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Technik Talk・ 05. August 2022


Dieter Dänzer

© az


Landtechnik-Innovationen

Landtechnik wird vielfältiger und intelligent

Liebe Leserinnen und Leser,

was die Thematik Landtechnik-Innovationen betrifft, so flatterte bei mir zum einen am Montag die Meldung in mein Mail-Postfach, dass die SDF Group sich mehrheitlich an dem französischen Startup VitiBot beteiligt. Und zum anderen waren mein Geschäftsführer-Kollege vom New Ideas Think Tank, Ilja Führer, und ich am Mittwoch und Donnerstag zu Gast bei dem 2019 gegründeten Startup Crop.Zone in Aachen. An beiden Unternehmen lässt sich exemplarisch aufzeigen, wie sich die Landtechnik fast in Blitzgeschwindigkeit an die sich ändernden klimatischen und gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft anzupassen in der Lage ist.

VitaBot pflegen autonom Weinberge
Das Unternehmen mit Sitz in Reims, im Herzen der Champagner-Region soll mit Bakus, einem zu 100 % elektrischen und autonomen Straddle Traktor, den aufstrebenden Markt der Weinbergpflege-Robotik anführen. Das Unternehmen wurde 2016 von Vater Dominique Bache, einem Winzer aus dem Aube-Gebiet, und seinem Sohn Cédric Bache, einem Robotertechniker gegründet. Der Bakus-Roboter sei das Ergebnis einer fünfjährigen Forschungs- und Entwicklungsarbeit von einem Team junger Ingenieure. Deren Leidenschaft habe der Robotik und der Ökologie gegolten. Ihr Ziel war es, den Winzern neue Techniken anzubieten und gleichzeitig die soziale und ökologische Nachhaltigkeit zu verbessern. VitiBot bringt eine neue Dynamik in den französischen Landmaschinensektor und bildet die Grundlage für neue Berufe und zahlreiche künftige Arbeitsplätze.




Die SDF Group mit den Marken Deutz-Fahr, Grégoire, Hürlimann, Lamborghini Trattori und Same übernimmt nun eine Mehrheitsbeteiligung an dem französischen Robotikspezialisten für die Weinbergpflege. Gemeinsam möchten die beiden Unternehmen eine Reihe innovativer und leistungsstarker Lösungen für eine neue, zunehmend nachhaltige Präzisionslandwirtschaft entwickeln und auf den Markt bringen, war zu lesen. Die im italienischen Treviglio beheimatete SDF Group im Besitz der Familie Carozza beschäftigt mittlerweile weltweit mehr als 4.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro mit einer EBITDA-Marge von 11 %.




Der Einstieg bei VitiBot sei viel mehr als nur eine Mehrheitsinvestition ist in der Pressemeldung zu lesen. Es sei eine Synergie von Know-how und Fähigkeiten sowie gemeinsamer Werte und Ambitionen. “Nachhaltige und digitale Landwirtschaft ist ein Schlüsselfaktor für unsere Entwicklung. Nach einer eingehenden Untersuchung haben wir festgestellt, dass VitiBot die beste Lösung für den Weinbau ist, die es uns ermöglicht, unser Angebot an Traktoren mit selbstfahrenden und emissionsfreien Elektrofahrzeugen zu bereichern" - kommentiert Lodovico Bussolati, CEO von SDF. "Das Ziel ist es nun, die Entwicklung des Unternehmens und die Industrialisierung des Produkts zu unterstützen, um die Nachfrage auf dem Markt zu decken, von der wir glauben, dass sie in Zukunft stetig wachsen wird.“

Aktuell konzentriere sich SDF vor allem auf unbemannte Arbeitsabläufe, Precision Farming, digitale Dienstleistungen, die Erfassung und Verwaltung landwirtschaftlicher Daten und die Einführung von Elektrifizierungstechnologien für landwirtschaftliche Geräte. Mit VitiBot gewinne man ein hoch qualifiziertes Team mit spezifischem Know-how, um diese Ziele schnell und effektiv zu erreichen.

Marktführer Robotik für die Weinbergpflege
Cédric BACHE, CEO von VitiBot wird zitiert mit: „Wir freuen uns über die Zusammenarbeit, die es uns ermöglicht, die Herausforderungen der Landwirtschaft von morgen zu meistern, die der Ursprung unseres Projekts ist. Der Beitritt zu SDF, einer jahrhundertealten Gruppe, die weltweit für ihre Produkte und Werte bekannt ist, ist eine große Chance für uns und eine Garantie für Wachstum und Erfolg."

Mit dieser Entscheidung festige man die eigene Position als Marktführer in der Robotik für die Weinbergpflege und garantiere jedem Kunden eine lokale und persönliche Betreuung. Die bisherigen Investoren des Unternehmens, Maison Louis Roederer, die Gruppe Martell Mumm Perrier-Jouët, Laurent-Perrier Champagnes, Piper-Heidsieck und Charles Heidsieck, bleiben Aktionäre und Mitglieder des strategischen Ausschusses und unterstützen das Unternehmen bei seinem Vorhaben.

