Interview mit Thomas Böck

"Wir wollen die effizientesten Maschinen bauen"

Thomas Böck, CEO von Claas, spricht im az-Interview über Optimierung und Klimaschutz.
Claas
Thomas Böck, CEO von Claas, spricht im az-Interview über Optimierung und Klimaschutz.
Artikel anhören
:
:
Info
Abonnenten von agrarzeitung Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.

Die EU hat mit dem Green Deal die Leitplanken für Treibhausgasemissionen und nachhaltiges Wirtschaften für alle Branchen mit ambitionierten Zielen vorgegeben. Zumindest für die EU-Länder wurde der Klimaschutz gegenüber der Ernährungssicherung priorisiert. Der Konzernchef der Claas-Gruppe, Thomas Böck, sagt, was das Unternehmen dafür tut, damit seine Kunden bis 2045 in Deutschland klimaneutral agieren.

 
agrarzeitung: Welche Rolle kommt Claas unter den formulierten politischen Rahmenbedingungen zu?
Thomas Böck: Wir konzentrieren uns im Unternehmen schon länger darauf, dass wir den Landwirten und Lohnunternehmern Maschinen und Geräte zur Verfügung stellen, mit denen sie ihre zu bewältigenden Arbeiten möglichst ressourcenschonend und effizient erledigen können. Ein klar formuliertes Ziel für unsere Entwicklungsabteilung lautet: die effizientesten Maschinen in der Landtechnik zu bauen. Dies fängt bei der Verbrauchsoptimierung an und reicht bis zur Optimierung der gesamten Prozessketten bei den Landwirten bei deren Anbauverfahren. Wobei die ökologischen Ziele immer auch im Einklang mit der Ökonomie erreichbar sein müssen.
 
Wenn die Landwirte kein Geld mehr verdienen, können sie ja auch nicht mehr im notwendigen Maß in Zukunftstechnologien von Claas investieren!
Das auskömmliche Arbeiten muss für die Landwirte in Deutschland und den anderen EU-Ländern sichergestellt sein, sonst wird die Rohstoffproduktion für die Lebensmittelherstellung ins Ausland verlagert. Gerade während der Corona-Pandemie und den dadurch verursachten Problemen bei den Lieferketten sehen wir doch, wie essenziell wichtig eine Nahversorgung ist.

Sind die von der EU-Kommission formulierten Ziele auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit in dem Zeitraum erreichbar?
Sie sind sehr ambitioniert, aber ich bin mir grundsätzlich sicher, dass sie erreichbar sind. Was die Nachhaltigkeit betrifft, so beschäftigen wir uns schon lange beispielsweise mit dem Thema Bodenschutz – schließlich ist es keine neue Erkenntnis, dass Bodenverdichtungen automatisch Ertragsverluste nach sich ziehen. Wir gelten mit unseren Raupenlaufwerken für Mähdrescher, Häcksler und Traktoren als klarer Technologieführer in der Branche. Die zweite Alternative, die Reifendruckregelanlagen, haben wir durch die Einbindung in unser einzigartiges Maschinenoptimierungssystem Cemos für Traktoren in eine neue Dimension geführt.
„Die ökologischen Ziele müssen immer auch im Einklang mit der Ökonomie erreichbar sein.“
Thomas Böck, CEO Claas, 

Die DLG hat nachgewiesen, dass sich mit Cemos unter anderem deutliche Kraftstoffeinsparungen realisieren lassen.
Unser System steht für weit mehr als nur die Einsparmöglichkeit von Kraftstoff. Ein Beispiel dafür wäre beim Mähdrescher die Kennfeldsteuerung aller Druschprozesse mithilfe von KI. Selbst erfahrenen Fahrern kann es über einen langen Arbeitstag nicht gelingen, alle Einstellungen immer im Optimalzustand zu halten – unser System kann da zig Vorteile hinsichtlich der Erntedurchsatzleistung einerseits und der Kraftstoffreduzierung im zweistelligen Prozentbereich andererseits für sich verbuchen. Wir brauchen mittlerweile weniger als einen Liter Diesel, um eine Tonne Weizen zu dreschen. Es ist noch nicht so lange her, da waren es noch vier bis fünf Liter. Bei Traktoren hat die DLG infolge der permanenten Optimierungseinstellungen im Übrigen Kraftstoffeinsparungen von über zehn Prozent selbst bei Profifahrern gemessen. Und das bei über 10 Prozent mehr Flächenleistung.
 
Bei der Klimaneutralität müssen ja die Unternehmen selbst auch ihren Teil beitragen – was tut Claas bereits und was muss noch getan werden?
Wir haben schon vor Jahren ein sogenanntes Energie-Management-System eingeführt. In dessen Rahmen schauen wir uns alle Prozesse sowohl bei uns in der Produktion, aber auch beim Handel an. Wie versuchen beispielsweise so weit als möglich grüne Energie einzukaufen. Ein anderes Beispiel: Wir modernisieren derzeit für rund 44 Millionen Euro die gesamte Mähdreschermontage hier in Harsewinkel. Damit verbunden sind neue Abläufe in der Produktion, aus zwei Fertigungslinien wird eine. Aber auch mit Blick auf CO2-Emissionen soll das modernisierte Werk neue Maßstäbe setzen. Das Ziel ist die Reduktion von jährlich 480 Tonnen unter anderem durch deutliche Energieeinsparungen im erneuerten Hallenbereich. Zusätzlich haben wir massiv in die Wärmerückgewinnung investiert und werden künftig ein Drittel weniger Heizenergie benötigen. Im für 40 Millionen Euro modernisierten Traktorenwerk in Le Mans wurden ebenfalls ganz viele Details ins Visier genommen. Dafür wurden viele komplexe Prozesse neu gedacht – insbesondere bei der innerbetrieblichen Logistik. Durch Einsatz modernster Virtual-Reality-Technologien konnten bereits bei der Werksplanung alle Prozesse digital durchlaufen werden, selbst mit Traktormodellen, die noch gar nicht produziert werden.
Technik Talk Podcast mit Thomas Böck
In der Premierensendung des Technik Talk Podcasts hat Dieter Dänzer mit Thomas Böck noch weitere Aspekte hinsichtlich Klimaneutralität und Nachhaltigkeit thematisiert. So hat Böck seine Ansichten zu Greenwashing, E-Mobilität, E-Fuels, Technologie-Offenheit, „Carbon-Farming“, Dokumentations- und Nachweispflichten erläutert. Hier geht es zum Podcast.
    stats