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Technik Talk・ 07. September 2021


Dieter Dänzer

© Dieter Dänzer


Landtechnik Statusbericht Herbst 2021

Erste Eintrübungen am bislang wolkenfreien Konjunkturhimmel

Liebe Leserinnen und Leser,

die Quartals-, Sechsmonats- und Jahres-Geschäftsberichte von nahezu allen Unternehmen der Agrarbranche strotzen nur so vor Begriffen wie Rekordumsatz, Rekordwachstum oder Rekordgewinn. Nachfolgend zitiere ich beispielhaft dafür die Pressemeldungen des Chemiekonzerns Syngenta, der Molkereigenossenschaft Arla, den Landtechnik-Herstellern John Deere, Kubota, Claas, Horsch, Pöttinger und Lemken sowie dem weltweit größten CNH-Landtechnik-Vertriebspartner Titan Machinery.

Alle diese Unternehmen schwimmen von Quartal zu Quartal auf einer sagenhaften Erfolgswelle, wie sie mir bislang so noch nicht untergekommen ist. Alle weisen Umsatz- und Gewinnsteigerungen aus, alle investieren in fast auf „Teufel-komm-raus“-Manie in neue Produktions-, Logistik-, Vertriebs- oder Schulungsstandorte irgendwo auf diesem Globus. Was man dagegen allenfalls in den Geschäftsausblicken zu lesen bekommt – und selbst dort nur sehr verklausuliert formuliert – sind die Ängste davor, wie stark wohl das eigene Unternehmen von den Versorgungsengpässen der Zulieferer sowie den weltweiten Logistikproblemen betroffen sein wird.

Ersatzteilläger laufen leer!

Dass der gesamte Maschinenbau nicht nur in Deutschland durch die katastrophale Versorgungssituation mit Komponenten seit Monaten in Mitleidenschaft gezogen wird, kann man fast täglich nicht nur in den Wirtschaftsspalten der Tageszeitungen lesen. So titelte beispielsweise die Bild dieser Tage: „Ford-Drama geht wegen Chip-Mangel weiter – Bis Ende September stehen die Bänder still – Kurzarbeit auch im Motorenwerk“. Nachdem die Bänder schon bis Mitte August fast dreieinhalb Monate stillgestanden hätten, konnten die Mitarbeiter wieder zurück an ihre Arbeitsplätze – allerdings nur für eine Woche!

Wie im Beitrag von mir in der agrarzeitung über die Fendt-Pressekonferenz im Juli zu lesen, verwies dort Christoph Gröblinghoff, AGCO Vice President und Managing Director Fendt, auf die schwierige Situation, ausgelöst durch die Probleme mit den internationalen Lieferketten: „Nun sind wir schon im 17. Monat der Corona-Pandemie und keiner von uns hat damit gerechnet, was uns bis hierhin widerfahren ist. Die Volkswirtschaft ist aus dem Tritt geraten.“ Obwohl ihn fast jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft erreiche, dass dieser oder jener Lieferant mit Teilen aus Metall oder Kunststoff, aber auch Elektronikkomponenten in Verzug geraten sei, hätten bislang fast alle Bau-Slots bei den Traktoren gehalten werden können. Dank einer sehr intelligenten Montagesteuerung sei dennoch mit einer Steigerung der Produktion auf über 20.000 Traktoren für dieses Jahr zu rechnen.

Mittlerweile wird jedoch hinter vorgehaltener Hand erzählt, dass diese Zielerreichung mittlerweile in das Tal der Träume gehöre, da sich die Zulieferprobleme noch wesentlich verschärft hätten. Keiner meiner Gesprächspartner der letzten Wochen, die von leerlaufenden Ersatzteillägern berichteten und sogar ihren Sorgen Ausdruck verliehen, dass die Vertriebspartner nicht mehr mit den angeforderten Ersatzteilen beliefert werden können, um die Bestandsmaschinen der Kunden am Laufen zu halten, wollte namentlich zitiert werden!

CEMA-Geschäftsklimaindex ist rückläufig – 31 % der Unternehmen erwarten in den nächsten Monaten Produktionsstopps wegen fehlender Teile

Der allgemeine Geschäftsklimaindex für die Landmaschinenindustrie in Europa dürfte im Mai/Juni den höchsten Wert seit 2008 überschritten zu haben. Im August ist der Index den zweiten Monat in Folge auf 65 Punkte gesunken; wobei das aktuelle Auftragsvolumen mit einer Produktionsdauer von 4,7 Monaten der höchste Wert sei, der jemals in dieser Umfrage verzeichnet worden ist.

So zeige der Blick auf die europäischen Märkte, dass die Mehrheit der Umfrageteilnehmer in den nächsten sechs Monaten mit Umsatzsteigerungen rechne. Italien stehe weiterhin unangefochten an der Spitze des europäischen Marktrankings. Für Polen, Deutschland und Frankreich seien die Erwartungen ebenfalls positiv, allerdings mit eher gemischten Aussichten. Österreich wäre nach wie vor ein sehr starker Markt, könnte aber den Höhepunkt seines Wachstums bereits erreicht haben.

