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Technik Talk・ 14. Januar 2022


Dieter Dänzer

© Dieter Dänzer


Neuer Fokus der Landtechnik-Hersteller

Mit Intelligenz zu Nachhaltigkeit

Liebe Leserinnen und Leser,

ich bin mir ziemlich sicher, dass die wenigsten von Ihnen – wie übrigens ich selbst auch – die CES in Las Vegas auf dem Schirm haben. Es handelt sich schließlich ja auch um keine Landwirtschafts-, respektive Landtechnikmesse, aber immerhin um die weltgrößte Technologiemesse, die als hybride Veranstaltung vom 5. bis  8. Januar 2022 stattfand. Bei der CES heimsen meistens die Elektronik-Hersteller die Awards ein. Anders in diesem Jahr, denn von den über 1.800 eingesendeten Bewerbungen gingen verschiedene Awards an Unternehmen aus der Landtechnik. Was mit dem wichtigsten Thema unserer Zeit zu tun haben dürfte: dem Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft, zu Produkten, die dabei helfen, in einer klimaneutralen Welt wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

So wurde beispielsweise Monarch Tractor in der Kategorie Robotik ein Innovations-Award für den Flaggschiff-Traktor MK-V zugesprochen. Dieser biete als erster eine Konvergenz von Elektrifizierung, Automatisierung und Datenanalyse, die eine nachhaltige Landwirtschaft ermögliche, die Effizienz und Sicherheit erhöhe und die Rentabilität für Landwirte maximiere, so die Jury-Begründung. Anmerken im Zusammenhang mit Monarch Tractor möchte ich im Übrigen noch, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr gleich zweimal für Schlagzeilen sorgen konnte: Im März 2021 mit der Bekanntgabe, dass CNH Industrial mit einer Minderheitsbeteiligung eingestiegen sei. Und im November 2021 mit dem Abschluss einer exklusiven mehrjährigen Technologielizenzvereinbarung zwischen Monarch Tractor und CNH Industrial, in deren Mittelpunkt die Elektrifizierung von Traktoren steht.

Der Award „Best of Innovation“ ging an John Deere. Die prämierte Technologie „See & Spray“ ist wiederum eng verknüpft mit dem Team von Blue River – einem in 2017 für 305 Millionen Dollar übernommen Silicon-Valley-Start-up. Dieses steckt bekanntlich hinter dem dabei zum Einsatz kommenden Deep Learning sowie der Kamera- und Robotik-Technologie, um Pflanzen von Unkraut zu unterscheiden. Nur so wird es möglich, dass Pflanzenschutzmittel möglichst optimal und effizient eingesetzt werden können.

Dass die künstliche Intelligenz vor allem von Start-up-Unternehmen in die Landtechnik-Branche transferiert wird, zeigen nicht zuletzt die zahlreichen Übernahmen seitens der Fullliner. Am Beispiel von Kubota hatte ich dies erst in einem der letzten Technik Talks aufgezeigt. Dabei lässt sich die Aufzählung der Zukäufe aus Platzgründen hier gar nicht unterbringen, momentan läuft beispielsweise die von Appereo Systems, LLC durch AGCO. Die Übernahme soll im Januar 2022 abgeschlossen sein

John Deere präsentiert auf der CES serienreifen autonomen Traktor

Ich hatte letzte Woche die Gelegenheit in einem Exklusiv-Interview für die agrarzeitung den President der Agricultural & Turf Division von John Deere, Markwart von Pentz, zu fragen, wie groß denn die Schnittmenge der Technologien zwischen der Pflanzenschutzspritze und dem auf der CES präsentierten autonomen Traktor sei. Der auf der Baureihe 8R basierende vollständig autonome Traktor soll übrigens noch im laufenden Jahr in die Serienproduktion gehen.

Seine Antwort: „Die Schnittmenge dürfte viel größer sein, als sich wahrscheinlich die meisten Leserinnen und Leser vorstellen können. Warum wir seinerzeit so viel Geld in das Start-up investiert haben, war vor allem einem Asset geschuldet, der automatisierten Bilderkennungskompetenz von Blue River. Und diese kommt selbstverständlich jetzt auch bei dem autonomen Traktor zum Einsatz. Dieser verfügt über sechs Stereokamerapaare, die eine 360-Grad-Hinderniserkennung und eine Zentimeter-genaue Abstandsberechnung ermöglichen. Die von den Kameras aufgenommenen Bilder werden durch ein Netzwerk geleitet, in dem mit Methoden der Künstlichen Intelligenz jedes Pixel darauf in ungefähr 100 Millisekunden klassifiziert, ein Abgleich mit einer Datenbank gefahren und so festgestellt wird, ob sich die Maschine weiter bewegt oder anhält. Der Landwirt wird künftig sogar eingeben können, wie groß beispielweise ein Stein sein darf, damit der Traktor stoppt. Der autonome Traktor überprüft selbstverständlich permanent seine aktuelle Position, damit sichergestellt ist, dass er genau da arbeitet, wo er es soll, und dies mit einer Präzision von weniger als einem Zoll, umgerechnet 2,54 Zentimeter. Mittels der ebenfalls zum Einsatz kommenden Geofencing-Technologie wird im Übrigen sichergestellt, dass die Maschine nur in dem vom Landwirt festgelegten Bereich arbeitet. Letzteren kann er über die mobile App des John Deere Operations Center konfigurieren.“

