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Technik Talk・ 17. Juni 2022


Dieter Dänzer

© az


DLG-Feldtage und Deutscher Bauerntag

Die Branche schwächt sich selbst

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche fanden zwei absolute Branchen-Highlights statt, zum einen die DLG-Feldtage und zum anderen der Deutsche Bauerntag. Ersteres wurde auf dem Südzucker-Betrieb Kirschgartshausen bei Mannheim und Letzteres in der Musik- und Kongresshalle in Lübeck umgesetzt. Zwischen den beiden Veranstaltungsorten liegen laut Google 621,6 Kilometer – was ja für die reisefreudigen Landwirte, Funktionäre und Industrievertreter grundsätzlich keine Entfernung wäre. Wenn die Organisatoren jedoch beide für die Innen- wie die Außenkommunikation so wichtigen Events zeitgleich planen – die DLG-Feldtage gingen vom 14. bis 16.6. und der Deutsche Bauerntag vom 14. bis 15.6. (genau genommen müsste die Veranstaltung eigentlich Deutsche Bauerntage heißen) – dann fehlen selbst mir fast die Worte, wie ich so ein Fiasko beschreiben soll! Es ist im Übrigen völlig egal, auf welcher Seite der oder die Verantwortlichen dafür zu finden sein sollten, sie haben der Branche jedenfalls einen Bärendienst erwiesen!

Da ich über keinen Hubschrauber verfüge, habe ich mich für den Besuch der DLG-Feldtage entschieden – und ich bin so ehrlich, dass ich gestehe, dass meine Teilnahme am Bauerntag auch überhaupt nicht zur Disposition stand! Und weil ich ja immer mal wieder kritisiert werde, dass ich Veranstaltungen der DLG nicht gerade zimperlich kommentiere, will ich dem Orga-Team dieser Feldtage ein großes Kompliment machen: das Event war wirklich herausragend organisiert: Chapeau!




Was ich allerdings auch anmerken möchte ist, dass man unter den knapp 400 im Katalog aufgeführten Ausstellern diverse absolute Branchengrößen vergeblich suchte, unter anderem Bayer oder Syngenta. Dies sorgte bei vielen Besuchern, mit denen ich im Gespräch war, für Verwunderung und jede Menge Spekulationen. Was es alles pflanzenbaulich Interessantes in Kirschgartshausen zu sehen gab, darüber wird die agrarzeitung in der kommenden Ausgabe natürlich ausführlich berichten.

Claas lieferte zwei Diskussionsthemen im Vorfeld und auf den Feldtagen
Da wäre zum einen die Intensivierung der Zusammenarbeit von Claas mit dem niederländischen Startup AgXeed und zum anderen die großen Problemen was die rechtzeitige Auslieferung der verkauften Mähdrescher betrifft. Ich habe mich deshalb am Morgen des Eröffnungstages der DLG-Feldtage mit Jennifer Kotula und Max-Ferdinand von Korff im Gebrauchtmaschinenzentrum von Claas in Hockenheim getroffen und mit ihnen einen az Technik Talk Podcast aufgezeichnet.

Jennifer Kotula ist die Leiterin des digitalen Business – oder wie die offizielle internationale Titulierung lautet "Head of Digital Business & EASY at CLAAS Vertriebsgesellschaft". Max-Ferdinand von Korff ist in der CVG Verkaufsleiter Erntetechnik, sprich Director Sales Harvesting.

Die Intensivierung der Zusammenarbeit mit AgXeed beinhaltet zum einen eine weitere Beteiligung im Rahmen der Series A Finanzierungsrunde und zum anderen eine erste Vertriebs- und Servicekooperation. Die offizielle Pressemitteilung seitens Claas wurde am 14.6. um 9 Uhr in den Verteiler gegeben, also just als der Startschuss für die Feldtage gegeben wurde. Knapp eine Stunde später folgte dann eine Pressemitteilung von Amazone mit dem Inhalt, dass man sich ebenfalls in der Series A Finanzierungsrunde an dem Startup beteiligt habe.

