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Technik Talk・ 25. Mai 2021


Dieter Dänzer

© Dieter Dänzer


Gewaltige Umsatz- und Gewinnsteigerungen bei den Landtechnikherstellern

Sind die Quartalsergebnisse trügerisch?

Liebe Leserinnen und Leser,

dieser Tage trudeln der Reihe nach die Quartalsberichte der Landtechnikhersteller ein. Im letzten Technik Talk hatte ich schon den glänzenden Start ins Jahr 2021 von Agco und CNH Industrial thematisiert. Der Mutterkonzern von Fendt, Massey Ferguson und Valtra konnte seinen Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartalende 31. März um 23,4 Prozent auf rund 2,4 Milliarden US-Dollar steigern. Der bereinigte Nettogewinn ohne Restrukturierungskosten belief sich auf 2,00 US-Dollar je Aktie. Er konnte damit im Vergleich zum bereinigten Nettogewinn von 0,86 US-Dollar je Aktie für das erste Quartal 2020 um rund 133 Prozent gesteigert werden.

Sogar noch besser als Agco gestartet war CNH Industrial, der Konzern hinter den Marken Case IH, New Holland und Steyr. Im Vergleich zum Vorjahresquartalsende 31. März vermeldete das Unternehmen eine Umsatzsteigerung von 37 Prozent auf 7,5 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn wurde mit 425 Millionen US-Dollar angegeben, nach einem Verlust von 54 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2020. Die Agrarsparte steuerte 3,04 Milliarden US-Dollar (plus 35,4 Prozent) zum Umsatz und 399 Millionen US-Dollar (plus 375 Millionen US-Dollar) zum Ebit bei – was einer Rendite dieser Sparte von 13 Prozent entspricht!

John Deere schießt den Vogel ab

Deere & Company hat zum Ende des zweiten Quartals des laufenden Geschäftsjahres (2. Mai 2021) einen Nettogewinn von 1,79 Milliarden US-Dollar, respektive 5,68 US-Dollar je Aktie vermeldet. Im zweiten Quartal des Vorjahres lag der Nettogewinn bei 666 Millionen US-Dollar (2,11 US-Dollar je Aktie).

Die Umsätze und Erlöse konnten im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2021 um 30 Prozent auf 12,058 Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Bezogen auf die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres konnte John Deere beim Umsatz um 25 Prozent auf 21,170 Milliarden US-Dollar zulegen.

Kubota macht CNH die Position als zweitgrößter Landtechnikhersteller streitig

Das erste Quartal des japanischen Konzerns endete wie bei Agco und CNH am 31. März. Zu dem Gesamtumsatz von 4,944 Milliarden US-Dollar (plus 22,3 Prozent) trug die Sparte „Landtechnik und Motoren“ 3,099 Milliarden US-Dollar (plus 26,2 Prozent) bei. Ob Kubota damit CNH als zweitgrößten Landtechnikhersteller abgelöst hat, ist fraglich. Schließlich weist CNH den Umsatz seiner Motorensparte FPT Industrial separat aus. Dieser lag im ersten Quartal nach einer Umsatzsteigerung von 63,9 Prozent zum Vorjahr bei 1,234 Milliarden US-Dollar.

Wenn es um den Gewinn geht, steht Kubota mit den für das erste Quartal ausgewiesenen 714,6 Millionen US-Dollar (plus 155,2 Prozent) jedoch ganz klar vor CNH auf Platz zwei. Dies gilt im Übrigen auch für die Rendite von 14,5 Prozent im ersten Quartal. Zu den etwas über 20 Prozent, die John Deere für die Sparte „Production and Precision Ag“ ausweist, ist es allerdings noch ein gewaltiger Sprung. Zu den rund 17 Prozent der Sparte „Small Ag and Turf“ von John Deere kann Kubota dagegen schon „hinschmecken“.  

Preissteigerungen sowie Lieferengpässe im Zulieferbereich könnten alle Prognosen der Hersteller noch kassieren!

Beispielsweise sagt Deere & Company für das am 31. Oktober endende, komplette Geschäftsjahr 2021 einen Nettogewinn von 5,3 bis 5,7 Milliarden US-Dollar vorher – und dies, obwohl CEO John May sich sehr wohl der völlig überhitzten Zulieferbranche bewusst ist: „Wir erwarten für das weitere Geschäftsjahr einen erhöhten Druck im Zulieferbereich.“ Man arbeite jedoch eng mit den wichtigsten Lieferanten zusammen, um die Verfügbarkeit von Teilen und Komponenten sicherzustellen.

Sein Optimismus in allen Ehren, die Verantwortlichen der meisten anderen Landtechnikhersteller, mit denen ich Kontakt hatte, sehen die nächsten Monate mit Blick auf die Rendite durchaus kritisch. Anbetracht der explodierenden Rohstoffpreise bei den Metallen, aber auch den Reifen oder den Microchips habe man zwar teils schon mehrfach in den letzten Monaten die Abverkaufspreise der eigenen Maschinen- und Komponenten angehoben, aber die Lieferverzögerungen würden das Antizipieren meist wieder konterkarieren. Und irgendwann sei für die Landwirte und Lohnunternehmer das Ende der Fahnenstange erreicht, was die steigenden Maschinenpreise betreffe – trotz der sehr guten Investitionsgrundstimmung durch die weltweite Getreiderally!

Abschließend möchte ich deshalb den möglicherweise allzu euphorischen Herstellern eine Binsenweisheit der Branche ins Bewusstsein rufen: „Nach fest kommt ab, sprich wer eine Schraube zu stark anzieht, bei dem besteht die Gefahr, dass sie abreißt!“ Das zu strikte Festhalten an den eigenen Renditezielen könnte am Ende zum Bumerang werden.

Ihr
Dieter Dänzer




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