Ohne das vollständige Interview in der aktuellen Ausgabe hier wiedergeben zu wollen, nur noch eine Anmerkung von ihm, die pointiert, warum die großen Traktoren-Hersteller derzeit so aktiv sind hinsichtlich der Start-up-Übernahmen: „Einhergehend mit der Digitalisierung hat sich das Bild auf den Traktor signifikant gewandelt. Egal ob wir über Teil- oder Vollautonomisierung sprechen, die Anbaugeräte steuern künftig die Traktoren. Und dahingehend sprechen wir über enorme Datenmengen. Um für alles gewappnet zu sein, sind für jegliche mögliche Aktion eines Gerätes die autonom ausgeführt werden soll, um die 10.000 Aufnahmen notwendig. So kamen allein für die auf der CES und dem auf YouTube abrufbaren Video gezeigte Maschinen-Kombination des 8R mit unserem speziellen Bodenbearbeitungsgerät über einen Zeitraum von rund zwei Jahren über 50 Millionen Bilder zusammen. Und da ist noch nicht einmal das autonome Arbeiten der Kombination auf dem Vorgewende inkludiert!“

Man sei im Übrigen was die Technologie „See & Spray“ betreffe – die schon in Pflanzenschutzspritzen serienmäßig eingebaut werde – mittlerweile soweit, dass nicht nur generell „Grün auf Braun“, sondern sogar schon „Grün auf Grün“ in Reihenkulturen identifiziert werden könnte. Unter Laborbedingungen habe man dank dieser Technologie Pflanzenschutzmitteleinsparungen zwischen 90 und 95 Prozent realisieren können.

Monarch Tractor erhält CES Innovation Award
Das Unternehmen wurde wie bereits erwähnt in der Kategorie Robotik für seinen Flaggschiff-Traktor MK-V ausgezeichnet, der als erster eine Konvergenz von Elektrifizierung, Automatisierung und Datenanalyse biete, die eine nachhaltige Landwirtschaft ermögliche, die Effizienz und Sicherheit erhöhe und die Rentabilität für Landwirte maximiere. Im Jahr 2021 habe man erste Prototypen des elektrischen, fahreroptionalen Traktors ausgeliefert, die auf Betrieben mit Spezialkultur eingesetzt würden. Dank der erfolgten Verdreifachung der Größe des Teams freue man sich die Produktion hochzufahren und mit den kommerziellen Auslieferungen im Jahr 2022 zu beginnen!

Die Drehscheibe für Traktorfahrer, Betriebsleiter und Wartungsspezialisten sei dabei der intelligente Bildschirm des Monarch Tractor, der von der Aufgabenverwaltung bis hin zur Onboard-Diagnose und Wartungsunterstützung alles ermögliche. Mit den Onboard-Kameras könnten alle autonomen Vorgänge jederzeit überwacht werden. Das Test- und Validierungsteam arbeite auch weiter daran, sicherzustellen, dass der Monarch Tractor jeder Herausforderung gerecht wird, die auf den Betrieben anfalle, vor allem auch hinsichtlich des On-Target-Spray-Systems.

AGCO übernimmt Appareo Systems
Appareo wurde 2003 gegründet und gilt als ein führender Anbieter von kundenspezifischer Elektronik und Softwaredesign für die Off-Highway- und Luftfahrt-Branche. Auch liefere das Unternehmen über die Marken Intelligent Ag, Galeo und Stratus Elektronik- und Softwarelösungen für den Aftermarket für Kunden aus den Bereichen Landwirtschaft, Luftfahrt und Offroad. Appareo hat seinen Sitz in Fargo, North Dakota, mit einem zusätzlichen Designbüro in Paris, Frankreich. Alle Produkte werden in den USA gebaut und unterstützt.

Appareo arbeitet im Übrigen mit diversen Erstausrüstern zusammen, um die gewünschten Technologien kostengünstig und effektiv bereitzustellen, wenn keine Standardfunktionen verfügbar sind. So ist das Unternehmen auf die Erforschung, Entwicklung, das Design und die Herstellung von konkreter Technologie spezialisiert, die KI, Mechatronik und innovative Elektronik nutzt, um einen außergewöhnlichen Kundennutzen zu bieten. Die Lösungen, die Appareo im Portfolio hat, konzentrieren sich auf Kommunikations-, Überwachungs-, Sensor-, Tracking- und Kontrollgeräte und -systeme, die in der Agrar- und Luftfahrtindustrie sowie in anderen Offroad-Unternehmen eingesetzt werden.

Gerechte Unternehmen

Abschließend möchte ich noch einen Glückwunsch aussprechen – und zwar an John Deere! Wie der amerikanische Sender CNBC jüngst vermeldete, wurde John Deere unter die 100 gerechtesten Unternehmen über alle Branchen hinweg für 2022 gewählt, und zwar auf Rang 67. Die Non-Profit-Organisation JUST Capital spiegelt in ihrem jährlichen auf Umfragen basierenden Ranking die Leistungen der größten börsennotierten Unternehmen Amerikas bei den Themen wider, die für die Definition des heutigen Geschäftsverhaltens am wichtigsten sind. In die Bewertung fließen eine Vielzahl von Metriken ein, einschließlich der Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels, Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion, das Wohlbefinden der Arbeitnehmer/Schaffung lokaler Arbeitsplätze und die Privatsphäre der Kunden.

Ich schließe mich ohne Wenn und Aber den Visionen der Organisation an: Die Welt braucht mehr gerechte Unternehmen. Unternehmen, die an faire Entlohnung und Gleichbehandlung aller Arbeitnehmer glauben. Unternehmen, die gute Arbeitsplätze schaffen und den Wert starker Gemeinschaften verstehen. Unternehmen, die sich für einen gesunden Planeten einsetzen.

Ihr
Dieter Dänzer




Markwart von Pentz

© John Deere

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