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Technik Talk・ 18. November 2022


Dieter Dänzer

© az


Besucherrekorde vice versa Schwund

Rohstoffpreise sorgen für gute Messestimmung

Liebe Leserinnen und Leser,

meine Eindrücke der vergangenen zwei Tage auf der EuroTier in Hannover lassen sich nicht wirklich leicht in Worte fassen! Der Aussteller- und Besucherschwund im Vergleich zur letzten Live-Veranstaltung in 2018 ist frappierend. Die 2020-Ausgabe wurde ja bekanntlich Corona-bedingt als Digital-Event mit einem für die allermeisten Aussteller völlig unbefriedigenden Verlauf durchgezogen. Was nicht nur mich, sondern alle Gesprächspartner richtig irritierte war, dass in den allermeisten Messehallen viele Leerflächen zu bemerken waren. Die DLG wäre nach Meinung der Aussteller besser beraten gewesen, die eine oder andere Halle leer stehen zu lassen und dafür die verbliebenen komplett zu füllen.

Ein Vergleich der 2018er-Zahlen mit denen in diesem Jahr hätte mich eigentlich vorwarnen können, was mich in Hannover erwartet: Vor vier Jahren präsentierten auf der EuroTier gemeinsam mit der EnergyDecentral noch 2.597 Unternehmen der beiden Branchen aus 62 Ländern ihre Produkte, Dienstleistungen und Visionen für die Zukunft ihrer Branchen. Für dieses Jahr hatte die DLG im Vorfeld rund 1.800 Aussteller aus 55 Ländern auf 250.000 Quadratmeter Hallenfläche für die beide Messen zusammen angekündigt. Es hatten sich nicht nur viele asiatische Unternehmen – kein Wunder aufgrund beispielsweise den Corona-Restriktionen in China – sondern auch eine größere Anzahl an renommierten in Europa ansässigen Unternehmen entschieden, der EuroTier fernzubleiben. In allen Bereichen glänzten namhafte Unternehmen wie zum Beispiel DeLaval in der Melktechnik oder Plöger, Vervaet, Vredo und Samson bei der Gülletechnik, um nur ein paar davon aufzuzählen.

Der Schwund von rund 800 Ausstellern im Vergleich der beiden EuroTier-Ausgaben wird sich letztlich auch in den Besucherzahlen niederschlagen. In 2018 kamen 155.000 Besucher, darunter 46.500 aus dem Ausland. Wie viele es in der 2022er-Ausgabe sein werden, wenn sich heute Abend die Tore der Messehallen geschlossen haben, darüber werden ich Sie nächste Woche informieren.

Hohe Milch-, Rindfleisch- und Getreidepreise sorgen für gute Messestimmung
Alles andere als ein signifikanter Rückgang der Besucherzahl wäre eine große Überraschung, schließlich stand die diesjährige Weltleitmesse für professionelle Tierhaltung und Livestock-Management, sowie der Leitmesse für dezentrale Energien – diesen Ansprüchen wird sie trotz diesem Ausstellerschwund allemal noch gerecht – nicht nur wegen Corona unter keinem guten Stern. Dass die Politik seit Jahren versagt, den Landwirten Planungssicherheit zu verschaffen – was deren beabsichtigte Investitionen in Wirtschaftsgebäude betrifft – hat dazu geführt, dass die dafür geplante Investitionssumme laut Konjunkturbarometer Agrar mittlerweile auf ein historisches Tief abgesackt ist.

Die hohen Rohstoffpreise für die meisten landwirtschaftlichen Produkte lassen sich andererseits als Gründe dafür identifizieren, dass sich ausnahmslos alle unserer Gesprächspartner auf der Messe positiv über die Qualität ihrer Kontakte geäußert haben. Von den Melkanlagen-Herstellern war beispielsweise zu hören, dass zwar kaum Kunden mit Neubauprojekten aber eine große Anzahl mit Umbauvorhaben vorstellig geworden seien.

