logo

az-Wochenstart: Was wichtig wird・ 22. Februar 2021





Die Top Themen: Neuer alter US-Agrarminister, UTP-Richtlinie im Bundestag, Bayer und BASF bilanzieren

az-Wochenstart: Was Wichtig Wird

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Stefanie Pionke, Chefredakteurin der agrarzeitung (az).  Stefanie Pionke

©: Foto: Privat



Tom Vilsack wird alter neuer US-Agrarminister, die UTP-Richtlinie sorgt für Gesprächsstoff im Bundestag. Überschattet von mehreren unerfreulichen Glyphosat-Nachrichten, legt Bayer seine Jahresbilanz vor. Auch der andere Agrarchemie-Gigant BASF bekennt Farbe fürs abgelaufene Geschäftsjahr.

Neuer alter Agrarminister

Tom Vilsack Anhörung Senat

©: Screenshot az

Am Dienstag gibt es ein Comeback auf der internationalen, agrarpolitischen Bühne: Tom Vilsack, bereits unter Ex-Präsident Barack Obama Agrarminister, wird nach einer Anhörung im US-Senat erneut Ressortchef im US-Agrarministerium (USDA) werden. Er löst Sonny Perdue ab, der unter Trump US-Agrarminister war. Die Anhörung im Senat gilt dabei als Formsache. US-Agrarmedien gehen davon aus, dass diese für Vilsack geschmeidig laufen wird. Schon vorher konnte er im Agrarausschuss des Senats überzeugen, berichtet South East AgNet Radio.
Zu den Prioritäten seiner Amtszeit zählt er den Klimaschutz, ein Punkt auf der politischen Agenda, der unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden quasi erst auflebt. Ex-Präsident Donald Trump hat dem Klimaschutz dagegen wenig Priorität eingeräumt. Zudem kündigte Vilsack an, sich gegen Rassismus stark zu machen und sein Team so divers wie möglich aufzustellen – auch das wäre wahrscheinlich unter Präsident Trump auf wenig Gegenliebe gestoßen.

UTP-Richtlinie im Bundesrat

Preis Supermarkt

©: Foto: Imago / MiS

Am Mittwoch ist die Umsetzung der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken entlang der Wertschöpfungskette Lebensmittel, kurz UTP-Richtlinie, Gegenstand einer Anhörung im Bundestag. Ein Politikum, das es in sich hat. Bauern demonstrieren gegen niedrige Lebensmittelpreise im Supermarkt. Der Bundesrat forderte zudem eine Nachbesserung in der nationalen Umsetzung. Einige „graue Liste“-Gebote sollen demnach auf die Liste der „schwarze Liste“-Verbote wandern. So sollen Lebensmitteleinzelhändler nach Vorstellung der Länderkammer nicht mehr unverkaufte, verderbliche Ware an den Lieferanten zurückschicken dürfen, ohne diese zu bezahlen. Laut dem Entwurf des Bundesagrarministeriums zur UTP-Umsetzung soll das gemäß grauer Liste erlaubt sein, wenn beide Vertragspartner zustimmen. Fragt sich nur, ob eine Molkerei oder ein Landwirt seine Zustimmung überhaupt versagen kann in Verhandlungen mit dem mächtigen LEH.

Bilanz im Schatten von Glyphosat

Bayer

©: Foto: Bayer

Nachdem der Bayer-Konzern bei Vorstellung der Zahlen zum dritten Geschäftsquartal 2020 im November noch einen Ebit-Verlust in Höhe von mehr als 9 Mrd. € gemeldet hat, steht an diesem Donnerstag die Veröffentlichung der Bilanz für das gesamte Geschäftsjahr an. Die Aufmerksamkeit der Investoren und Finanzjournalisten dürfte entsprechend hoch sein. Auch, weil das Thema Glyphosat-Klagen wieder auf der Agenda auftaucht: Laut Berichten von Anfang Februar stehen die Zeichen zwar gut, dass Bayer sich mit den Sammelklägern gegen gesundheitliche Schäden im Zusammenhang mit Glyphosat außergerichtlich einigen wird. Auch wenn das ein teurer Spaß ist, würde in der Sache damit allmählich Ruhe einkehren. Nicht zuletzt waren hohe Rückstellungen im Zusammenhang mit Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten Ursache für das schlechte Quartalsergebnis.
Doch auch in Deutschland droht Ungemach in Sachen Glyphosat: Finanzinvestoren verklagten Bayer Ende Januar vor dem Landgericht Köln auf Schadenersatz in Millionenhöhe. Sie werfen dem Konzern vor, das Klagerisiko vor der Monsanto-Übernahme 2018 unterschätzt und Aktionäre somit nicht angemessen gewarnt zu haben. Last but not least, will die Bundesregierung noch vor Ende der Legislaturperiode die Novelle der Pflanzenschutzanwendungsverordnung auf den Weg bringen, die Wiederum das Aus von Glyphosat ab 2024 besiegelt. Immerhin konnte Bayer auch noch eine zukunftsweisende, positive Botschaft platzieren in den vergangenen Wochen: Eine Kooperation mit dem Landtechnikanbieter Horsch in Sachen Smart Farming. Grob vereinfacht, können dabei Horsch-Maschinen mit dem Smart-Farming-Portal Climate Field View von Bayer verbunden werden.

BASF legt Zahlen vor

BASF Fahnen

©: Foto:BASF

Am Freitag, einen Tag nach Bayer, legt auch BASF die Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 offen. Die Ludwigshafener schleppen keine vergleichbare Last wie Bayer mit Glyphosat mit sich herum. Doch die Vorlage im 3. Geschäftsquartal war auch hier nicht brillant. Als Ebit vor Sondereinflüssen wies  BASF für das Agrargeschäft im 3. Quartal 2020 Ende Oktober lediglich 26 Mio. € aus – das war etwa ein Drittel des Vergleichswertes im Vorjahresquartal. Höhere Umsätze in der Agrarsparte wurden durch negative Währungseffekte ein Stück weit ausgebremst. Wie Bayer setzt auch BASF auf Smart-Farming-Kooperation. Ein Joint-Venture mit Bosch soll entstehen. Bosch bringt in das Joint Venture Hard- und Software sowie digitale Dienstleistungen ein. BASF Digital Farming bietet mit dem Farmmangementsystem Xarvio Digital Farming Solutions eine automatisierte, feldzonenspezifische, agronomische Entscheidungshilfe für das Unkrautmanagement. Fun Fact am Rande: Xarvio musste Bayer im Zuge der Monsanto-Übernahme veräußern, das hatten die Kartellwächter entschieden. Der lachende Dritte war BASF.




agrarzeitung

Verantwortlich für den Inhalt ist
die Redaktion von agrarzeitung.de
Anregungen & Kommentare an redaktion@agrarzeitung.de

Copyright
© Deutscher Fachverlag GmbH
Mainzer Landstraße 251
60326 Frankfurt am Main

Geschäftsführung
Peter Esser (Sprecher), Sönke Reimers (Sprecher), Thomas Berner, Markus Gotta

Aufsichtsrat
Andreas Lorch, Catrin Lorch, Peter Ruß, Angela Wisken

Registergericht
AG Frankfurt am Main, HRB 8501

UStIdNr. DE 114139662