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az-Wochenstart: Was wichtig wird・ 11. Januar 2021





Die Top Themen: Agrarpolitik im Jahresauftaktfieber, Marktzahlen aus Übersee

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung.  Stefanie Pionke

©: Foto: Privat


Der agrarpolitische Betrieb erwacht zunehmend aus dem Winterschlaf: Vor dem offiziellen Beginn der Internationalen - und dieses Jahr digitalen - Grünen Woche hetzten Politiker und Verbände von einem Jahresauftaktgespräch zum nächsten. Und zusätzlich regnet es Marktdaten aus den USA, unter anderem mit dem neuen Wasde-Bericht.

Virtuelle Umtriebigkeit zum politischen Jahresauftakt

Julia Klöckner

©: imago images / Political-Moments

Die Internationale Grüne Woche findet in diesem Jahr zwar Corona bedingt nur virtuell statt und die offiziellen Messetage sind auch erst kommende Woche Mittwoch und Donnerstag. Doch wie in analogen Jahren auch, findet die politische Positionierung schon im Vorfeld der eigentlichen Messetage auch Hochtouren statt. In diesem Superwahljahr, in dem sowohl ein neuer Bundestag gewählt wird und Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern über neue Landesparlamente beziehungsweise Senate abstimmen, ist das nicht minder wichtig. Die erste Duftmarke zum politischen Jahresauftakt setzt an diesem Montag Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU). Sicherlich wird sie den Termin nutzen, um auf die Highlights des in diesem Jahr virtuellen Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) einzugehen, das das BMEL traditionell zur Grünen Woche veranstaltet. Der Titel des diesjährigen GFFA: „Pandemien und Klimawandel – wie ernähren wir die Welt?“. Dabei wird es darum gehen, welche Lehren sich aus der Covid-19-Pandemie für eine resilientere globale Wertschöpfungskette ziehen lassen. In dem Zusammenhang wird ein High Level Panel der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO während des GFFA Anfang kommender Woche erörtern, wie Innovationen dabei helfen können, Ernährungssysteme nachhaltiger aufzustellen und sich künftige Pandemien – Stichwort: Eindämmung von Zoonosen – verhindern lassen. Die EU-Kommission wiederum wirft in ihrem Panel die Frage auf, was denn der Klimawandel die Landwirtschaft angeht? Eine ganze Menge im Zweifel, wenn dadurch Agrarumweltauflagen steigen sollten, lautet eine Antwort auf die Frage. Passend dazu wird in den Reformverhandlungen über die EU-Agrarpolitik heiß darüber diskutiert, wie sich die GAP und das EU-Nachhaltigkeitsprogramm Green Deal miteinander verzahnen lassen. Aber zurück zu Klöckners agrarpolitischer Agenda: Da stehen der Umbau der Nutztierhaltung und die Entwicklung des nationalen Strategieplans für die GAP-Reform ganz oben.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) schlägt seinerseits einen politischen Pflock ein, indem er eine Art Elefantenrunde zum Superwahljahr veranstalten. Dabei diskutieren namhafte Elefant*innen über Agrar- und Ernährungspolitik sowie über Weichenstellungen in Wirtschafts-, Steuer- und Mittelstandspolitik für die kommende Legislaturperiode. Mit dabei in der Diskussion am Donnerstagabend sind neben DBV-Präsident Joachim Rukwied auch Bundesagrarministerin Klöckner, sowie die Fraktionsvorsitzenden von FPD, Linken und SPD. Den Glamourfaktor bringt der grüne Parteivorsitzende Robert Habeck. Dafür, dass es hinreichend provokant zugehen wird, dürfte der agrarpolitische Sprecher der AfD im Bundestag, Stephan Protschka, sorgen.

Wer wissen will, was politische Rahmenbedingungen mit Märkten, beziehungsweise Absatzchancen weltweit, zu tun haben, der wäre dann beim traditionellen Exportpressegespräch der Exporteursvereinigung der Agrar- und Ernährungsiwtrschaft Gefa gut aufgehoben. Am Mittwochabend wird die Gefa, wie es sich gehört in diesen Zeiten, virtuell darüber Auskunft geben, wie resilient die globale Lieferkette für Agrar- und Ernährungsgüter zu Zeiten von Corona tatsächlich ist. Und auch über Corona hinaus sind Fragen rund um den globalen Warenabsatz durchaus brisant: So sorgt die Afrikanische Schweinepest seit dem Spätsommer dafür, dass Absatzkanäle für deutsche Schweineohren und -pfoten in Drittstaaten versperrt sind.

