio. € betrug. Am kommenden Donnerstag legt er die Zahlen zum 2. Quartal vor. Dann wird sich zeigen wie robust die Baywa mit ihren Geschäftsfeldern das erste Halbjahr gemeistert hat.

Wie es Betriebsmittelanbietern geht wird sich am kommenden Dienstag zeigen, wenn Bayer seine Bilanz zum 2. Quartal vorlegt. Der Agrarbereich des Bayer-Konzerns ist jedenfalls gut ins Jahr 2020 gestartet. Vorgezogene Käufe der Landwirte haben zum Umsatzanstieg beigetragen. Spannend wird auch, wie es mit der Glyphosat-Klagewelle weiter geht und in wie weit dies die Bilanz beeinflusst. Im ersten Glyphosat-Prozess um Dewaine Johnson hat ein kalifornisches Gericht zwar die Schadensumme drastisch reduziert, den Schuldspruch aber nicht grundsätzlich aufgehoben. Mit anderen Verfahren hat dieses Urteil nichts zu tun. Der Konzern hatte sich mit den meisten US-Klägern auf einen Vergleich geeinigt, offen ist allerdings noch, wer bei künftigen Klagen Urteile über die Gesundheitsgefahr durch Glyphosat fällen soll.




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