Fakt ist im Übrigen, dass wie einleitend angeführt, die Unternehmen nahezu durchweg Erfolgsmeldungen verlautbaren.

Syngenta Group gibt für das erste Halbjahr 2021 ein Umsatzwachstum von 24 Prozent bekannt

Der Konzernumsatz sei auf 14,4 Mrd. US-$ gestiegen. Selbst währungsbereinigt bleibe nach den Berechnungen der Agrarchemie- und Saatgutgruppe ein beachtlicher Umsatzanstieg von 18 Prozent übrig. Besonders in China habe der Konzern besonders deutlich wachsen können. Syngenta verweist auf diesbezüglich auf den großen Erfolg der „Modern Agriculture Platform“, kurz MAP, die chinesischen Landwirten Zugang zu innovativen Technologien wie etwa Drohneneinsätze ermögliche. Allein mit solchen Dienstleistungen habe Syngenta in China im ersten Halbjahr 2021 mehr als 0,9 Mrd. US-$ Umsatz erzielt, das war dreimal so viel wie vor einem Jahr. Auch in anderen Regionen setzt Syngenta auf den Ausbau der digitalen Dienstleistungen.

Molkereigenossenschaft Arla kann Markengeschäft im Lebensmittelhandel spürbar ausbauen

Der Gesamtumsatz der Arla-Gruppe stieg im ersten Halbjahr 2021 um 1,2 Prozent auf 5,44 Mrd. Euro. Dies sei vor allem auf ein anhaltend hohes mengenbasiertes Umsatzwachstum bei den Arla-Markenprodukten von 5,6 Prozent über alle Molkereikategorien hinweg zurückzuführen, insbesondere im Einzelhandel. Arla habe seinen Genossenschaftsmitgliedern einen wettbewerbsfähigen Milchpreis mit Erhöhungen in vier aufeinanderfolgenden Monaten gezahlt.

Der durchschnittliche Arla-Milchpreis für ausschließlich konventionelle Milch habe in Deutschland im ersten Halbjahr bei 35,11 Eurocent pro Kilogramm Milch gelegen. Allerdings sähen sich viele Arla Landwirte "mit deutlich steigenden Produktionskosten konfrontiert, da die weltweiten Preise für Kraftstoff, Energie und insbesondere Futtermittel steigen".

John Deere – der US-Landtechnikkonzern verdoppelt seinen Nettogewinn

Deere & Company mit Sitz in Moline/Illinois verzeichnet im 3. Quartal – das laufende Geschäftsjahr endet am 31. Oktober – einen Nettogewinn von etwa 1,7 Mrd. US-$. Im Vorjahr belief sich dieser Wert auf 811 Mio. US-$. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres gibt der Konzern einen Nettogewinn von knapp 4,7 (Vorjahr: 2,0) Mrd. US-$ bekannt. Die weltweiten Umsatzerlöse und Erträge sind im 3. Quartal um 29 Prozent auf 11,5 Mrd. US-$ geklettert, in den ersten neun Monaten um 27 Prozent auf 32,7 Mrd. US-$. Die Maschinenumsätze lagen bei 10,4 (7,9) Mrd. US-$ für das Quartal und 29,5 (22,6) Mrd. US-$ für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres. 

Für das Geschäftsjahr 2021 insgesamt erwartet der Konzern nun einen Nettogewinn in Höhe von 5,7 bis 5,9 Mrd. US-$. Im Mai, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen, wurden 5,3 bis 5,7 Mrd. US-$ in Aussicht gestellt. Im vorigen Jahr standen insgesamt 2,8 Mrd. US-$ Nettogewinn in den Büchern. Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr prognostiziert der Konzern, dass die Geschäfte in Nordamerika mit großen Landmaschinen um etwa 25 Prozent zulegen werden. In Europa dürften die Umsätze mit Landtechnik sowie Maschinen für die Rasen- und Grundstückspflege um 10 bis 15 Prozent zulegen. In Südamerika rechnen die Hersteller bei Traktoren und Mähdreschern mit etwa 20 Prozent höheren Umsätzen. „Deutlich steigend“ sollen sie in Asien sein.

Kubota meldet Umsatzplus von 24,6 Prozent

In den sechs Monaten 2021 stieg der Umsatz der Kubota Corporation und ihrer Tochtergesellschaften gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,9 Mrd. US-$ (+24,6 %) auf 10 Mrd. US-$. Der Betriebsgewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 600 Mio. US-$ (+80,7 %) auf 1,3 Mrd. US-$, hauptsächlich aufgrund erheblich gestiegener Umsätze auf den Inlands- und Überseemärkten und verbesserten Wechselkursen, während einige negative Auswirkungen durch gestiegene Fixkosten zu verzeichnen waren und steigende Materialpreise. Der Gewinn vor Ertragsteuern stieg aufgrund des gestiegenen Betriebsgewinns gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 590 Mio. US-$ (+77 %).