Es ist mehr als interessant zu hören, was Jennifer Kotula über den Vertriebsstart und die drei verschiedenen autonomen Fahrzeugversionen – Raupen-, Dreirad- und Vierrad-Fahrwerkvarianten mit unterschiedlicher Motorisierung – zu erzählen hat.

Um ein wirklich „heißes Eisen“ handelt es sich bei dem zweiten Gesprächsthema: die Druschsaison steht unmittelbar vor der Tür und bei vielen Kunden stehen die gekauften neuen Claas-Mähdrescher noch nicht auf dem Hof. In Branchenkreisen ist die Rede von deutlich über 1.000 Mähdreschern, die aufgrund der Zulieferer-Engpässe scheinbar nicht rechtzeitig fertiggestellt werden können. Diese Zahl wurde von Max-Ferdinand von Korff zwar dementiert, konkrete Angaben zu fehlenden Maschinen wollte er aber auch nicht machen. Die Situation sei zu volatil, sprich es ändere sich jeden Tag etwas. Man habe in den letzten Tagen und Wochen jedenfalls wieder richtig Boden gut machen können. Und man werde auch in den nächsten Wochen bis zur Weizenernte nennenswerte Stückzahlen von bislang noch unvollständigen Maschinen fertig ausrüsten und ausliefern können.

Fakt ist, in dem GMZ in Hockenheim – in dem sich sonst über die Wintermonate meist über 100 gebrauchte Mähdrescher ansammeln, die dann bis zum Start der Druschsaison weitgehend verkauft werden – war kein einziger Gebrauchter anzutreffen! Dafür allerdings um die 20 neue Drescher, die dort von den Profis komplettiert und zur Auslieferung fertig gemacht werden. Seitens Claas wolle man jedenfalls alles Menschenmögliche tun, damit jeder Hektar eines Kunden gedroschen wird! Welche Maßnahmen neben dem Stellen von Überbrückungsmaschinen ergriffen wurden, erläutert Max-Ferdinand von Korff meines Erachtens sehr authentisch. Für mich verdient der Podcast auf jeden Fall das Prädikat "unbedingt hörenswert"! Sie können diesen auf allen bekannten Podcast-Plattformen wie Spotify oder Amazon und natürlich auch auf den Homepages von der agrarzeitung und dem New Ideas Think Tank.

Apropos Claas-Auslieferprobleme: Dass die in 2021 mit großem Aufwand bis in den November hinein in 22 Wochen modernisierte Mähdrescherproduktion am Stammsitz Harsewinkel durch die gestörten Lieferketten so ausgebremst werden würde, war weder zur Verkündung der Bilanz des letzten Geschäftsjahres im Dezember absehbar noch bis zu dem von vielen Seiten als „Game Changer“ bezeichneten 24. Februar 2022. Es konnte einfach kein Mensch ahnen, dass ein „Verrückter“ einen Krieg vom Zaun brechen würde.

Aber irgendwie ist dies „alles hätte, hätte Fahrradkette“ – die nächsten Wochen werden zeigen, ob es Claas gemeinsam mit den Vertriebspartnern, Lohnunternehmern und Landwirten gelingt, dass wirklich jeder Hektar Getreide gedroschen werden kann. Ich drücke ihnen allen jedenfalls ganz fest beide Daumen, dass es gelingen möge!

Ihr
Dieter Dänzer



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Dieter Dänzer trifft Jennifer Kotula und Max-Ferdinand von Korff von Claas

© Dieter Dänzer

az Technik Talk Podcast

Dieter Dänzer trifft Jennifer Kotula und Max-Ferdinand von Korff von Claas

Aus aktuellen Anlässen, sprich der Intensivierung der Zusammenarbeit von Claas mit dem niederländischen Startup AgXeed sowie den großen Problemen was die rechtzeitige Auslieferung der verkauften Mähdrescher betrifft, hat sich Dieter Dänzer mit Jennifer Kotula und Max-Ferdinand von Korff im Gebrauchtmaschinenzentrum von Claas in Hockenheim getroffen. ­ Mehr ›




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© DLG

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