Auftakt mit Biodiversität und Trilog

Symbolbild Europaparlament Brüssel

©: Foto: EP

Der Agrarausschuss im Europaparlament hat seinen politischen Jahresauftakt direkt an diesem Montag. Themen sind der Stand der Dinge bei den Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission um die GAP-Reform. Bekanntlich hat die deutsche EU-Ratspräsidentschaft zum Jahreswechsel den Staffelstab an Portugal übergeben. Die Erwartungen an Portugal sind hoch: Es gilt, die Triloggespräche im ersten Halbjahr 2021 zum Abschluss zu bringen. Dabei geht es auch um die Frage, inwieweit die Strategien „Farm-to-Fork“ und Biodiversität aus dem Green Deal in die Reform der EU-Agrarpolitik eingeflochten werden. Die neue Ratspräsidentschaft hält wenig davon, solange der Green Deal noch nicht mit konkreten Maßnahmen hinterlegt ist. Außerdem gibt es im Agrarausschuss des EP eine Anhörung von Verbänden- und Wissenschaftsvertretern zum EU-Biodiversitätsziel für 2030. Einige Wege, welche die Agrarwirtschaft auf dem Weg zu mehr Biodiversitätsschutz beschreiten sollen, sorgen in der Branche bekanntlich für wenig Freude: Dazu zählen die Einschränkungen bei Düngung und Pflanzenschutz und, je nach Ausrichtung, auch das Ziel von 25 Prozent Ökolandbau, welches die EU-Kommission in ihren Zukunftsvisionen skizziert.

Bullen am Markt aufgepasst

Bulle Bär Symbolbild

©: image Images / Ikon Images

Auf einem grundsätzlich festen Niveau sind die Agrarbörsen in Paris und Chicago ins neue Jahr gestartet. Die hohen Börsenkurse haben am deutschen Kassamarkt die Preisfantasien der Verkäufer geweckt und bei den Käufern wiederum für vornehme Zurückhaltung gesorgt. Am Dienstag veröffentlicht das US-Agrarministerium USDA den globalen Bericht über das Angebot und die Nachfrage von Getreide- und Ölsaaten, Wasde. Zusätzlich gibt das Ministerium den Stand zur Winteraussaat und den Getreidevorräten in den USA bekannt. Das ist insofern ein bemerkenswerter Termin, als es der letzte Wasde unter der Ägide des scheidenden und zum Abschluss seiner Amtszeit zunehmend umstrittenen Präsident Donald Trump ist. Da sich dessen Einfluss auf Marktdaten glücklicherweise in Grenzen gehalten hat, ist aber viel entscheidender, was die Agrarmärkte aus dem Zahlenmaterial machen: Bekommt der Bär zur Ausnahme Futter – oder bleibt es ein Bullenmarkt? Aktuell werden die Getreide- und Ölsaatenpreise von der Trockenheit in Südamerika, Ausfuhrbeschränkungen für Mais in Argentinien sowie die Nachfrage Chinas in die Höhe getrieben. Marktbeobachter warnen allerdings, dass spekulativ orientierte Anleger das hohe Preisniveau vor den USDA-Daten nutzen könnten, um Kasse zu machen und Gewinnmitnahmen zu realisieren.

Digitale Amtschefkonferenz

Nach Bundesagrarministerin Julia Klöckner, dem Deutschen Bauernverband und dem Europaparlament lassen sich auch die Agrarminister der Länder nicht lumpen und kommen am Donnerstag zu ihrer, natürlich virtuellen, Amtschefkonferenz und somit ihrem ersten Treffen im neuen Jahr zusammen. Dabei wird es um die nationale Umsetzung der Reform der EU-Agrarpolitik gehen. Kritische Punkte hierbei: Wie viel Flächenstilllegung wird es in den Instrumenten der künftigen Agrarumweltpolitik, der Grünen Architektur, geben? Was passiert auf nationaler Ebene mit der Umsetzung der Kappung der Direktzahlungen? Und wie wird Deutschland die neuen Agrarumweltmaßnahmen, die „Eco-Schemes“, in der ersten Säule ausgestalten? Nachdem alle Länder mittlerweile die Länderdüngeverordnungen präsentiert haben, wird auch dieses leidige Thema besprochen. Aus Sicht der Landwirte immerhin ein Lichtblick: Die roten Gebiete sind nach der Neuausweisung geschrumpft. Und natürlich wird die Afrikanische Schweinepest (ASP) mit mittlerweile mehr als 400 Fällen hierzulande die Aufmerksamkeit der Ministerinnen und Minister fordern.




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