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Technik Talk・ 09. Juli 2021


Dieter Dänzer

© Dieter Dänzer


John Deere setzt auf 5G-Lizenzen für IoT in den USA

Fendt wird in Amerika als Wettbewerber wahrgenommen

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist kein Geheimnis, dass AGCO in Nordamerika bislang keine größere Rolle spielte, wenn es um Traktoren ging. Wer schon das Vergnügen hatte quer durch die USA – im speziellen durch den Cornbelt – zu reisen, weiß von der nicht nur augenscheinlichen Dominanz von John Deere im Heimatmarkt zu erzählen. Mindestens jeder zweite Großtraktor, den man auf den Feldern zu sehen bekommt, ist ein Grüner mit gelben Felgen. Rund ein Drittel dürfte auf die roten Case IH entfallen. Ab und an entdeckt man auch noch Großtraktoren von New Holland oder Versatile. Geht es um Kleintraktoren, sieht die Wettbewerbssituation mittlerweile anders aus. Kubota hat im Drei- und Vierzylinder-Segment schon vor Jahren John Deere das Fürchten gelehrt.

„Wie viel Angst hat John Deere vor den wachsenden US-Marktanteilen von Fendt?“

Jetzt scheint Fendt im Großtraktoren-Segment für John Deere zur wachsenden Bedrohung zu werden. Zumindest hatte die renommierte „Farm Equipment“ erst vor kurzem einen Beitrag mit der Überschrift verbreitet: „Wie viel Angst hat John Deere vor den wachsenden US-Marktanteilen von Fendt?“

Nicht zuletzt auch mit den Erinnerungen im Kopf, dass diverse Führungskräfte von AGCO über all die Jahre hinweg immer von Nordamerika als Nischenmarkt für die Marken Fendt und Valtra gesprochen haben, lässt sicherlich nicht nur mich so eine Schlagzeile schon aufmerken. Wobei Martin Richenhagen Ende 2020 vor seinem altersbedingten Rückzug als CEO, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender im Fazit seiner 16-jährigen Amtszeit den amerikanischen Analysten in den Block diktierte, dass AGCO in diesem Zeitraum rund eine Milliarde US-Dollar in Fendt-Werke und -Produkte investiert habe. So verwies er unter anderem auf die 300-Millionen-Dollar-Investition in die im Jahr 2012 eingeweihte neue Traktorenfabrik in Marktoberdorf mit einer Kapazität von bis zu 30.000 Einheiten. Auch wenn für 2021 ein Ausstoß von deutlich über 20.000 Einheiten geplant sei, biete das Werk noch genügend Wachstumspotenzial, ohne zusätzlich groß investieren zu müssen. Den Sprung über den großen Teich auf den nordamerikanischen Kontinent habe man jedenfalls von langer Hand geplant. Ein Ergebnis der geleisteten akribischen Arbeit sei beispielsweise die Verdoppelung der Fendt-Händler allein von 2018 auf 2019.

Der Journalistenkollege Ben Thorpe von „Farm Equipment“ bewertet im Übrigen die Entscheidung von Richenhagens Nachfolger Eric Hansotia im Frühjahr, die Marke Challenger bei den AGCO-Händlern auf ein "Nur-Einzelhandelsmodell" umzustellen, als eindeutigen, cleveren Schachzug, um den Absatz der Produkte der Marke Fendt zu forcieren. Wenn die Vertriebspartner keine Maschinen der Marke Challenger mehr auf ihren Höfen stehen hätten, da alle Verkäufe direkt ab Werk erfolgten, sei „die Start- und Landebahn für Fendt frei, um in den USA noch besser ins Fliegen zu kommen.“

Dass Fendt mittlerweile selbst seitens John Deere als ernstzunehmender Wettbewerber auf dem US-Markt angesehen werde und man sich durch den Fortschritt von Fendt bedroht fühle, zeige laut einem Beitrag von „Ag Equipment Intelligence“ (AEI), das Aussetzen von Ankaufprämien speziell bei Inzahlungnahme von Fendt-Traktoren an die eigenen Händler. Die Rede sei von Beträgen in Höhe von bis zu 25.000 US-Dollar: „Die Fendt-Traktoren haben eine ausreichende Marktakzeptanz gezeigt und das Kundeninteresse ist John Deere so weit unter die Haut gegangen, dass sie den Händlern diese Anreize bieten, um den Verkaufsfortschritt von Fendt auf dem nordamerikanischen Markt zu vereiteln.“

Zitiert wird in dem Beitrag von Farm Equipment“ im Übrigen Andy Campbell – Marketing Director von „Iron Comps“ – der Auktionsdaten analysierte und feststellte: "Obwohl Fendt bei den Auktionen ein viel geringeres Handelsvolumen hat als John Deere, würde ich sagen, dass sie im Durchschnitt gleich, wenn nicht sogar etwas höher bewertet sind, wenn man Stunden und PS vergleicht. Wenn man bedenkt, dass Fendt ein viel kleinerer Player auf dem Ackerschleppermarkt ist, überrascht, dass sich die Wiederverkaufswerte, verglichen mit denen für John Deere Traktoren, so konkurrenzfähig zeigen. Für die stabilsten Gebrauchtmaschinenpreise steht ja bekanntlich John Deere."

