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Technik Talk・ 20. Januar 2023


Olaf Deininger agrarspitze

© az


BMEL-Initiative

Wie kann man Interoperabilität endlich in den Griff bekommen?

Liebe Leserinnen und Leser,

ein kleiner Sitzungsraum im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die u-förmig angeordneten Tische sind voll besetzt. Kein einziger Stuhl ist mehr frei. Man drängt sich. Im Raum: Vertreter von rund 15 bundesdeutschen Landtechnikherstellern, dazu Vertreter des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.v. (VDMA), des Branchenverbandes der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche (Bitkom), des Deutschen Instituts für Normung (DIN), Digital-Experten des BMEL, Software-Hersteller. 

Das Thema: Interoperabilität. Oder einfach gesagt: Die Frage, wie landtechnische Maschinen miteinander und mit anderen Anwendungen oder Software technisch besser kommunizieren können. Dieses Thema will man auf Arbeitsebene endlich weiter nach vorne bringen. 

Der größte Landtechnik-Hersteller der Welt fehlte

Ein solches Treffen hat es bislang in der deutschen Landtechnikbranche nicht gegeben, sagen Teilnehmer. Es fand am 18. Oktober vergangenen Jahres statt, genau an dem Tag, an dem wir in Frankfurt a.M. zum Agrar Wirtschafts Forum luden. Praktisch alle wichtigen Firmen hatten ihre Experten nach Berlin ins BMEL geschickt. Alle, außer einer: Der größte Landtechnik-Hersteller der Welt John Deere. Und das hatte einen Grund.

Dieses Meeting war überfällig. Denn seit Jahren kommt das Thema Interoperabilität nicht schnell genug voran. Es war noch in den Nuller-Jahren, als ich diesen Begriff zum ersten Mal gehört habe. Und manche sagen, seitdem sei nicht viel Wesentliches passiert. Doch das stimmt nicht ganz. Etliche mittelständische Landtechnikunternehmen haben sich über den DKE agrirouter zusammengeschlossen, um ein digitales Ökosystem zu bilden, innerhalb dessen Daten ausgetauscht werden können.

Mangelnde Vernetzung bremst die Entwicklung

Laut einer Umfrage des Bitkom sieht über die Hälfte der Landwirte in der mangelnden Vernetzung eines der größten Hemmnisse der Digitalisierung in der Landwirtschaft. Das liegt daran, dass die meisten Landwirte Software und Hardware unterschiedlicher Hersteller nutzen. "Interoperabilität, also die Fähigkeit, digitale Informationen auszutauschen und zu nutzen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Nutzbarkeit und Verbreitung digitaler Anwendungen in der Praxis", sagt ein Bitkom-Vertreter.

Häufig versuchen große Hersteller von digitalen Lösungen, ihre Schnittstellen zu schützen. Bedeutet: Sie sorgen dafür, dass nur die eigenen Produkte untereinander kommunizieren können (wie etwa bei Apple) oder Produkte von Unternehmen, mit denen sie kooperieren (wie etwa lange Zeit bei SAP). Das soll die Marktanteile schützen und große Hürden bei den Kunden aufbauen, damit ein Wechsel zu einem anderen System möglichst beschwerlich und aufwendig wird und deshalb die Kunden lieber "treu" bleiben.

Die Antwort von Deere: DataConnect 

So oder so ähnlich handhabt das auch John Deere. Über das John Deere Operation Center können Daten mit anderen Anbietern und Herstellern ausgetauscht werden – allerdings nur mit solchen, die mit John Deere kooperieren und Teil des Operation Center sind. John Deere hat somit die Kontrolle darüber, wer Teil davon sein darf und soll. 

Über das Projekt DataConnect hat nun auch John Deere angefangen, Datenaustauschmöglichkeiten mit anderen Landtechnikherstellern wie Claas oder CNH zu schaffen. Der Umfang der ausgetauschten Daten hält sich laut Branchenexperten allerdings noch in Grenzen.

DIN-Experten mit am Tisch

Diese Sitzung - und damit das im Oktober im BMEL gestartete Projekt - sollte das Gegenteil erreichen: Es soll helfen Standards zu definieren, wie dieser Datenaustasuch aller Komponenten über möglichst viele Hersteller hinweg reibungslos funktionieren kann.   

Aus diesem Grund saß im Oktober auch das Deutsche Institut für Normung (DIN) mit am Tisch im BMEL. DIN mit Sitz in Berlin Tiergarten ist die traditionsreiche Einrichtung. Es entwickelte vor über 100 Jahren, im Jahr 1917, die Deutsche Industrie-Norm, kurz DIN. Und zwar, so das erste Ziel: Zur Rationalisierung der Rüstungsproduktion. "Der Kegelstift erhielt in Deutschland am 1. März 1918 vom Normenausschuss der deutschen Industrie (der Vorganger des Deutschen Instituts für Normung) die erste vergebene DIN-Norm, die DIN 1“, berichtet Wikipedia. Später wurden Papiermaße wie A4 definiert, die heute einen weltweiten Standard darstellen. Das Deutsche Institut für Normung soll nun mithelfen, digitale Standards für Interoperabilität zu schaffen.   

Interoperabilität entscheidet über Weltmarkanteile

Es gibt Branchenexperten, die sagen: Wenn die Hersteller hierzulande das Thema Interoperabilität nicht in den Griff bekommen, werden sie vom Weltmarkt verschwinden. Da ist was dran. Denn künftig wird es nicht mehr nur um Leistung der Geräte und Maschinen gehen, sondern um deren technische Intelligenz und um deren technische Kommunikationsfähigkeit. 

In den nächsten Monaten will man sich im BMEL erneut treffen. Dann entscheidet sich, ob das staatliche angeschobene Projekt die Situation verbessern wird. Wir können es nur hoffen. 

PS: Wie sich der Wettbewerb der digitalen Öko-Systeme in der Landtechnik gerade in Deutschland darstellt, darüber berichte ich in den kommenden Wochen noch detaillierter. Und wenn wir schon bei John Deere sind: Fendt hat in der aktuellen Zulassungstatistik John Deere bei den Zulassungen von Traktoren über 50 PS überholt. Mehr dazu auf unserer Website. Zweiter Lesetipp: Ich setzte mich in der aktuellen Ausgabe mit neuen, datengetriebenen Geschäftsmodellen in der AgriFood-Branche auseinander und zeige Perspektiven auf. Und: Wir haben die künstliche Intelligenz ChatGPT zwei Texte recherchieren und schreiben lassen. Schauen Sie sich unbedingt das erstaunliche Ergebnis an. Das alles finden Sie in der aktuellen Ausgabe und auf unserer Website. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.


Ihr
Olaf Deininger
Chefredakteur Agrar-Medien



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