Ladetechnik-Hersteller schweben schon länger auf Wolke 7
Es gibt schon seit längerem nur eine Maschinengattung in der Landwirtschaft, deren Verkaufszahlen sich von Jahr zu Jahr steigern, nämlich die Ladetechnik. Kein Wunder, schließlich wird es kaum einen unter den aktiven 265 000 landwirtschaftlichen Betrieben geben, der nicht mindestens eine Ladetechnik auf dem Hof im Einsatz hat. Nach dem aktiven Bestand von rund 1,6 Mio. zugelassenen Traktoren dürfte die Ladetechnik von der Stückzahl als zweithäufigste Maschinengattung auf den Betrieben anzutreffen sein.

Als Beispiel für eine gegenläufige Landtechnikentwicklung hier die Verkaufszahlen von Mähdreschern und Teleskopladern im Vergleich: während die Zahl der Mähdrescher von einst über 3.000 auf inzwischen weniger als 1.200 Einheiten zurückging, ging die Entwicklung der Teleskoplader genau den umgekehrten Weg. Von dieser vergleichsweisen jungen Technologie – der englische Hersteller JCB hat 1977 den ersten landwirtschaftlichen Loadall auf den Markt gebracht – konnten in Deutschland in 2021 insgesamt 3.969 Einheiten abgesetzt werden. Diese Zahl ist zumindest einer Verkaufsstatistik von Off Highway Research zu entnehmen. Und warum insgesamt, weil sich nicht scharf trennen lässt, wie viele Maschinen in die Baumaschinen-Branche gingen und wie viele letztlich bei einem Landwirt oder Lohnunternehmer ihre Dienste verrichten. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass sich das Verhältnis zugunsten der Landwirtschaft verändert, aber in normalen Jahren immer noch mehr als die Hälfte aller Teleskope in die Bauwirtschaft gehe. In anderen Ländern überwiege dagegen auch mal der Absatz in die Landwirtschaft signifikant.

Dies mag auch die Erklärung dafür sein, dass der französische Landtechnik-Herstellerverband Axema für 2021 eine Verkaufszahl von 5.700 vermeldet hat, während in der Statistik von Off Highway für Frankreich, dem Heimatmarkt von Manitou, die Zahl von 7.916 zu finden ist.

Der größte Markt für Teleskope ist im Übrigen Großbritannien, wo in 2021 insgesamt 9.333 Einheiten abgesetzt worden sein sollen. Hier liegt der Marktanteil von JCB traditionell immer weit jenseits der 50 %-Grenze - exakt sollen es im vergangenen Jahr 5.573 Einheiten gewesen sein. In Frankreich hat Manitou laut der Statistik mit 2.647 die Nase deutlich vor JCB mit 1.962 und Merlo mit 1.036. Was das Marktvolumen betrifft, rangierte Deutschland im Übrigen noch vor Italien (3.408) auf dem dritten Rang dieser Statistik. Wobei der in Cuneo, also in Italien ansässige Hersteller Merlo den eigenen Markt nicht so dominieren kann wie in Deutschland: hierzulande konnte das Fabrikat eigentlich immer über 30 Prozent Marktanteil vorweisen. In 2021 ist dieser mit abgesetzten 1.075 Einheiten aufgrund von Lieferengpässen jedoch stark abgefallen.

Über alle europäischen Länder werden jährlich mittlerweile sowohl 30.000 Hof- und Kompaktlader als auch Teleskope verkauft. Und wie alle Hersteller, mit denen wir uns auf der EuroTier unterhalten haben sich unisono äußerten, sei kein Ende der Fahnenstange zu sehen. Allerdings haben alle mit Zuliefererengpässen und den starken Preiserhöhungen zu kämpfen. Die Auftragsbücher sind jedenfalls bis weit ins Jahr 2023, teils sogar bis ins Jahr 2024 gefüllt!

Versorgungssicherheit für die Energiemärkte von morgen
Noch eine kurze Anmerkung zur EnergyDecentral: diejenigen Aussteller mit denen wir uns unterhalten haben, bekundeten eine gute Stimmung bei ihren Besuchern. So funktioniere beispielsweise die Bioemethan-Gewinnung – anders als viele der Power-to-X-Technologien, die sich noch in einem Forschungsstadium befänden – sehr zuverlässig und könne reibungslos in eine bestehende Biogasanlage integriert werden.  Durch die etablierten, klassischen Verfahren der Biogasaufbereitung mittels Aminwäsche, Druckwasserwäsche oder Membranen lasse sich der Methangehalt auf bis zu 99 Prozent erhöhen. Aufgabe der nächsten Jahre werde deshalb die Validierung und Implementierung der aussichtsreichsten Power-to-X-Konzepte entlang ihrer Wertschöpfungskette sein.