Das Unternehmen hat seine Umsatzprognosen für das am 31. Dezember 2021 endende Jahr auf 19,4 Mrd. US-$ nach oben korrigiert, eine Erhöhung um 900 Mio. US-$ gegenüber den vorherigen Prognosen, die am 15. Februar 2021 bekannt gegeben wurden. Den Betriebsgewinn hat man auf 2,4 Mrd. US-$ erhöht – eine Steigerung von 360 Mio. US-$ gegenüber den vorherigen Prognosen. Wenn sich die Situation mit Covid-19 verschlimmere, bestünde jedoch die Möglichkeit, dass sich die Ertragslage des Unternehmens verschlechtere. Derartige Auswirkungen seien in den Prognosen nicht enthalten, da Annahmen zu diesem Zeitpunkt schwierig wären.

Horsch schwimmt auf Erfolgswelle – Umsatzverdoppelung innerhalb der letzten fünf Jahre

Anlässlich einer Pressekonferenz am 31. August 2021 am Stammsitz in Schwandorf verwies das Unternehmen HORSCH darauf, dass der 2020er-Umsatz von 493 Mio. € eine Steigerung von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr und eine Verdoppelung im Fünf-Jahres-Vergleich sei. Was den Forecast für das laufende Geschäftsjahr betreffe, so würden momentan noch alle Vorzeichen auf eine weitere deutliche Umsatzsteigerung hinweisen. Die Erklärung für diese insgesamt sehr positive Entwicklung sei zum einen, dass man die Maschinen für die Anforderungen aus den verschiedenen Märkten akribisch angepasst habe. Zum anderen antizipiere man was die Investitionen betreffe. Um weiteres Umsatzwachstum aggregieren zu können, sei geplant bis 2023 bis zu 100 Mio. € in neue Produktionsstandorte aber auch Logistikoptimierungen zu investieren.

Pöttinger knackt im Jubiläumsjahr mit neuem Umsatzrekord die 400-Mio.-Marke

Das österreichische Familienunternehmen Pöttinger hat ein weiteres Erfolgskapitel in seiner 150-jährigen Firmengeschichte geschrieben: Im Geschäftsjahr 2020/2021 überschreitet Pöttinger mit 405 Mio. € erstmals die 400-Mio.-Marke – eine Umsatzsteigerung von 11 Prozent. Bei 88 Prozent Exportquote sei der Internationalisierungsgrad des Landtechnikherstellers auf gleich hohem Niveau geblieben. Mit 69 Prozent Anteil am Maschinenumsatz seien die Grünlandgeräte der Haupt-Umsatzträger. Der Bereich Ackerbau mit Bodenbearbeitung und Sätechnik habe einen Anteil von 31 Prozent vom gesamten Maschinenverkauf erzielt. Erfreulich positiv habe sich im Übrigen der Geschäftsbereich „Original-Ersatzteile“ weiterentwickeln - mit einem Plus von rund 8 Prozent.

Titan Machinery meldet im Vergleich zum Vorjahr um 24,4 % gestiegene Gewinne für 2Q22

Ebenfalls auf ein vom Kalenderjahr abweichendes Geschäftsjahr beziehen sich die Werte von Titan. David Meyer, Chairman und Chief Executive Officer: "Die Dynamik der Nachfrage nach Ausrüstungen setzte sich auch im zweiten Geschäftsquartal fort, wobei unsere Maschinenumsätze gegenüber dem Vorjahr um 35 % stiegen.“ Der Konzerngewinn vor Steuern sei im 2. Quartal um 89 % angewachsen.  Im 2. Quartal des Geschäftsjahres 2022 stieg der Umsatz auf 377,6 Mio. US-$, gegenüber 303,5 Mio. US-$ im 2. Quartal des Vorjahres.

Lemken agiert nun mit vollwertiger US-Tochtergesellschaft

Nach knapp 10 Jahren seit dem Start in den USA hat Lemken dort nun Tochtergesellschaft gegründet. Curtis Schaben, der seit dem 1. August 2021 als Managing Director Lemken USA leitet, habe als eine seiner ersten Aufgaben den Aufbau eines neuen Standortes für Lemken USA bis Ende 2021 zu lösen.

Claas eröffnet Akademie in Amerika

Claas of America hat jetzt offiziell die 20.000 Quadratmeter große Claas Academy eröffnet. Sie befindet sich neben dem Hauptsitz und der Produktionsstätte von Claas of America in Omaha und bietet Schulungen vor Ort und virtuelle Schulungen für das Claas-Händlernetz.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie können davon ausgehen, dass die Aufzählung der Geschäftsergebnisse und Unternehmensaktivitäten einer von mir willkürliche Auswahl zugrunde liegt. Worauf ich aber mit diesem Technik Talk besonders hinweisen möchte, ist das Damoklesschwert, welches über der ganzen Landtechnikbranche schwebt. So wie es momentan aussieht, verschärfen sich die Zuliefer- und Logistiksituationen eher als dass sie sich entspannen. Es ist allen Unternehmen unserer Branche nur zu wünschen, dass sie von solch langen Werkschließungen wie in der Automobilbranche verschont bleiben mögen!

Ihr
Dieter Dänzer




Quadtrac

© Foto: Titan Machinery

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© Foto: Claas

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