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Technik Talk・ 05. August 2020


Dieter Dänzer

© Dieter Dänzer


Landtechnik-Situationsanalyse

Alle Landtechnik-Hersteller lassen Federn im ersten Halbjahr

Liebe Leserinnen und Leser,

in meinem Landtechnik-Ausblick im ersten Technik Talk Anfang Juni hatte ich schon die Befürchtung geäußert, dass auch die Landtechnik-Branche durch die Corona-Pandemie tüchtig durcheinandergewirbelt werden könnte – anders als bei der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise die ja seinerzeit an ihr vorbeigezogen war ohne größere Spuren zu hinterlassen. Mittlerweile ist eindeutig belegt, dass die Corona-Pandemie die Geschäftstätigkeiten aller Landtechnikunternehmen beeinflusst. Mal mehr und mal weniger, wobei all diejenigen Hersteller die Quartals- und Halbjahresberichte veröffentlichen zweistellige Rückgänge ausweisen.

So ist beispielsweise bei AGCO der Umsatz im zweiten Quartal um 17,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nur noch zwei Milliarden Dollar eingebrochen. Für das erste Halbjahr wird mit einem Umsatz von rund 3,9 Milliarden Dollar ein Minus von 10,9 Prozent ausgewiesen. Wobei die EME-Region, also Europa und der Mittlere Osten mit 22,8 Prozent Rückgang mehr als doppelt so stark wie der nordamerikanische Markt (minus 10,2 Prozent) oder sogar fast sechsmal so stark wie der südamerikanische Markt (minus 3,9 Prozent) rückläuftig ist. Bei CNH Industrial war der Umsatzeinbruch im zweiten Quartal mit minus 26 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar sogar noch gravierender. Dies gilt ebenso für das erste Halbjahr, in dem der Umsatzrückgang von 14,024 auf 11,039 Milliarden Dollar 21,3 Prozent betrug. Somit musste CNH Industrial doppelt so heftig Federn lassen wie AGCO oder auch Kuhn, wo der Umsatz im ersten Halbjahr zum Vorjahr mit 602,5 auf nun 548,2 Millionen Euro nur um neun Prozent zurückging.

Mittlerweile stimmt auch ein Blick auf die Traktoren-Zulassungsstatistik nicht mehr allzu zuversichtlich: so sind im Juni 2020 nur noch 2.466 landwirtschaftliche Zugmaschinen neu zugelassen worden, im Vergleich zu 3254 Einheiten im Juni 2019 - was einem Minus von 24,2 Prozent entspricht. Noch hält sich das Minus von 2,7 Prozent bezogen auf das gesamte erste Halbjahr 2020, sprich 14.884 zu 15.292 Traktoren, sehr in Grenzen, dies dürfte sich in den nächsten Monaten aber ändern. Bislang am besten durch diese stürmischen Zeit gekommen ist Fendt, schließlich hat die Marke in den ersten sechs Monaten nur 3,5 Prozent verloren und hält mit 3.520 Einheiten einen Marktanteil von 23,6 Prozent. Von den Top-Ten-Marken verliert Claas im ersten Halbjahr mit 20 Prozent am stärksten und kommt nur noch auf einen Marktanteil von 6,4 Prozent. Im Juni lag der Marktanteil mit 154 Neuzulassungen sogar nur noch bei 6,2 Prozent. Da werden die Mannen um CEO Thomas Böck wohl hoffen, dass der im Whitepaper von ihm angesprochene Wendepunkt im Traktorengeschäft infolge der 150 identifizierten und eingeleiteten Verbesserungspunkte möglichst bald erreicht wird.

Auch die meisten Landtechnikhändler sind längst nicht mehr zuversichtlich wie die Ergebnisse einer Climmar-Umfrage zur COVID-19-Situation bei 660 europäischen Händlern aus 14 verschiedenen Ländern zeigen: 80 Prozent der Umfrage-Teilnehmer haben angegeben, dass sie von der aktuellen Krise mehr oder weniger stark betroffen seien. Besonders der Verkauf neuer Maschinen stagniere. In den kommenden Monaten erwarten 70 Prozent der Teilnehmer einen deutlichen Umsatz- und Auftragsrückgang – 16 Prozent von ihnen einen Rückgang von mehr als 25 Prozent!

Ein kleiner Lichtblick ist, dass die Europäische Union den Landmaschinenherstellern wegen der Corona-Krise einen etwas größeren zeitlichen Spielraum bei der Nutzung älterer Motoren eingeräumt, was von der Branche ausdrücklich begrüßt worden ist. Laut dem am vergangenen Freitag erfolgten Beschluss des Europaparlaments wird die Übergangsfrist der Stufe V für bestimmte Kategorien an Motoren, die auch solche für Traktoren und Landmaschinen einschließt, um zwölf Monate verlängert. Mit der rückwirkenden Fristverlängerung sei laut dem Geschäftsführer des Fachverbandes Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Dr. Bernd Scherer nicht nur ein Schaden in Millionenhöhe verhindert worden. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit sei diese Entscheidung der einzig sinnvolle Weg gewesen.

Was mich trotz der fast beängstigenden Umsatzrückgänge der Hersteller und Händler im zweiten Quartal doch recht positiv nach vorne blicken lässt ist, dass mir in vielen Gesprächen mit Verantwortlichen in den Unternehmen unisono davon berichtet wird, dass nicht zuletzt durch die vielerorts guten Ernteergebnisse die Stimmung bei den Landwirten wieder viel besser sei. Man erwarte wieder eine deutlich bessere Auftragslage im zweiten Halbjahr. Wir alle können nur hoffen, dass sie Recht behalten mögen!

Ihr

Dieter Dänzer




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