Innerhalb von SDF werde VitiBot, wie auch andere Tochtergesellschaften, wie z.B. der Hersteller von Trauben-Vollerntern Grégoire, seine volle Autonomie in Bezug auf die technische, industrielle und kommerzielle Entwicklung behalten. Der unternehmerische Geist und die Agilität des Startups blieben so erhalten, und zahlreiche hochqualifizierte Ingenieure würden von nun an neu eingestellt.

Mit mehr als 50 Bakus-Robotern, die bereits in Weinbergen auf der ganzen Welt im Einsatz seien, einem vollen Auftragsbuch, einem Direktvertrieb und einem wachsenden Händlernetz werde man seitens VitiBot die kommerzielle Entwicklung vorantreiben. Auf diese Weise werde VitiBot seinen Status als internationaler Marktführer im Bereich der Robotik für die Weinbergspflege und bei der Entwicklung bahnbrechender Produkte festigen, indem es sich an den künftigen Bedürfnissen des Weinbergs- und Agrarmarktes orientiert

crop.zone hybrid plant control solution – eine nachhaltige Alternative zu chemischen Herbiziden
In einem ganz anderen Segment ist das Startup crop.zone unterwegs: Das Unternehmen hat ein innovatives, ja sogar bahnbrechendes Hybrid-Herbizidsystem entwickelt, das auf elektrophysikalischen/elektrochemischen Verfahren basiert und die nicht-chemische Pflanzenkontrolle effektiv und effizient macht. Die patentierte Lösung sei ungiftig und eine konkurrenzfähige Alternative zu herkömmlichen Methoden der Unkrautbekämpfung.

Im az Technik Talk Podcast erläutert Gründer und CEO Dirk Vandenhirtz: „Unsere Technologie bietet erhebliche Vorteile für eine nachhaltige Landwirtschaft, sie ermöglicht eine konservierende und regenerative Landwirtschaft sowie den ökologischen Landbau und hilft allen Landwirten, schwierige Unkräuter zu bekämpfen. Eine rückstandsfreie Trocknung und gesetzliche Wartezeiten für den Abbau von Chemikalien maximieren die Flexibilität der Hersteller und die Akzeptanz der Verbraucher bei gleichzeitiger Minimierung der Risiken für Lebensmittelindustrie und Handel."

Crop.Zone biete ein natürlich integriertes Unkrautmanagement, da Unkräuter auch in vergleichsweise großen Größen behandelt werden könnten. Somit könne man ein wesentlicher Teil der Lösung sein für mehr Biodiversität auf Feldern, ohne, dass es zu Ertragseinbußen komme. Die Technologie sei der Ausgangspunkt für herbizidfreie CO2-Sequestrierung, neue Feldfrüchte und die Anpassung der Landwirtschaft an sich ändernde klimatische und gesellschaftliche Anforderungen.

Das 2019 gegründete Startup erwecke das Konzept des Integrierten Unkrautmanagements (IWM) zum Leben, indem es die vier Wissenschaften des Unkrautmanagements nutzt und neu kombiniert: Physik, Chemie, Biologie und Ökologie. Der Erfolg des Unternehmens werde jedoch vor allem von den Menschen, ihren Kompetenzen und ihrer Überzeugung abhängen, diese Transformation zu einem echten Erfolg zu machen. Es sei entscheidend, die einzigartige Gelegenheit zu nutzen, Innovator und Marktführer zu sein.

Aufhorchen lassen hat Crop.Zone im Übrigen auch durch Partnerschaften und Kooperationen mit Big Playern und Investoren wie Nufarm und John Deere. Mit Nufarm wurde ein Early-Adopters-Programm mit ausgewählten Vertriebspartnern in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien installiert, um Landwirten und Kunden den Zugang zu der neuen Technologie zu erleichtern.

Von Branchen-Spezialisten werden die langfristigen Perspektiven von Crop.Zone als ausgezeichnet beurteilt. Starke Investoren und Partner seien ein Garant für Verfügbarkeit und Weiterentwicklung von Maschinen, Ressourcen und dem Lösungsprodukt. Das Startup gehöre mit seinen Produkten zu den preisgekrönten Innovatoren im Bereich AgTech und FoodTech. Es wurde übrigens im Frühjahr mit einem Stipendium des Bundeslandwirtschaftsministeriums ausgezeichnet. Nach dem erfolgreichen Start in Deutschland soll Crop.Zone in naher Zukunft auf europäischer Ebene – und durch die Aufnahme in das Startup-Collaborator-Programm 2022 von John Deere – auch auf dem amerikanischen Markt deutlich wachsen.

Ihr
Dieter Dänzer



John Deere 8R row crop tractor

© John Deere

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