SIMA in Paris ist der große Verlierer – EIMA ist klarer Punktsieger
Ich hatte ja im Technik Talk in der letzten Woche schon kurz die Konkurrenzsituation der beiden internationalen Landtechnikmessen, der SIMA in Paris und der EIMA in Bologna, thematisiert. Bislang fand erstere immer Ende Februar im Agritechnica-Jahr statt. Der französische Veranstalter hatte – vielleicht auch mit Blick auf die Feier zum 100-jährigen Jubiläum der Messe – bewusst eine Terminkollision herbeigeführt mit der Messe in Bologna. Die SIMA startete am Sonntag vor einer Woche und ging bis Donnerstag – die EIMA öffnete am Mittwoch und ist bis einschließlich Sonntag gegangen, weshalb ich in dem immer am Freitag publizierten Technik Talk noch kein finales Fazit ziehen konnte.

Die von FederUnacoma organisierte 45. Ausgabe der EIMA hat mit einem neuen Besucherrekord von 327.100, davon 57.300 aus dem Ausland, abgeschlossen – und damit den 2018er-Rekord von 317.000 Besuchern getoppt. Im Unterschied zur SIMA – in Paris sind zwei sonst einbezogene Messehallen komplett leer geblieben – waren in Bologna alle Halle komplett gefüllt. Die Zahl der Besucher ist im Vergleich zur letzten Messe im Februar 2019 von rund 235.000 auf nun 153.000 erodiert.

Die zeitliche Überlappung der beiden Messen hat somit einen eindeutigen Verlierer: die SIMA. Aber wie über die Aussteller der EuroTier berichtet, äußerten sich auch die SIMA-Aussteller unisono mit dem Besuch auf ihren eigenen Ständen und auch mit dem Geschäftsklima sehr zufrieden. Frankreich ist nun einmal der größte Agrarmarkt Europas. Deshalb sind die Messestände der großen Hersteller in Paris meist auch vielfach größer dimensioniert als in Bologna.

Wenn die Veranstalter der SIMA ein noch größeres Fiasko bei der nächsten Auflage vermeiden wollen, dann sollten sie noch einmal sehr intensiv darüber nachdenken, ob sie wirklich den angekündigten Termin vom 24. bis 28. November 2024 halten wollen. Wobei mit diesem Zeitraum eine Terminüberschneidung mit Bologna vermieden wird, denn die nächste EIMA ist vom 6. bis 10. November 2024 angekündigt. Allerdings dürfte es dennoch für die meisten Aussteller unmöglich werden, beide Messen mit ihrem Equipment und dem Personal bestücken zu können. Und die vergangenen Wochen haben eine eindeutige Korrelation von Aussteller- und Besucherzahl aufgezeigt.

Für uns vom New Ideas Think Tank zieht sich der Messemarathon im Übrigen noch über das nächste Wochenende hinaus: Wir sind als Konzeptpartner der „Parts & Service World“ in Kassel sogar mit einem eigenen Messestand vertreten. In einem Gemeinschaftsstand mit AgroBrain, E-Farm, MPL und der ILAFA Peine freuen wir uns darauf, viele Besucher begrüßen zu dürfen. Und auch auf die B2B-Messe für den Landtechnik-Fachhandel stimmt die Korrelations-Feststellung zu: denn im Vergleich zur 2018er-Premiere ist die Ausstellerzahl von rund 150 auf über 200 angestiegen. Und durch die bislang bereits ausgestellten E-Tickets wissen wir, dass die Besucherzahlt die 10.000 von damals signifikant übersteigen wird. Ich freue mich schon jetzt, viele von den Lesern des Technik Talk in Kassel begrüßen zu dürfen.

Ihr
Dieter Dänzer



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