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az-Wochenstart: Was wichtig wird・ 14. September 2020





Die Top Themen: Wie geht es weiter mit der ASP?, Zukunftskonzepte für Landwirtschaft & Ernährung

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird


Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az). Stefanie Pionke

©: Foto: Privat



Das Damoklesschwert Afrikanische Schweinepest ist auf die deutsche Agrarwirtschaft herabgekommen. Wie sich die Lage am Fundort, in der Politik und auf den Märkten weiter entwickelt, wird auch diese Woche im Fokus des Interesses stehen. Beim digitalen Zukunftsdialog Agrar & Ernährung von agrarzeitung (az) und DIE ZEIT geht es um entscheidende Fragen wie die passende Balance zwischen Ökologie und Ökonomie in der Landwirtschaft der Zukunft. 

Wie geht es weiter mit der Afrikanischen Schweinepest?

Symbolbild ASP Wildschweine

©: Foto: Imago Images / Martin Wagner


Am Donnerstag letzter Woche wurde der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) hierzulande offiziell bestätigt. Der Worst Case ist also eingetreten; letztlich war dies nur eine Frage der Zeit. Ganz oben auf der To-Do-Liste des Bundesagrarministeriums (BMEL) steht aus Sicht der betroffenen Fleischwirtschaft und Tierhalter, die Absatzmärkte für deutsches Schweinefleisch in Drittstaaten so schnell wie möglich zu öffnen – natürlich nur für Fleisch aus Regionen, die von der ASP nicht betroffen sind. Und das gilt momentan für alle Regionen außerhalb des Oder-Neiße-Kreises in Brandenburg. Für den Verband der Fleischwirtschaft (VDF) ist es deshalb besonders wichtig, dass nun so schnell wie möglich mit Drittländern Vereinbarungen zur Wiederaufnahme des Handels mit Schweinefleisch getroffen werden. Das ist nur folgerichtig, denn ein riesiger Markt steht auf dem Spiel: Schmerzlich ist für die deutschen Produzenten vor allem der Wegfall des chinesischen Marktes, der in diesem Jahr steigende Mengen aufgenommen hatte. Von Januar bis April setzte Deutschland nach Angaben des Bundesamtes für Statistik (Destatis) 158.000 t Schweinefleisch im Wert von 424 Mio. Euro in der Volksrepublik ab. Die Menge hatte sich dabei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt, der Warenwert mehr als verdreifacht. Doch auch am deutschen Markt berichten Teilnehmer von Irritationen. Zwar ist es schwer, entsprechende Berichte zu bestätigen. Doch offenbar sollen vereinzelte Schlachthöfe Schweine aus Brandenburg generell ablehnen.
Interessant ist neben allen politischen Verhandlungen und Marktfolgen auch die Frage, ob die jetzt bestätigte ASP-Infektion bei einem toten Wildschwein ein Einzelfall bleibt. Seitens des Friedrich-Löffler-Instituts hieß es bereits, das betroffene Tier sei dem Befund nach bereits länger vor dem Zeitpunkt seiner Entdeckung verendet. Das kann für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit sprechen, dass noch mehr infizierte Tiere gefunden werden.
Zwar betonte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) auf der Pressekonferenz, es handele sich um lediglich ein Wildschwein und es bestünde kein Anlass zur Panik. Doch das ist nicht viel mehr als eine Beschwichtigungstaktik: Für Marktsperren und Schutzmaßnahmen wie das Keulen von Tierbeständen im nahen Umkreis des Fundortes eines ASP-Falles ist es unerheblich, ob es sich um 1, 10 oder 100 Tiere handelt.

Welche Landwirtschaft macht Bauern und Verbraucher glücklich – und wie essen wir in Zukunft

Symbolbild für Zukunftsdialog

©: Foto: Imago Images / Panthermedia


Während zahlreiche Landwirte um Erträge und die wirtschaftliche Grundlage ihrer Betriebe fürchten aufgrund schärferer Vorgaben durch die Düngeverordnung und den European Green Deal und dafür zum Teil auch auf die Straßen gehen, entwerfen Wirtschaftsvertreter Lösungen, um Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft der Zukunft zu vereinen. Das ist ein Schwerpunktthema auf dem diesjährigen „Zukunftsdialog Agrar & Ernährung“ von agrarzeitung (az) und der Wochenzeitung DIE ZEIT. Am Mittwoch legen Vertreter aus Landwirtschaft, Industrie und NGO bei einer virtuellen Debatte im Rahmen der digitalen Themenwoche „Zeit für Wissen“ dar, wie die richtige Balance von Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft künftig erreicht werden kann. Vorschläge aus der konventionellen Agrarwirtschaft reichen dabei von einer Synthese aus ökologischer und konventioneller Landwirtschaft bis hin zu einer Vielzahl aus kleinen, regional angepassten Biodiversitätsmaßnahmen in der Fläche, bei der möglichst viele, leistungsstarke Äcker in der Produktion gehalten werden. Am anderen Ende des Pols fordern Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen oder auch ökologische Landwirtschaftsverbände einen grundsätzlichen Systemwandel der Landwirtschaft und Tierhaltung hin zu mehr Regionalität und ökologischen Landbau, weg von Intensivierung und Exportorientierung.
Unter dem großen Oberbegriff der Nachhaltigkeit oder auch einer zunehmenden Wertschätzung für die Urproduktion der Lebensmittel steht derweil der Trend der Ernährung. Zu einer nachhaltigeren Lebensmittelerzeugung beitragen werden nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten in fernerer Zukunft ein starkes Wachstum der In-vitro-Fleischproduktion. In Laboren gezüchtetes Fleisch aus tierischen Zellen hat einen günstigeren CO2-Fußabdruck als herkömmlich erzeugtes Fleisch, lautet die These. Außerdem gewinnen Flexitarier und Flexiganer in der Ernährung von morgen an Einfluss; im Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums von 2020 gaben immerhin 10 Prozent der befragten Verbraucher an, ihren Fleischkonsum in Zukunft reduzieren wollen. Fleischwirtschaft und Tierhaltung sind folglich im Umbruch. Darüber hinaus hat die Coronakrise dem Trend zu mehr regional erzeugten Lebensmitteln Vorschub geleistet, wie etwa die Ernährungsexpertin Hanni Rützler in ihrem Food Report 2021 beobachtet. Damit verbunden ist eine Rückbesinnung auf das, was eine gute und gesunde Ernährung ausmacht: Frische, saisonale Zutaten, ein geringer Verarbeitungsgrad und die Herkunft aus der Region. Außerdem: Mehr Freude am Kochen und an festen Mahlzeiten.
Programm und Anmeldung für die kostenfreie Veranstaltung finden Sie hier.



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