Ben Thorpe´s Fazit: „Obwohl es noch einige Zeit dauern dürfte, bis Fendt mit John Deere auf Augenhöhe kommt, ist es doch bemerkenswert, dass Fendt mit einem so kleinen Marktanteil im Vergleich zu Deere erfolgreich genug zu sein scheint, um Deeres Aufmerksamkeit zu erregen, oder besser gesagt, deren Wettbewerbsgeist zu wecken. Nur die Zeit wird zeigen, ob es Fendt gelingen kann, genügend Marktanteile zu erobern, um Deeres Thron ernsthaft zu bedrohen.“

Ich selbst würde mich noch nicht so weit aus dem Fenster lehnen wie mein amerikanischer Journalistenkollege. Man muss sich nur vor Augen führen, wie erfolgreich John Deere unterwegs ist. Der Konzern kann jährlich ein Vielfaches in die Entwicklung neuer Produkte und Services sowie in die Modernisierung der Fabriken investieren. Ein Beispiel dafür:

John Deere erwirbt 5G-Lizenzen für die eigenen Produktionsstätten

John Deere hat im November letzten Jahres auf einer Auktion der US-amerikanischen Federal Communications Commission (FCC) für das 3,5-GHz-Spektrum des Citizens Broadband Radio Service (CBRS) 5G-Lizenzen in fünf Landkreisen in den Staaten Iowa und Illinois erworben.

„Die Implementierung von 5G in unseren Produktionsstätten ermöglicht es John Deere, bedeutende Fortschritte in unserer Smart Industrial-Strategie zu erzielen, indem Fabriken in intelligente und vernetzte Produktionsstätten umgewandelt werden – ein wichtiger Bestandteil des industriellen IoT,“ betont Jahmy Hindman, Chief Technology Officer.

Die private 5G-Technologie biete die Möglichkeit, die Fabrikkapazitäten durch Nutzung von Edge-Computing, Analytik und autonome Geräte zu erweitern, und ermögliche eine größere Anzahl intelligenter Anwendungen wie Echtzeit-Ortungssysteme, Asset-Tracking, Bestandsverwaltung, Wearables, Gebäudeautomation und Robotik für Betriebskosteneinsparungen. Der Rollout soll im Geschäftsjahr 2022 erfolgen.

Die FCC plant im Übrigen, neun Milliarden US-Dollar für den Ausbau von 5G in ländlichen Gebieten bereitzustellen.

John Deere glaubt, dass ländliches 5G dazu beitragen könnte, die Welt zu ernähren

Bereits im Jahr 2019 veröffentlichte das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) einen Bericht, in dem festgestellt wurde, dass „viele Technologien in der Landwirtschaft sich heute in einem frühen Stadium der Einführung befinden – was auf größere potenzielle wirtschaftliche Vorteile durch einen verbesserten Zugang zu Konnektivität zur Unterstützung dieser neuen Anwendungen hindeutet“. In diesem Bericht wird geschätzt, dass die Ausschöpfung des vollen Potenzials digitaler Technologien „einen zusätzlichen Bruttonutzen von etwa 47 bis 65 Milliarden US-Dollar pro Jahr für die US-Wirtschaft schaffen könnte. Mit anderen Worten, wenn eine Breitband-Internet-Infrastruktur, digitale Technologien in großem Maßstab und On-Farm-Fähigkeiten auf einem Niveau verfügbar wären, das der geschätzten Nachfrage der Produzenten entspricht, könnten die USA einen wirtschaftlichen Nutzen in Höhe von fast 18 Prozent der Gesamtproduktion erzielen, basierend auf dem Niveau von 2017.“

Nancy Post, Direktorin der Intelligent Solutions Group bei John Deere, betonte dem amerikanischen Fachmagazin „Fierce“ gegenüber, dass die Konnektivität seit mindestens 20 Jahren ein wesentlicher Bestandteil der Landwirtschaft sei. „Heutzutage hat ein aus einem Traktor mit einer 24-reihigen Einzelkorndrille bestehendes Fahrzeuggespann, 300 Sensoren und etwa 140 Controller an Bord. Aktuell werden von landwirtschaftlichen Geräten mittels der vorhandenen 3G- und 4G-Verbindungen pro Sekunde zwischen 5 und 15 Millionen Sensormessungen an das Farmmanagement-Dashboard des John Deere Operations Center gesendet, das in der Cloud von Amazon Web Services gehostet werde,“ führt Post aus. Sie erklärte außerdem, dass die von diesen Maschinen gesammelten Daten entscheidend seien, um mehr aus den endlichen Ackerflächen zu ernten.

„Die Bevölkerung wächst und sie wächst ziemlich schnell. Wenn die Bevölkerung wächst, brauchen wir natürlich mehr Futter, um Tiere zu ernähren, und mehr Feldfrüchte, um die Menschen zu ernähren. Und deshalb versuchen wir sicherzustellen, dass wir dem voraus bleiben und keine Ernteknappheit haben“, sagte sie. „Wir konzentrieren uns darauf, den Input zu reduzieren und mit der gleichen Fläche mehr Output zu produzieren.“

Post betont, dass das Potenzial von Farmsensoren derzeit durch Netzabdeckungsbeschränkungen behindert wird. Heutzutage werde ein Großteil der Daten an Bord des Fahrzeugs gesammelt und gespeichert, bis es eine Konnektivitätszone erreicht, um diese Informationen in die Cloud zu übertragen. Eine breitere, schnellere Verbindung – beispielsweise über 5G – könnte jedoch eine Maschine-zu-Maschine-Kommunikation ermöglichen. „Wenn man sich auf etwas verlassen kann, dann kann man mit der Planung beginnen und Optimierungen anstreben, an die man heute noch gar nicht zu denken vermag.“

Abschließend bleibt festzuhalten, dass nicht nur wir in Deutschland unsere Probleme mit der Netzabdeckung haben. Diese ist jedoch die Grundvoraussetzung dafür, dass die digitalen Services ihre volle Kraft entfalten können und die Anwender diese im übertragenen Sinne auf den Boden zu bringen vermögen.  

Ihr
Dieter Dänzer

 

 




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